Marx bietet Amtsverzicht an Laienvertreter haben Respekt vor Entscheidung des Erzbischofs

04.06.2021

Die Laienvertreter des Erzbistums München und Freising sehen den Schritt von Kardinal Reinhard Marx positiv. Dennoch verbinden sie damit auch Sorgen.

Hans Tremmel und Hiltrud Schönheit
Hans Tremmel und Hiltrud Schönheit sehen die Entscheidung von Kardinal Marx positv. © Diözesanrat/Kiderle

München – Der Vorsitzende des Diözesanrats der Katholiken der Erzdiözese München und Freising, Hans Tremmel, hat das Angebot von Kardinal Reinhard Marx, auf sein Amt zu verzichten ein "sehr starkes, ein ehrliches, ein konsequentes und glaubwürdiges Zeichen" genannt. Auch die Vorsitzende des Katholikenrats der Region München, Hiltrud Schönheit hat großen Respekt vor der Entscheidung, gleichzeitig sei sie „tief berührt und glücklich, dass unser Erzbischof so denkt, fühlt und handelt.“.

Richtige Entscheidung des Kardinals

Doch mit dem Rücktrittsangebot verbindet Schönheit auch Sorgen. Denn da würde jemand zurücktreten, „der die Dimension des Machtmissbrauchs in aller Tiefe erfasst hat“. Sie fände es tragisch, wenn Bischöfe, die den Tiefpunkt der Kirche wie Marx ihn nenne, nicht wahrhaben und ihrer Blase verweilen wollen, nun die Meinungshoheit in der kirchlichen Hierarchie gewinnen könnten. „Da geht der Falsche“ war während des Pressestatements in Randgesprächen immer wieder zu hören und auch der Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, hat mit den Worten auf die Nachricht reagiert. Schönheit hält die Entscheidung von Kardinal Reinhard Marx für "richtig". Endlich würde ein Bischof Verantwortung übernehmen, für das was institutionell fasch gelaufen ist.

Tremmel: Papst Franziskus soll ihn nicht entlassen

Tremmel habe die Hoffnung, dass Papst Franziskus Marx gerade jetzt nicht aus der aktuellen Verantwortung entlasse, da dieser nach wie vor weit über das Bistum hinaus eine enorm wichtige Aufgabe wahrzunehmen habe. Der Erzbischof sei bereit, den Weg frei zu machen, um das Evangelium aus der tiefen Dunkelheit des Missbrauchs wieder ans Licht zu bringen. Aber er ist nach Einschätzung des Diözesanratsvorsitzenden auch bereit, weiter konsequent gemeinsam mit anderen einen Weg der Umkehr und der Erneuerung zu gehen" Gerade jetzt brauchen wir Kardinal Marx für den Synodalen Weg, weshalb ich das Angebot schon auch kritisch und ambivalent sehe.“ (kna/kas)


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