Corona und Geld Krisengebeutelte Finanzen in den Griff bekommen und fürs Alter sparen

20.07.2021

Bei vielen Familien zeigt ein Kassensturz: Corona hat einen finanziellen Engpass ausgelöst. Die Zahl der verschuldeten Privathaushalte steigt – Wie lässt sich das meistern?

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Monatelang nur Kurzarbeit, das Geschäft geschlossen oder ein Nebenjob weggefallen, das bleibt nicht ohne Spuren auf dem Konto. Doch mit der richtigen Herangehensweise lässt sich das meistern, trotz Krise und Niedrigzinsphase, weiß Markus Latta. Der Finanzwirt und Bankkaufmann leitet das Finanzberatungsteam beim Verbraucherservice Bayern. Das Wichtigste, wenn der Blick aufs Konto wiederholt zeigt, dass es ein Problem gibt: „Ehrlich zu sich selbst sein und es nicht auf die lange Bank schieben, sondern schnell handeln“, rät er.

Das Konto wieder ins Gleichgewicht bringen

Dazu hat die Verbraucherorganisation des Katholischen Deutschen Frauenbundes eigens eine App entwickelt, den Finanz-Kompass: „Er bietet die Möglichkeit, die Ausgaben genau zu analysieren“, betont VSB-Finanzberater Latta. Denn eine genaue und kritische Sichtung von Einnahmen und Ausgaben ist nach dem Eingeständnis eines Engpasses Schritt Nummer zwei um das Konto wieder in die Balance zu bringen. Der nächste Schritt muss logischerweise eine Reduzierung von Ausgaben bringen. Feste Posten wie Kreditraten, Sparraten oder Versicherungsbeiträge sind häufig relativ dicke Brocken auf der Soll-Seite. Doch sie lassen sich bewegen, weiß Markus Latta und rät dazu, Spielräume zu nutzen: „Es gibt oft die Möglichkeit, die Raten für eine gewisse Zeit auszusetzen oder eine Versicherung zeitweise beitragsfrei zu stellen.“ Eine Nachfrage bei der Bank oder dem Anbieter lohnt sich: „Nach so einer Anpassung werden sie sehr schnell feststellen, dass ihr Konto auch wieder ins Gleichgewicht kommt.“ Manche Kreditverträge haben ohnehin standardmäßig Tilgungspausen vorgesehen.

Die Alternative zum Sparbuch

Außerdem im Auge zu behalten in diesem Jahr: Es gilt für die Abgabe der Steuererklärung eine verlängerte Frist bis 31. Oktober, damit kann sich etwas Spielraum verschaffen, wer voraussichtlich Steuernachzahlungen aufgrund von Kurzarbeitergeld leisten muss. Trotzdem, auch wer einen finanziellen Engpass umschiffen muss, sollte sobald als möglich wieder an die langfristige Perspektive denken und Geld zurücklegen fürs Alter und als Polster für große Ausgaben. Keine leichte Übung, denn Zinsen gibt es kaum noch und immer mehr Banken verlangen auf ein normales Konto schon Negativzinsen, wenn man sein Geld dort liegen lässt. Finanzberater Markus Latta kennt eine zeitgemäße Alternative zum sprichwörtlichen Depot unterm Kopfkissen oder dem von den Deutschen immer noch sehr geliebten Sparbuch und die heißt: Aktien.

Früh anfangen und langristig investieren

Doch der erste Schritt ist ein Gesamt-Konzept für eine angemessene Altersversorgung, das aus mehreren Bausteinen besteht, betont der Finanzwirt. Leistungen aus der gesetzlichen Rentenkasse, möglicherweise eine betriebliche Rente und eben gezielte private Ansparungen. Daraus ergibt sich der Betrag, der selber angespart werden soll. Wer früh beginnt, kann auch mit einem monatlichen Betrag von zum Beispiel 50 Euro viel erreichen über die Jahre, doch der Fachmann weist darauf hin, dass der Spar-Betrag dem Einkommen später angepasst und erhöht werden sollte. Als Anlageinstrument empfiehlt Markus Latta ETF-Sparpläne, also börsengehandelte Indexfonds, in die regelmäßig investiert wird: „Langfristig gesehen ist es so, dass sie mit Aktien verlässlich einen Zugewinn erreichen können“.

"Beschäftigen Sie sich mit Ihrem Geld"

Außerdem sind die ETFs kostengünstig und einfach über ein Wertpapierdepot bei einer Bank einzurichten. Die Bank des Vertrauens ist in diesem Fall nicht unbedingt der beste Partner, denn Banken verdienen kaum durch die Vermittlung von ETFs und bieten daher lieber klassisch gemanagte Aktienfonds an: „Dabei verdienen die Banken über den Ausgabeaufschlag und die Verwaltungsgebühr“, erklärt der Finanzberater des VSB, für den Verbraucher kostengünstiger sind aber die ETFs. Zeiten mit lukrativen Zinsen auf Sparguthaben werden wohl so schnell nicht wiederkommen. Der wichtigste Tipp des Beraters daher: „Beschäftigen sie sich mit ihrem Geld, lassen sie nur die nötige Reserve auf dem Konto liegen und legen alles andere an“. Der Verbraucherservice Bayern bietet über seine Webseite viele konkrete Tipps und auch Online-Seminare zu diesen Themen.

 

 

Die Autorin
Gabriele Hafner
Radio-Redaktion
g.hafner@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

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