Erzbistum München und Freising Laie statt Priester als Verwaltungschef

26.11.2018

Ab 2020 wird das Münchner Ordinariat nicht mehr wie üblich von einem Priester geleitet, sondern von einer Frau oder einem Mann aus dem Laienstand. Das gab Kardinal Reinhard Marx nun überraschend bekannt.

Die Münchner Domtürme
Die Münchner Domtürme © Kiderle

München/Rom – Weitreichende Veränderung an der Spitze des Erzbistums München und Freising: Künftig soll die erzbischöfliche Verwaltung nicht mehr wie in der Kirche üblich von einem geweihten Priester im Amt des Generalvikars geleitet werden, sondern von einer Frau oder Mann aus dem Laienstand. Das sagte der Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, am Sonntagabend bei einer Klausurtagung der Ordinariatskonferenz und des Bischofsrates in Rom, wie die Pressestelle am Montag mitteilte. Wirksam soll die Reform zum 1. Januar 2020 werden. Dann werde auch der bisherige Generalvikar Peter Beer sein Amt abgeben.

Aufgaben werden geteilt

Dieser weitgehende Schritt solle die Laufbahnentwicklung für Frauen und Männer im Laienstand erweitern und Karrierechancen eröffnen, erklärten Marx und Beer. Ziele seien zudem eine weitere Professionalisierung im Bereich der Verwaltung und der Abbau von einseitiger Konzentration der Macht auf Priester.

Man wolle mit dieser Entscheidung auch Klerikalisierung in der Kirche abbauen, betonte Bistumssprecher Bernhard Kellner gegenüber dem Münchner Kirchenradio. Es sei unstrittig, dass „großer Reformbedarf in allen Bereichen“ bestehe, sagte Kellner. „Wir stehen nicht am Ende.“

Die Aufgaben des Generalvikars als allgemeiner Vertreter des Erzbischofs und als oberster Chef des Erzbischöflichen Ordinariats würden künftig aufgeteilt, heißt es in der Mitteilung. Eine Amtschefin oder ein Amtschef werde die operative Verwaltungstätigkeit eigenständig leiten. Ein Priester als Generalvikar werde sich um thematische, inhaltliche und theologische Fragen kümmern.

Ausschreibung Anfang 2019

"Er wird zwar eine dienstliche Aufsicht über den Chef oder die Chefin des Ordinariats ausüben, aber nicht dessen oder deren Vorgesetzter in Fragen der Verwaltung sein", so das Ordinariat. Die Stelle solle ab sofort näher beschrieben und im 1. Quartal des kommenden Jahres ausgeschrieben werden. (kna)

Erzbischöfliches Ordinariat

Das Erzbischöfliche Ordinariat München (EOM) ist die Kurie (Verwaltungsbehörde) des Erzbistums München und Freising. Es nimmt im Auftrag und im Namen des Erzbischofs von München und Freising die Aufgaben der Bistumsverwaltung wahr und unterstützt den Diözesanbischof bei der pastoralen Leitung des Erzbistums.

Das EOM ermöglicht und fördert die Entwicklung und das Gelingen einer zeitgemäßen Seelsorge vor Ort. Da das Erzbischöfliche Ordinariat also „auch der Ausübung des Apostolates dienen soll, übernimmt es ebenso Aufgaben, die sich aus der pastoralen Situation des Bistums ergeben“ (Würzburger Synode, 1976). Im Ordinariat sind alle Dienste und Ämter der erzbischöflichen Gerichtsbarkeit (Offizialat), der Finanzverwaltung (Erzbischöfliche Finanzkammer) und der allgemeinen Verwaltung (Generalvikariat) zusammengeführt. Es handelt sich im Wesentlichen um Dienstleistungen für die Leitung des Erzbistums, für die Pfarreien und Dekanate, für die Kirchenstiftungen, im Bedarfsfall auch für einzelne Katholiken. Außerdem ist es mit seinen Fachstellen wichtiger Ansprechpartner für Politik, Gesellschaft und Medien.

Das Generalvikariat ist in sieben Ressorts gegliedert. Sie betreffen kirchliche Grundsatzfragen, die Personalverwaltung, die Organisation und Gewährleistung von Seelsorge, von Bildungsaufgaben und karitativen Dienstleistungen sowie kirchliches Bauen und kirchliche Kunst. (eom)


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