Kloster Reutberg muss aufgeben Kultur des Abschieds und des Neuanfangs

09.04.2018

Die Franziskanerinnen in Kloster Reutberg bei Bad Tölz müssen sich zurückziehen. Das dramatische Klostersterben in Oberbayern kann aber auch eine Chance sein. Ein Kommentar.

Kloster Reutberg in Sachsenkam
Kloster Reutberg in Sachsenkam © imago

Jetzt hat es endgültig Reutberg getroffen. Bereits zuvor mussten traditionsreiche Klöster wie in Bad Tölz, Beuerberg, Rosenheim oder Altomünster aufgeben. Diese Traditionsabbrüche tun weh. Egal ob es aktive oder kontemplative, also sozial tätige oder das Gebet pflegende Gemeinschaften sind: Verschwinden sie, dann verlieren auch Menschen in der Umgebung eine geistige Heimat, verliert eine Region ein Stück ihrer Identität, ihrer ureigensten Geschichte. Selbst in einer säkularisierten Gesellschaft stellt sich da ein Verlustgefühl ein. Realistisch gesehen ist die gegenwärtige Klosterlandschaft nicht zu erhalten, zumindest was die Besiedelung mit den bisherigen Orden und Gemeinschaften betrifft.

Gebäude für große Gruppen

Wer einmal das einmal Innere von Kloster Reutberg oder Kloster Altomünster betreten durfte, merkt schnell, dass diese Orte für große Gruppen gebaut sind, die auch zupacken können. Betagte Schwestern oder Brüder, die allein oder zu zweit dort leben, sind mit dem Unterhalt überfordert, so wie es jeder andere Mensch auch wäre, übrigens nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Und wenn die Gemeinschaften keine Kultur des Abschieds gelernt haben, entwickeln sich daraus persönliche Tragödien. Dabei gibt es viele Beispiele einer gelungenen sprituellen Abschiedskultur: Etwa wenn Gemeinschaften ihre Häuser, aber auch ihre Aufgaben allmählich in andere Hände legen und mit der Caritas oder der Erzdiözese Vereinbarungen treffen.

Versöhnte Weitergabe

Ich kenne etliche Ordensfrauen und – männer, die dadurch ihr Lebenswerk weitergeführt sehen und sich versöhnt zurückziehen können. Sie fühlen sich dabei auch nicht aussortiert, sondern haben einen Neuanfang mitgestaltet, den sie im Gebet weiter begleiten. Das klappt natürlich nicht, wenn es im allerletzten Moment passieren soll, sondern erfordert viel Voraussicht der Leitungskräfte sowie einen langen internen Dialog zwischen den Schwestern oder Brüdern. Doch wenn die Besiedelung eines Klosters zu Ende geht, dann bedeutet das noch nicht das Ende des Klosters und seiner Ursprungsidee. Darauf weisen die Verantwortlichen im Erzbistum München und Freising zu Recht hin. Noch weiß niemand genau, wie solche Orte weiterhin mit Leben zu erfüllen sind, aber es ist ja nicht verboten hier Phantasie zu entwickeln. Es könnten geistliche Zentren entstehen, die religiös suchende Menschen auf Zeit aufnehmen, die dann auch zum Unterhalt beitragen. Ebenso wird die Idee regionale kirchliche Verwaltungszentren dort einzurichten immer wieder diskutiert. Vor allem aber müssen die Menschen in der Umgebung gehört und ihre Initiativen aufgenommen werden. Da entstehen Stiftungen oder Vereine wie in Reutberg, die wissen, dass ein Kloster zu den Herzkammern einer Region zählt. Natürlich sind das keine einfachen Lösungen, sie machen Mühe, es gibt Rückschläge.

Alte Orte, neuer Geist

Ermutigend ist aber ein Blick in die neuen Bundesländer. Dort gibt es viele sogenannter Kirchenbauvereine, die sich für den Erhalt von Dorfkirchen einsetzen, selbst bei Renovierungen anpacken, Geld sammeln und sich um Fördermittel kümmern. Und das in Gegenden, in denen oft über 80 Prozent der Menschen konfessionslos sind. Aber die Menschen identifizieren sich mit diesen traditionellen geistlichen Orten und Bauten und wollen sie nicht einfach verschwinden lassen. Dabei können auch andere Erneuerungen in Gang kommen. Wer einmal jahrhundertealte Kirchenmauern berührt und beim Erhalt mitgeholfen hat, könnte ja ins Nachdenken kommen über die religiöse Botschaft, die sie hartnäckig bezeugen. Vielleicht schafft sich der Heilige Geist gerade so an alten Plätzen neue Orte für das Evangelium und wir haben es noch gar nicht gemerkt.

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Der Autor
Alois Bierl
Radio-Redaktion
a.bierl@st-michaelsbund.de


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