Glosse Lärm und Gestank aus Nahost

18.10.2019

Autor Thomas Stöppler vermutet, dass es bei Nachbarschaftsstreitereien eigentlich um mehr geht als um Lärm und Gestank.

Krankheitserreger und Krachmacher. Nicht jeder freut sich über Kühe.
Krankheitserreger und Krachmacher. Nicht jeder freut sich über Kühe. © A. Karnholz - stock.adobe.com

München – Ein ruhiger Sonntagmorgen mit Frühstück im Bett. Warme Croissants, frisch gepresster O-Saft und ein Kännchen Kaffee zur Zeitung. Ein Traum. Wäre da nicht nur dieser schreckliche Gestank. Und während man noch daliegt und versucht den Geruch zu identifizieren, ziehen dichte Rauchschwaden durchs Zimmer, vernebeln die Sicht und man bekommt einen starken Hustenanfall.

So oder so ähnlich ist es einer Dame aus Erding ergangen und das nur, weil die Nachbarn von unten im Garten Weihrauch verbrannten. Und das nicht mal am 6. Januar, wo man vielleicht noch mit so etwas rechnen könnte – Mitarbeiter des Sankt Michaelbundes kennen und lieben oder kennen und fürchten es – nein, einfach so an einem schönen Sonntagmorgen. Die Geruchsbelästigung war so massiv oder die Dame so empfindlich – da gibt es verschiedene Ansichten –, dass das ganze vor Gericht landete.

800 Kilo schwere Ungetüme aus Nahost

Das scheint durchaus ein oberbayerisches Phänomen zu sein. Vor einigen Monaten hatte ein Paar aus Holzkirchen ganz andere Probleme beim sonntäglichen Frühstück. Es ging zwar vor allem um Lärm, aber Gestank war auch dabei. Schuld waren dort Wesen mit ostanatolischem Migrationshintergrund. Denn – jetzt nicht erschrecken – oberbayerisches Fleckvieh kommt ursprünglich aus der Türkei. Die Kühe des Nachbarn störten auf jeden Fall, beziehungsweise ihre Kuhglocken oder ihr Gestank. Auch dieses Paar klagte. Mehrfach.

Falls der Bauer oder das Paar mit dem Weihrauch rechtlichen Rat suchen, sollten sie vielleicht beim Pfarrer in Weyarn nachfragen. Der kennt das Problem: Vergangenes Jahr hat eine Neubürgerin gegen das Glockenläuten der Klosterkirche geklagt – ohne Erfolg. Dennoch, so hieß es, nehme man die Beschwerden ernst. Das ist lobenswert und ausgesprochen höflich, vor allem da es sich meist um Beschwerden von Zugereisten – vermutlich sogar Preußen – handelt. Wie das Paar aus Holzkirchen – vermutlich ebenfalls nicht ursprünglich ortsansässig – zum Läuten des Kirchturms steht, ist nicht bekannt, es ist jedoch zu vermuten, dass sie es einfach ob Grund der Kuhglocken nicht hören können.

Im Stile großer Staatsmänner

Bedroht gefühlt haben sich die Nachbarn der Kühe übrigens auch. Nicht wegen der Fremdheit der Tiere, sondern wegen der gemeinen Weidestechfliege. Die ist nicht nur lästig, sondern kann auch Krankheiten verbreiten – möglicherweise welche aus dem Orient. Der Wadenbeißer, wie die Fliege auch genannt wird, scheint da sehr flexibel zu sein. Dabei ist sie so unbeliebt, dass Wikipedia bei der Suche nach ihr nur Pestizide gegen sie aufführt.

Ernst zu nehmen ist das Ganze dann aber doch. Jedenfalls hat sich Landtagspräsidentin und Oberbayerin durch und durch Ilse Aigner eingeschaltet und ganz im Stil anderer großer Staatsmänner via Twitter erklärt: „Hier geht es um das Miteinander von Alteingesessenen und Hinzugezogenen. Wer privilegiert im Oberland leben möchte, sollte auch die Lebensgepflogenheiten der Menschen hier akzeptieren.“ Bleibt nur die Frage, wer hier alteingesessen ist. Etwa die Rindviecher aus dem Nahen Osten oder doch der preußische Landadel? Der Weihrauch ist jedenfalls definitiv importiert.

Der Autor
Thomas Stöppler
Volontär
t.stoeppler@st-michaelsbund.de


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