Weihnachtsstimmung bei 30 Grad Krippenbauen im Hochsommer

07.08.2020

Andere schwitzen im Urlaub während Peter Steininger schon an den Winter denkt und an die Krippen, die er dann ausstellen will und schon jetzt gestalten muss.

Stille Nacht bei Badewetter: einen ganzen Sommer lang hat Peter Steininger an dieser Krippe mit Papierfiguren gearbeitet.
Stille Nacht bei Badewetter: einen ganzen Sommer lang hat Peter Steininger an dieser Krippe mit Papierfiguren gearbeitet. © SMB/Bierl

München - Wenn es heiß ist und andere an den überfüllten Badesee fahren, dann steigt Peter Steininger in seinen Keller hinunter. Der leidenschaftliche Krippenbauer hat im Sommer anderes zu tun als zum Schwimmen zu gehen oder sich in die Sonne zu legen. Dann muss er z.B. ein neues Dach für einen Stall machen. Wenn er es mit etwas Gipspulver bestreut, der wie Schnee aussieht, und Maria, Josef und die Hirten in dicke Lodenjanker gehüllt vor der Krippe stehen, dann macht sich mitten im August Weihnachtsstimmung breit. Selbst bei 30 Grad Außentemperatur. „Es gibt immer etwas zu tun“, sagt der 68jährige Rentner aus München und nimmt einen Papierbogen mit aufgedruckten Krippenfiguren zur Hand. Das Blatt ist schon stark gewellt: „Das muss ich unbedingt auf eine gerade Sperrholzplatte kleben, damit es glatt wird.“

Mit der Laubsäge am Arm des Königs

Den Bogen hat er von Bekannten geschenkt bekommen. Vor zwei Jahren hat er schon einmal eine solche auf Holz auf gezogene Papierkrippe mit der Laubsäge ausgeschnitten. Es waren 100 Figuren und Architekturteile. Peter Steininger, der auch dem Vorstand der Münchner Krippenfreunde e.V. angehört, arbeitet immer ganz akkurat. Hält einer der heiligen drei Könige seinen Arm angewinkelt, bohrt er ein kleines Loch in den Zwischenraum, auf dem das weiße Papier zu sehen ist. Dann fädelt er das feine Sägeblatt ein, schraubt es an der Laubsäge fest und schneidet ebenso flott wie exakt an der Linie des Arms entlang, bis sich das störende Holzstück herauslöst. Alle Kanten an der Figur werden geschmirgelt und sogar  in der passenden Farbe bemalt. So sieht der Betrachter auch von der Seite kein Holz, sondern das Rot eines Königsmantels. Und der Krippenbauer verrät noch einen seiner besonderen Tricks für die auf Sperrholz geklebten Papierfiguren. Er überzieht jedes Teil mit Klarlack, „das macht sie haltbarer und es glänzt schön.“ Einen ganzen Sommer lang hat er an diesem Prachtstück geklebt, gesägt und gestrichen. 

Stall aus Flusskieseln

Zurzeit schnitzt er an einer Marienfigur. Etwa 40 kleine Stemmeisen und Messer hat er in seinem Keller hängen. Im Schnitzen müsse er aber noch etwas geschickter werden, sagt Peter Steininger, „das kann ich noch nicht so gut“. Irgendwann soll diese Maria Obdach in einer großen Krippe finden, aber erst wenn auch Jesus und Josef fertig sind. Ställe hat er jedenfalls genug. Unter einem Tisch ist sogar ein gemauertes Exemplar zu finden, so groß wie zwei nebeneinander gestellte Mikrowellen: „Den hat meine Mutter vor Jahrzehnten mit Kieseln gebaut, die sie aus Amper geholt hat.“ Dieser Stall ist so schwer, dass es zwei Mann braucht, um ihn zu tragen. Vielleicht nimmt sich Peter Steininger den Bau mit den brüchig gewordenen Gipsfugen ja im nächsten Jahr vor. Vielleicht gestaltet er ihn auch um.

Material dafür hat er mehr als genug. Auf seinen Regalbrettern stehen ehemalige Gurkengläser, die bis an den Rand gefüllt sind: mit Hobelspänen, Sägemehl, getrockneten Wurzelstücken, Steinen oder kleinen Dachziegeln, die er in Neapel gekauft hat, dem „Eldorado der Krippenbauer“. Dort reiht sich in einem Stadtteil ein Laden mit Figuren oder Zubehör an den anderen. In einem anderen Glas ist dunkler Lavasand aus Montenegro aufbewahrt: „Der schaut in der Krippe furchtbar schön aus, wenn ich einen Weg damit mache“. Ein paar Meter weiter sind kleine Arme und Beine zu finden, ebenfalls in Neapel gekauft. „Die steckt man auf Drahtgestelle, obendrauf kommt noch ein Kopf, der Rumpf wird eingekleidet und die Krippenfigur ist fertig.“

Holzbrett, Baumschwamm, Krippenfiguren

Genauso bemalt Peter Steininger von Zeit aber auch Holzbretter, etwa mit einem Wüstenpanorama, montiert darauf einen orientalischen Stall aus Terrakotta und einen großen Baumschwamm, auf den er passende Krippenfiguren stellt oder klebt. Das Ganze lässt sich dann bequem an die Wand hängen. Eine Sommerpause kann er sich einfach nicht erlauben, wenn er seine vielen Ideen umsetzen will: „Besonders in der Nacht fällt mir plötzlich was ein und in der Früh geht´s sofort in meinen Keller.“ Der ist für den vierfachen Großvater und ehemaligen Trambahnfahrer fast eine Art Kapelle oder Meditationsraum: „Hier habe ich meine Ruhe und kann stundenlang nachdenken.“ Meistens über die Weihnachtsgeschichte und wie er sie neu gestalten kann. Und wenn er dann zu Laubsäge, Schnitzmesser oder Akkuschrauber greift, freut er sich schon mitten im Sommer auf Advent und Weihnachten: Da zeigt er seine fertiggestellten Krippen in einer Pfarrei, einer Vereinsausstellung oder daheim im Wohnzimmer und Kinder wie Erwachsene betrachten sie mit glänzenden Augen.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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