Wer predigt? Laien an den Ambo!

17.03.2021

Wie groß die qualitativen Unterschiede bei einer Predigt sein können, das wissen erfahrene Gottesdienstbesucher. Aber wer darf eigentlich predigen und warum predigen eigentlich nicht mehr Frauen?

Priester steht vor der Gemeinde
Wer spricht vom Ambo? Nicht nur Priester! © Wheat field - stock.adobe.com

Ein Gottesdienstbesuch kann spannend und inspirierend sein – oder langweilig und zäh. Maßgeblichen Anteil daran hat die Predigt und natürlich auch die Person, die die Predigt hält. Frägt man in der Münchner Fußgängerzone, ist ziemlich klar, wer das ist: „Der Pfarrer!“ Doch ganz so eindeutig wie es scheint, ist die Antwort im echten Leben nicht. Inzwischen ist es sogar ganz normal, dass auch Nicht-Pfarrer am Ambo stehen. So wie Hedwig Langwieser. Die 26-Jährige ist studierte Theologin und seit knapp einem halben Jahr Pastoralassistentin im Pfarrverband Achdorf-Kumhausen. Sie weiß, schon die Frage, wer predigt, ist an sich gar nicht so leicht zu verstehen, denn „die Leute denken da einfach an den Gottesdienstvorsteher und differenzieren aber nicht zwischen Priester, Diakon und Pastoralreferent.“

Kirchenrecht verpflichtet Priester

Bei der Frage, wer predigen darf, unterscheidet man auf mehreren Ebenen. Zum einen zwischen den unterschiedlichen Berufsgruppen – also geweihten und ungeweihten Seelsorgern – zum anderen aber auch zwischen den unterschiedlichen Gottesdienstformaten und der jeweiligen Definition für die „Predigt“. Geregelt ist das im Kirchenrecht. Das definiert die Predigt in der Eucharistiefeier – der heiligen Messe – als sogenannte „Homilie“. Diese ist Priestern und Diakonen vorbehalten, betont Winfried Haunerland, Professor für Liturgie an der Münchner LMU. „Sie sind durch die Weihe mit dem Predigtdienst beauftragt und im Kirchenrecht wird sogar ausdrücklich ausgeschlossen, dass diese Aufgabe in der Messe von Laien übernommen werden kann.“

In anderen Gottesdienstformaten, wie zum Beispiel dem Wortgottesdienst, ist das aber sehr wohl möglich. Es kommt nämlich darauf an, wer dem Gottesdienst vorsteht. Bei Wortgottesdiensten können das auch Laien sein. Da aber nur Priester der Eucharistiefeier vorstehen können, sieht das Kirchenrecht bei Ihnen auch die Verpflichtung zu predigen. Dahinter sieht Haunerland aber nicht den Versuch, Laien vom Predigen abzuhalten, sondern so soll vielmehr sichergestellt werden, dass Priester sich nicht vor Predigt drücken. „Der Messfeier vorzustehen bedeutet nämlich nicht nur, das Hochgebet zu sprechen, sondern den Leitungsdienst eben auch in der amtlichen Verkündigung wahrzunehmen.“

Die Zukunft der Kirche

Ganz so streng, wie es das Kirchenrecht regelt, wird die Predigtbeauftragung in der Praxis aber nicht gelebt. Die gängige Lesart des Codex eröffnet Priestern nämlich auch die Möglichkeit, im Rahmen der Gottesdienstleitung die Predigt zu delegieren. Zum Beispiel, wenn sie sich nicht in der Lage sehen zu predigen oder der Überzeugung sind, dass ein pastoraler Mitarbeiter mehr zu einem Thema beitragen könnte. Abgesehen von der Weihe sind Pastoralreferenten und Assistenten durch ihr Studium und ihre Ausbildung außerdem genauso qualifiziert wie Priester. „In der Predigtausbildung gibt es da keinen Unterschied“, betont Hedwig Langwieser.

In ihrem Pfarrverband sprechen sich die pastoralen Mitarbeiter – geweihte wie ungeweihte – auf Augenhöhe darüber ab, wer welchen Gottesdienst leitet und wer dementsprechend auch predigt. Die Definition „Der Pfarrer predigt!“ ist aber trotzdem bei vielen Menschen noch fest verhaftet, sagt die Theologin. „Bei einer Beerdigung, auf der mich eine ältere Dame gefragt hat, warum das nicht der Pfarrer macht, habe ich aber festgestellt, dass es für die meisten Leute kein Problem darstellt, solange man es ihnen erklärt.“ Und auch wenn das Kirchenrecht genauso wie einige Gläubige die Laienpredigt noch als die Ausnahme sieht, ist Pastoralassistentin Langwieser sicher: „Das wird die Zukunft unserer Kirche sein.“  

Der Autor
Korbinian Bauer
Radioredakteur
k.bauer@st-michaelsbund.de


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