Münchner Familie seit drei Monaten auf Mission Krippenspiel in Südafrika

08.12.2018

Weiße Weihnacht und Krippenspiel – das alles gehört für die Großfamilie Hochhäusler aus München dazu. In diesem Jahr feiern sie aber Advent und Weihnachten in Südafrika. Seit September sind Wolfgang und Ursula Hochhäusler mit 11 Kindern zur Mission in Kapstadt und berichten uns von dort.

Krippenspiel in Südafrika
Krippenspiel in Südafrika © privat

Kapstadt – Natürlich ist die letzte weiße Weihnacht in München schon so lange her, dass ich mich gar nicht erinnern kann, wie viele Jahre das nun schon zurückliegt. Dennoch ist für uns – nördlich der Alpen beheimatet – die Vorstellung von Weihnachten eng mit dem Zauber einer Winterlandschaft verbunden. Wenn man so will, werden wir auch hier am Kap der Stürme „weiße Weihnachten haben“, bedeckt doch mitunter der feine weiße Sand an stürmischen Tagen die Straßen und wirken die Dünenlandschaften von Atlantis – auch das gibt es hier – von ferne wie Schneelandschaften. Beides jedoch, hat mit dem Kern des Weihnachtsfestes nichts zu tun.

Der dunkle Joseph

Das „Nativity Play“ - das Krippenspiel - von Grade R, wie die Vorschule unseres Sohnes Johannes heißt, schon eher. Die Kinder singen Gospellieder, tanzen zu HipHop-Musik, sie spielen Engel, Ochs, Esel und Schafe und natürlich das Heilige Paar. Als Joseph auftritt – gespielt von einem Schwarzafrikaner – Gelächter. Wir sind irritiert, sind doch rund achtzig Prozent der Schüler eher dunkelhäutig. Wir fragen uns, ob die Vorstellung eines schwarzen Joseph nicht der gemeinen Vorstellung des heiligen Joseph entspricht, oder ob das Gelächter nur der Tatsache geschuldet war, dass er wirklich drollig aussah mit seinem um den Kopf geschlungenen Araberschal.

Das Thema der Hautfarbe ist dennoch hier allgegenwärtig. Politische Correctness scheint es hier jedenfalls nicht zu geben. Coloureds reden über „Geldjuden“, Mitschüler bezeichnen ein blondes Mädchen als „Nazigirl“, Malawis schimpfen über Kongolesen sie kämen aus dem Busch.

Zucken wir bei diesen Beschreibungen zusammen, ist das hier an der Tagesordnung. Dabei ist das meistens eher scherzhaft gesagt, so etwa, wenn Bayern über Deutsche nördlich des Weißwurstäquators reden.

Fakt ist das hier alle Hautfarben, Kulturen, Sprachen und Traditionen aufeinanderprallen und das auf eine Weise ganz gut funktioniert. Mit „funktionieren“ will ich hier nicht behaupten, dass es nach den vielen Jahren der menschenverachtenden Apartheidpolitik nicht viel zu tun gäbe, um institutionalisierte Ungerechtigkeiten zu beseitigen. Mit „funktionieren“ meine ich eher, dass hier für die ganze Palette der menschlichen Schöpfung Platz ist und jeder – so erscheint es mir jedenfalls – so sein darf wie er ist.

Im Fitnessstudio jedenfalls, wo meine Frau zusammen mit den Mädchen „Zumba“ tanzt, finden sich neben schwer Übergewichtigen (wer definiert das eigentlich?) auch solche, die dermaßen trainiert sind, dass sie so manchen Bodybuilding-Wettbewerb bestreiten könnten.

Recycelte Bäume

Zurück zur Adventszeit. Auch hier sind die Kaufleute eifrig bemüht aus dem bevorstehenden christlichen Fest Kapital zu schlagen. Allgegenwärtig buhlen bunte Lichterketten um Aufmerksamkeit für vermeintlich besonders günstige Angebote, nur um anschließend herauszufinden, dass unter dem farbigen Etikett mit dem „ultragünstigen Preis“ ein schwarzweißes prangt mit demselben Betrag. Die „Christbäume“ sind hier selbstverständlich aus hundert Prozent recyceltem Kunststoff, da Holz hier Mangelware ist. Das mit dem Recycling wird hier tatsächlich großgeschrieben und abgesehen davon, dass man an jeder Straßenecke Möbel kaufen kann, welche aus alten Europaletten hergestellt wurden, findet man auf den Straßen nichts, was man noch für irgendetwas brauchen kann. Sogar die Gebrauchtwarenläden verkaufen Sachen, die unseren Sperrmüll wie Neuware aussehen lassen. Es ist ein Jammer, wie viele Produkte hervorragender Qualität wir in Europa achtlos wegwerfen, während hier selbst Billigprodukte dauerhaft verwendet werden. Die Autos werden gefahren bis sie buchstäblich auseinanderfallen, dementsprechend hoch sind die Gebrauchtwagenpreise, da selbst das älteste Auto noch einen hohen Nutzwert hat.

