Weihnachtsschmuck Kunsthandwerk aus Berchtesgaden

20.12.2017

Der Weihnachtsschmuck aus Holz hängt oft in Form von Engeln, Schlitten oder Sternen am Christbaum. Das Handwek hat eine jahrhundertelange Tradition. Den Ursprung hat es in Berchtesgaden.

Zu Weihnachten hängen die Holzschnitzereien am Christbaum.
Zu Weihnachten hängen die Holzschnitzereien am Christbaum. © Fürmann

Berchtesgaden – Zu Weihnachten hängen sie am Christbaum: Pfeifenrössl, Fatschenkind, Schlitten, Stern, Pfau, Engerl, Wiege, Steckvogel, Spanschachtel und vieles mehr. Wunderschön farbenprächtig bemalt oder in der Natürlichkeit des Holzes erzählen sie von der jahrhundertealten Tradition eines Kunsthandwerkes – beheimatet im Talkessel von Berchtesgaden. Ursprünglich entstanden ist diese „Berchtesgadener War“ aus der Notwendigkeit heraus, sich wegen des ungünstigen Klimas und karger Böden in der Landwirtschaft des wahrscheinlich schon 12. Jahrhunderts – als von einem „Nithardos tornator (Drechsler) de Pertherskaderne“ und 1393 von einem Ulrich dem Schnitzer die Rede war – das Auskommen zu sichern.

Mit der Anfertigung verschiedenster Holzgegenstände für Haus und Hof schafften sich die Bauern einen einträglichen Zuverdienst. Die Handwerksordnungen des 16. Jahrhunderts beschreiben Drechsler, Schindel- und Löffelmacher, auf 1581 datiert eine Ordnung für Pfeifenmacher; 1637 folgt der Schnitzer und schon 1556 wird von der Zunft der Schachtelmacher berichtet. Das meist bunt bemalte Spielzeug wie Möbel, Kutschen, Reiterl, Docken (Holzpuppen), Vögel und Pfeiferl entwickelt sich im Laufe der Jahre zum wohl beliebtesten Exportartikel. Einige Berchtesgadener Protestanten – damals aus ihrer Heimat vertrieben – lassen sich im Nürnberger Raum nieder und gelten als die Mitbegründer der dortigen Spielwarenindustrie.

Waren wurden nach ganz Europa exportiert

Als Massenartikel der Berchtesgadener Handwerkskunst gehen die Erzeugnisse nach ganz Europa, ja sogar nach Übersee, wobei der Export dieser Waren als Privileg einigen wenigen Berchtesgadener Verlegerfamilien obliegt. Viel bescheidener spielt sich der Handel mit der „Berchtesgadener War“ im näheren Umkreis ab. Die Kraxentrager bringen die Ware über das Land – der wohl bekannteste unter ihnen, Anton Adner, starb 1822 im hohen Alter von 117 Jahren.

Stefan Graßl aus der Ramsau stellt als einer der Letzten noch die traditionsreiche „Berchtesgadener War“ her.
Stefan Graßl aus der Ramsau stellt als einer der Letzten noch die traditionsreiche „Berchtesgadener War“ her. © Fürmann

Mit 641 selbstständig arbeitenden Holzhandwerkern erreicht dieses blühende Gewerbe im Berchtesgadener Talkessel wohl seinen Höhepunkt. 1815 kann ein Handwerker mittels eines von ihm erfundenen mechanischen Apparates in einer Woche 20.000 kleine Schachteln herstellen. Eine 1840 gegründete Zeichenschule soll eine handwerkliche Vervollkommnung der Hersteller erreichen. Heute ist sie bekannt als „Berufsfachschule für Holzschnitzerei und Schreinerei des Landkreises Berchtesgadener Land“.

Mit viel Zeit und Mühe

In unseren Tagen bietet die Berchtesgadener Handwerkskunst nach wie vor ein breitgefächertes Angebot an Holzwaren nach jahrhundertealter, bis heute lebendiger Tradition. Ungebrochen ist der Reiz, den sie durch kunstverständige und einfühlsame Weiterentwicklung ausübt. Zugrunde liegt der Arbeit das Verständnis um die richtige Auswahl des Grundproduktes Holz.

Stefan Graßl aus der Ramsau hat den Blick dafür und verwendet viel Zeit und Mühe, die richtige Ware zu finden. Als einer der Letzten übt er mit seiner Frau die Kunst dieses Handwerks mit der Erzeugung der „Berchtesgadener War“ aus. Alle benötigten Teile werden von Hand geschnitzt, zusammengeleimt und bemalt; das „G’schabert“ (Schaberbandl) in hauchdünne Streifen gehobelt, gefärbt und mühsam gebügelt. In der kleinen Werkstatt entsteht Stück für Stück zur Freude nicht nur für strahlende Kinderaugen, die an Heilig Abend den Christbaum bestaunen. (Rosa Fürmann)


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