Zentralkomitee der Katholiken Laien reichen die Hand für Kirchenreformen

13.05.2019

Die Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) hat eine tiefgehende Zusammenarbeit zwischen Laien und Bischöfen für kirchliche Reformen beschlossen. Kirchliche Sexualmoral, die Öffnung des Priesteramts und der Umzug nach Berlin waren Themen.

 Erzbischof Stefan Heße: "Ein solcher synodaler Weg macht nur Sinn, wenn keine Themen ausgeschlossen werden."
Erzbischof Stefan Heße: "Ein solcher synodaler Weg macht nur Sinn, wenn keine Themen ausgeschlossen werden." © KNA

Mainz – Es war ein Satz, den man in der katholischen Kirche selten hört: "Wir Bischöfe kommen allein nicht weiter", sagte der Hamburger Erzbischof Stefan Heße vor dem höchsten Gremium des deutschen Laien-Katholizismus. "Wenn wir weiter kommen wollen, dann nur gemeinsam", betonte er vor der in Mainz tagenden Frühjahrsvollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), die am Samstag zu Ende ging.

Heße warb damit offensiv für eine Beteiligung der Laien-Vertretung an dem von den Bischöfen vorgeschlagenen "Synodalen Weg" zur Erneuerung der Kirche. Die Bischofskonferenz hatte infolge der im Herbst veröffentlichten Missbrauchsstudie einen "verbindlichen" gemeinsamen Gesprächs- und Reformprozess angeregt. Dabei sollen Machtabbau, die Zulassung von Frauen zu kirchlichen Weiheämtern, der Pflichtzölibat und die Sexualmoral Themen sein.

Auf den "gigantischen Vertrauensverlust" reagieren

Das Katholiken-Komitee hatte sich bis dato eher zurückhaltend zum "Synodalen Weg" geäußert. Denn viele Fragen sind noch offen. Bei der Vollversammlung stand der Grundsatzbeschluss an, ob sich das ZdK beteiligen will. Vor der Abstimmung betonte ZdK-Präsident Thomas Sternberg in einem Pressegespräch: "Klar ist: Dieser Prozess muss zu Veränderungen führen." Er erlebe aber bei den meisten der deutschen Bischöfe einen "echten Reformwillen", den es so jahrelang nicht gegeben habe. Auch sie wollten auf den "gigantischen Vertrauensverlust" der Kirche infolge des Missbrauchsskandals reagieren.

In der Aussprache äußerten einige Delegierte auch "Skepsis". Etwa die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), die der rund 230 Mitglieder umfassenden ZdK-Vollversammlung angehört. "Wir brauchen Augenhöhe, wir brauchen auch Zwischenergebnisse." Das ZdK dürfe auch nicht am Ende für die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals "mitverhaftet" werden. Andere Versammlungsteilnehmer warnten vor "bloß salbungsvollen Worten" und stellten eine "tatsächliche Veränderungsbereitschaft der Bischöfe" infrage.

Frauen und Priesteramt

Die Entscheidung, sich am "Synodalen Prozess" zu beteiligen, fiel dann aber mit großer Mehrheit. Zuvor hatten Äußerungen Heßes viele Teilnehmer aufhorchen lassen. Der Erzbischof sagte, beim "Synodalen Weg" werde es um Fragen der Macht, des Amtes in der Kirche und die Sexualmoral gehen. Außerdem "um Fragen nach dem Priesteramt", so Heße, der hinzufügte: "Da geht es um die Frage des Zölibats oder auch um die Frauenthematik."

Als ein Raunen durch den Saal ging, weil Heße die Wörter Priesteramt und Frauen in einem Atemzug genannt hatte, sagte der Erzbischof: "Ein solcher synodaler Weg macht nur Sinn, wenn keine Themen ausgeschlossen werden." Eine Teilnehmerin der Vollversammlung deutete dies in einer Wortmeldung so, der Bischof habe erstmals durchblicken lassen, dass es "keine Tabus" beim "Synodalen Weg" gebe.

Plenum für den "Synodalen Weg"

Am Samstag bekräftigte ZdK-Vizepräsidentin Claudia Lücking-Michel selbstbewusst die Forderung des Katholikenkomitees, "Frauen den Zugang zu allen kirchlichen Ämtern zu gewähren". Wenn "Frauen Kleriker würden", werde zwar nicht alles gut, aber anders und vielfältiger. Ohne Frauen wäre die Kirche schon heute gar nicht richtig funktionsfähig, so Lücking-Michel. "Die katholische Kirche ist letztlich eine von Männern geleitete Frauenkirche." Deshalb müssten Frauen jetzt mutige Initiativen starten, auch wenn noch vieles "verboten" sei.

Erzbischof Heße kündigte an, für den "Synodalen Weg" müsse noch "ein Plenum" geschaffen werden. "Es gibt im Moment noch keine Antwort auf die Frage, wer sitzt da drin und wie wird entschieden." Am 13. und 14. September ist zunächst eine "Erweiterte Gemeinsame Konferenz" mit jeweils 20 Vertretern des ZdK und der Bischofskonferenz geplant. Voraussichtlich am 1. Dezember soll der "Synodale Weg" dann offiziell beginnen. Derzeit befindet man sich gewissermaßen noch auf dem Weg zum Weg.

Welche Reformen tatsächlich am Ende stehen werden, weiß derzeit niemand. Sie könnten aber weitreichend sein. Erzbischof Heße zitierte ein afrikanisches Sprichwort: "Wenn du schnell gehen willst, geh allein. Aber wenn du weit gehen willst, geh mit anderen."

Umzug nach Berlin

Beschlossen wurde auch der Umzug des ZdK nach Berlin. Der Grund liegt schlicht in der größeren Nähe zu den politischen Entscheidungsträgern. "Die Musik spielt in Berlin", sagte Thomas Sternberg. 2022 soll der Umzug dann erfolgen.

Die Vorlage sah grundsätzlich zwei denkbare Varianten vor: einen Verbleib des ZdK in Bonn mit Errichtung eines Verbindungsbüros in Berlin oder einen kompletten Umzug in die Hauptstadt. ZdK-Präsident Thomas Sternberg hatte für Letzteres verstärkt geworben. Bereits auf der Herbstvollversammlung hatte er dafür viel Rückhalt im Plenum erhalten. Gefordert wurde damals allerdings auch eine Klärung finanzieller Fragen. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Synodaler Weg

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