Nach Erdbeben in Haiti "Lage immer noch unübersichtlich"

20.08.2021

Immer wieder ist Haiti von Naturkatastrophen betroffen. Das Hilfswerk Malteser International ist seit Jahren vor Ort und leistet auch derzeit Soforthilfe. Dabei hat es nicht nur die Aufräumarbeiten im Blick.

Zwei Kinder sitzen mit ihrer Mutter vor einer zerstörten Holzhütte.
Tausende Menschen haben bei dem Erdbeben ihr Dach über dem Kopf verloren. © Daniel Duval/Malteser International / Malteser International

Haiti – „Jeden Tag kommen mehr Schäden ans Licht“, berichtet Carla Wehmeier. Sie ist Projektreferentin für Lateinamerika & Karibik bei Malteser International. Die Infrastruktur sei schwer beschädigt, Kirche und Schulen betroffen, aber vor allem seien zehntausende Menschen obdachlos geworden. 2.200 Menschen seien infolge des Erdbebens ums Leben gekommen, 12.000 verletzt. Die Zahlen steigen weiter, schließlich laufen die Aufräumarbeiten gerade erst an.

Der Tropensturm Grace, der Anfang der Woche über Haiti gezogen sei, habe starke Regenfälle mit sich gebracht: „Das hat die Aufräumarbeiten zusätzlich erschwert, und die Menschen, die kein Dach mehr über dem Kopf haben, sind dem Wetter schutzlos ausgeliefert.“

Zugangsweg von gewalttätigen Gangs bewacht

Doch nicht nur die Aufräumarbeiten gestalteten sich schwierig, schon der Zugangsweg von der Hauptstadt Port-au-Prince sei schwer zu passieren. „Der Weg führt durch ein Gebiet, das wahrscheinlich von mehreren gewalttätigen Gangs kontrolliert wird. Allerdings ist das die einzige nutzbare Zufahrtsstraße, deshalb gab es Verhandlungen mit den Gangs. Inzwischen konnten erste Hilfskonvois den Weg passieren. Wir hoffen, dass sich die Lage stabilisiert“, sagt Wehmeier. Auch Helikopter und Flugzeuge könnten Hilfsgüter liefern, der Betrieb der Flughäfen laufe weiter. Es seien wenige Hilfsorganisationen vor Ort, diese würden jedoch selbstverständlich zusammenarbeiten. Auch mit den lokalen Behörden sei man in engem Austausch. Viele Menschen versuchen, sich gegenseitig zu helfen.

Die medizinische Versorgung sei bereits vor der Katastrophe schwierig gewesen: „Die steigenden Covid-Zahlen der letzten Monate haben das eh schon unterfinanzierte und nicht funktionierende Gesundheitssystem zusätzlich belastet“, berichtet die Projektreferentin. Einige Kliniken seien teilweise beschädigt. Die funktionsfähigen Kliniken seien völlig überlastet, weshalb die Schwerverletzen, wenn möglich, in die Hauptstadt Port-au-Prince gebracht würden. Malteser International unterstützt die Kliniken vor Ort mit Medikamenten, Verbrauchsmaterial und medizinischem Equipment.

 

 

Über Traumata sprechen

Doch auch die psychologische Betreuung liegt den Maltesern am Herzen, deshalb werde sie in jedes Projekt eingebunden. So gäbe es zum Beispiel Gesprächskreise, in denen die Betroffenen über ihre Traumata sprechen können: „Schließlich haben viele Menschen mehrfach ihre Lebensgrundlage, Freunde und Familienangehörige verloren.“

Schon seit dem Erdbeben 2010 sind die Malteser in Haiti vor Ort. Das mache es ihnen in dieser akuten Notlage leichter, da sie auf längst etablierte Strukturen zurückgreifen könnten: „Jetzt müssen erstmal die wichtigsten Bedürfnisse der Menschen gedeckt werden. Die Trinkwasser- und Nahrungsmittelversorgung muss gewährleistet werden, es braucht aber auch Plastikplanen als Notunterkünfte, Medikamente und Verbrauchsmaterialien.“ Langfristig solle natürlich auch der Wiederaufbau unterstützt werden. Wehmeier wünscht den Haitianern, dass sie endlich von weiteren Katastrophen verschont werden. (Maximilian Lemli, Volontär beim Michaelsbund)


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