Zeichen der Hoffnung

Um sich dem Advent hier in Kapstadt wahrhaftig zu nähern, muss man etwas tiefer graben. Am besten man geht zweitausend Jahre zurück, zu Maria, zum Magnifikat: „er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.“ Betrachtet man diese Stadt eingedenk ihrer Worte, kann man beinahe greifen welche Hoffnung diese Worte hier schenken. Die Armut, die Entwurzelung, die Fremde, das ist hier einerseits ein Pulverfass andererseits ein verbindendes Element, das für viele den Himmel öffnet. Es wirkt paradox, im Kreuz dieser Erfahrungen scheint zugleich die Hoffnung auf den Himmel auf. Meine Kollegen in der Backstube aus allen Teilen Afrikas sind in dieser Hoffnung vereint, sie kommt zum Vorschein in der Endlosschleife religiöser Lieder von ihren „cellphones“, den Liedern die sie bei der Arbeit singen, dem Rosenkranzgebet, dass sie noch vor ihrer Arbeit um fünf beten, den sonntäglichen Messbesuch in den verschiedenen Kirchen, die sie hier vorfinden.

Weihnachten ohne Oma, Opa und die bekannten Plätzchen

Natürlich haben auch wir damit zu kämpfen, dass wir dieses Jahr Weihnachten nicht zusammen mit Oma und Opa, nicht im Winter, nicht mit einer Nordmanntanne feiern werden und die Rezepte für die Plätzchen variiert werden müssen, da nicht alle Zutaten verfügbar sind. Aber zugleich ist auch allen klar, dass das ein geringes Leiden ist, dass wir hier für die Mission aufopfern. Es scheint so, als ob hier die Reichen tatsächlich „leer ausgehen“. In der Begegnung wird schnell klar, dass großer materieller Reichtum keineswegs eine Garantie für ein glückliches Leben ist. Im Gegenteil, viele haben die Erfahrung zerstörter Ehen, Einsamkeit hinter den elektrischen Zäunen, Drogensucht der Kinder, Entzweiung der Familien durch Erbstreitigkeiten und so weiter und so fort.

Gerade für jene will uns der Bischof hier in dieser wohlhabenden Gegend. Erste Kontakte haben wir schon geknüpft über die Eltern der Kinder, welche mit unseren Kindern zur Schule gehen. Kürzlich wurden wir angerufen. Wir sollten einen Freund unserer Kinder abholen, weil er die elterlichen Streitigkeiten bei einem seiner Freunde nicht mehr ausgehalten hat.

Mit Christus ankommen in Kapstadt

Wir sind sicher, dass Christus in all diese Familien kommen möchte, als Kind zu Kindern Gottes. Der Verantwortliche für die Mission in Südafrika wurde kürzlich zu einem dieser Unglücklichen gerufen, die – obwohl sie materiell alles besitzen „todunglücklich“ sind und instinktiv spüren, dass es nur einen gibt, der ihnen den Weg zum Leben weisen kann.

Vor zwei Wochen haben wir mit allen Gemeinschaften von Kapstadt zusammen mit Erzbischof Stephen Brislin einen großen „Thanksgiving“-Gottesdienst inmitten eines derjenigen Viertel der Stadt gefeiert, wo an den Straßenrändern zu lesen ist: „Don‘t stop, high crime area“ und es gab wieder einen der in letzter Zeit häufigen Stromausfälle. Die ganze Zeit über war es bis auf die Kerzen auf dem Altar stockfinster im Kirchenraum bis gegen Ende plötzlich wieder das Licht anging und einen Blick auf den reichen Blumenschmuck auf dem Altar und die festlich gekleideten Leute drumherum freigab. Christus, unser Licht und unser Heil. Licht und Schatten liegen in dieser Stadt also eng beisammen und bereiten uns so in besonderer Weise auf das bevorstehende Weihnachtsfest vor. „Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf“-- so steht es bei Jesaja. Diese Hoffnung ist hier eine greifbare, denn „Hoffnung aber, die man schon erfüllt sieht, ist keine Hoffnung“ heißt es bei Paulus. (Wolfgang Hochhäusler)

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Advent Weihnachten

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