Heiliges Grab in Aschau Kulissen mit Botschaft

01.03.2019

Jahrzehntelang lag das Heilige Grab auf dem Speicher in der Pfarrkirche von Aschau im Chiemgau. Für die kommende Fasten- und Osterzeit ist es wieder aufgebaut worden.

Seit Mitte der 1950er Jahre war Heilige Grab in Aschau nicht mehr zu sehen. © Siemens/SMB

Aschau im Chiemgau – Rudi Angermaier vom Bauhof der Gemeinde Aschau wuchtet mit zwei anderen Männer eine schwere, sechs Meter lange Holztafel nach oben, wo ein paar andere Männer danach greifen. „Von unten schieben und von oben ziehen, dann geht des schon“, sagt er und ist hochzufrieden. Zusammen mit einer Reihe von ehrenamtlichen Helfern hat er in weniger als 48 Stunden das Heilige Grab in der Aschauer Pfarrkirche aufgebaut. Nun steht es im Altarraum, sechs Meter tief, sieben Meter breit und mit einer Höhe von zehn Metern reicht es bis zur Decke. Zum ersten Mal nach über 60 Jahren.

Fast genauso lange lagen die etwa 200 bemalten Holz- und Konstruktionselemente auf dem Speicher der Kirche. Restaurator Günther Gruber musste sie „wie ein Puzzle“ wieder zusammensetzen. Er hat alle Teile durchnummeriert und dann ein Modell gebaut, an dem die Männer beim Aufbau spicken können. Damit war die Restaurierung aber bei weitem nicht abgeschlossen.

Zerstörte Malschicht, weiße Flecken

Die mächtigen Holztafeln, auf die antike Säulen, Architekturbögen und brennende Lampen gemalt sind, waren zentimeterdick eingestaubt. Darunter entdeckten Gruber und seine Kollegen, dass sich die Malschicht teilweise abgelöst hatte: „Da hat der Kreidegrund durchgeschaut, so dass alles weiß gefleckt war.“ Über vier Jahre zog sich die Restaurierung des Heiligen Grabes hin. Etwa eine Viertelmillion Euro hat das Erzbistum München und Freising dafür aufgebracht, erklärt Pfarrer Paul Janßen. Schon allein wegen seiner Größe ist es eine Besonderheit, zudem waren alle historischen Teile erhalten. In anderen Orten der Umgebung seien die Heiligen Gräber zersägt und eingeheizt worden, berichten Einheimische, die während des Aufbaus immer wieder in die Kirche kommen und fotografieren.

150 Glaskugeln

Das haben die Aschauer offenbar nicht übers Herz gebracht, auch wenn sie es wegen der veränderten Liturgie und einer bilderskeptisch gewordenen Theologie seit Mitte der 1950er Jahre nicht mehr aufbauten, manche sagen auch, nicht mehr aufbauen durften. Dass ihnen das Grab immer noch heilig ist, wird allein daran deutlich, dass die ehrenamtlichen Helfer zwei bis drei Urlaubstage genommen haben, um es aufzustellen. Entworfen und ausgeführt hat die mächtigen Kulissen der Maler Sebastian Rechenauer der Ältere aus dem nahegelegenen Flintsbach. Ebenso die auf Bretter gemalten und ausgeschnittenen biblischen Figuren, die an den Seiten des Heiligen Grabes stehen. Wegen ihrer Qualität vermuten die Restauratoren, dass sie der Meister selbst gemalt hat, als er 1797 den Auftrag bekam. Die Architekturmalerei hat er dagegen wohl von Gesellen ausführen lassen. Die kleinen viereckigen Löcher in den Tafeln haben sie für die Halterungen der Glaskugeln ausgespart, die zu fast jedem Heiligen Grab gehören. Sie werden mit rot, grün, gelb und blau gefärbten Wasser gefüllt. Früher standen dahinter Kerzen, deren gebrochenes Licht dann mystisch funkelte. Wegen des Brandschutzes nehmen die Aschauer heute lieber LED-Leuchten für ihre rund 150 Glaskugeln.

Theater mit dem Heiligen Grab

Zwischen denen bewegen sich auch Schauspieler. Denn das gehört zu den weiteren Besonderheiten des Heiligen Grabes am Fuß der Kampenwand: Es war immer auch eine Bühnen- und nicht nur eine Schaukulisse. Die Einheimischen spielten davor kleine Passionsstücke. „Noch in den 1950er Jahren standen zumindest zwei Darsteller als geharnischte Wächter an den Seiten, bei der Auferstehungsfeier sind sie umgesunken und es hat gekracht “, schildert Pfarrer Janßen. Auch diese Tradition greifen die Aschauer wieder auf. In der Fasten- und in der Osterzeit sind zwei Auferstehungsspiele zu sehen. Der Religionspädagoge Werner Hofmann aus Prien hat sie verfasst und studiert sie ein. Dabei sinken nicht nur Wärter am Grab um. Die beiden Stücke deuten das Leben und die Auferstehung Jesu aus heutiger Sicht und dauern jeweils etwa zwei Stunden. Pfarrer Janßen freut sich schon auf die Aufführungen und sieht das Heilige Grab durchaus als zeitgemäßes Medium für die Glaubensverkündigung: „In unserer rationalen Zeit, ist es wieder wichtig geworden, die Botschaft mit allen Sinnen wahrzunehmen.“ Das Heilige Grab in Aschau hat mit den dazugehörigen Veranstaltungen jedenfalls jede Menge für Auge und Ohr, für Herz und Verstand zu bieten.

Das Heilige Grab in Aschau im Chiemgau bleibt bis zum 5. Mai aufgebaut. In diesem Zeitraum steht es im Mittelpunkt von Führungen, Theaterspielen und Konzerten.

Audio

Zum Nachhören

Beitrag über das Heilige Grab im Münchner Kirchenradio

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

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