„Sommer.Kultur.Nächte“ in Freising Kulinarischer Abend mit Luthers Tischreden

15.07.2017

Luthers theologische Ausführungen konnten die Besucher der "Sommer.Kultur.Nächte" auf dem Freisinger Domberg zwischen Vinschgerln und gebackenen Apfelscheiben genießen. Dazu wurde auch musikalisch viel Schmackhaftes kredenzt.

Das Freisinger Domorchester unter Leitung von Matthias Egger spielte im stimmungsvollen Renaissancehof.
Das Freisinger Domorchester unter Leitung von Matthias Egger spielte im stimmungsvollen Renaissancehof. © John

Freising – Fruchtiger Honigwein, rustikale Vinschgerl mit Butter, Katharina von Boras Rindertopf an Kardamom-Zimt-Jus sowie zum Nachtisch in Honig gebackene Apfelscheiben: Bei dieser Speisenfolge lief den Besuchern das Wasser im Mund zusammen. Als die Uhr im ältesten Arkadenhof nördlich der Alpen mit ihrer feinen Glocke sieben Uhr schlug, machten sie sich zum Abendessen auf den Weg in die Korbiniansklause auf dem Freisinger Domberg. „Luthers Tischreden – ein literarisch-kulinarischer Abend“ stand auf dem Menü im Rahmen der „Sommer.Kultur.Nächte“ der Stifung Bildungszentrum des Erzbistums und ihrer Kooperationspartner.

Luther so spontan wie heute die Facebook-User

Die Besucher hatten die Möglichkeit, entweder für Abendessen und anschließendes Konzert zu bezahlen oder nur eine Karte für die Musik zu erwerben. Auszüge der Tischgespräche gab es in beiden Fällen. Christoph Eglhuber spielte zum Auftakt auf seiner Laute. Christian Jungwirth, Schauspieler und Profisprecher, nahm die Anwesenden dann mit in die Welt des Reformators. Um dessen Tisch hatten sich damals nicht nur seine Familien-Angehörige und andere Verwandte versammelt, sondern auch Studenten, Freunde, Reisende und Schüler, die gerade im Hause zu Gast waren. Sie hatten die Gespräche dann auch festgehalten und damit eine wichtige historische Quelle geschaffen. Denn nach Tisch redete Martin Luther in ausgewählter Männerrunde über eine Vielzahl von Themen – von theologischen bis zu profanen. Der Reformator äußerte sich dabei so spontan wie heute die Facebook-User. Wenigen Menschen seiner Epoche kommt man so nahe wie ihm über diese Texte.

Christoph Eglhuber an der Laute und Sprecher Christian Jungwirth nahmen die Besucher mit in die Welt des Reformators.
Christoph Eglhuber an der Laute und Sprecher Christian Jungwirth nahmen die Besucher mit in die Welt des Reformators. © John

Aber nicht nur die männliche Seite kam zu Wort: Jungwirth trug auch Texte von Katharina von Bora vor, die einen Kontrapunkt zu Luthers manchmal etwas chauvinistischer Ausdrucksweise bildeten.Gepaart mit tadellosem Service und köstlichen kulinarischen Akzenten konnten die Gäste in diesem Teil des Abends also nachspüren, wie es im Hause Luther zugegangen sein mag.

Der zweite Teil stand dann im Zeichen der Musik. Schließlich hatte Luther in seinen Tischreden es so formuliert: „Könige, Herren und Fürsten müssen die Musik erhalten, denn große Potentaten und Regenten haben die Pflicht, sich um die freien Künste zu kümmern.“ Das Domorchester Freising unter Leitung von Matthias Egger spielte barocke Werke von Johann Hermann Schein, Georg Philipp Telemann und Johann Sebastian Bach. Paul Hindemiths „Tafelmusik“ fügte sich nahtlos ein, wie wohl die Komposition aus dem 20. Jahrhundert stammt. Jungwirth trug auch hier wieder von immer wechselnden Standorten im Renaissancehof Ausschnitte aus den Tischreden vor. Stimmungsvoll war der Hof der ehemaligen fürstbischöflichen Residenz an diesem gelungen Abend in ein Lichtermeer getaucht. (Markus John)

Ein „Luther Spektakel“ kann man auf dem Freisinger Domberg zum Abschluss der „Sommer.Kultur.Nächte“ am Donnerstag, 20. Juli, um 20.30 Uhr erleben. Die Theatergruppe Opodeldok, die Renaissancetanztruppe Sir John’s Delight, die Compagnia Cinquecento und Mitglieder der Zirkusgruppe Freising nehmen die Zuschauer zu einem fiktiven Festabend im Hause Luther mit. Karten gibt es in der Touristinformation Freising oder bei München Ticket.


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