Kirchliches Leben auf dem Land Landpfarrer aus Leidenschaft

06.08.2021

Seelsorger Stephan Rauscher ist unter anderem im ländlich geprägten Pfarrverband Holledau tätig. Präsenz und Gemeinschaft sind ihm wichtig - aber mit einigen Herausforderungen verbunden.

Pfarrer Rauscher steht neben der Vespa und setzt sich seinen Helm auf
Ein Pfarrer auf der Vespa: So ist Stephan Rauscher zu den vielen Orten seiner Seelsorgeeinheit unterwegs. © Schlaug/SMB

Meistens ist er auf seiner roten Vespa im Pfarrverband unterwegs. Zwischen satten Feldern und blühenden Hopfengärten hindurch fährt der Mann im schwarzen Talar über die sanften Hügel von Ortschaft zu Ortschaft, an Filial- und Pfarrkirchen vorbei. So kennen die Holledauer ihren Pfarrer Stephan Rauscher.

Dezentraler Pfarrverband

Sein „mobiles Zweirad“ braucht er, nach eigenem Bekunden, auch dringend: viele Kilometer legt er vom Pfarrhaus in Attenkirchen für die Termine im Pfarrverband Holledau täglich zurück. Denn Präsenz zeigen ist ihm wichtig, Rauscher will als Pfarrverbandsleiter „für die Menschen greifbar sein.“ Das ist nicht immer einfach bei 7.500 Katholiken aus ehemals sechs eigenständigen Pfarreien des erst im vergangenen Jahr offiziell gegründeten Pfarrverbands. Zugleich ist Rauscher auch Dekan des Dekanats Moosburg.

Ein großes Problem stelle für die Pastoral vor Ort die Zersplitterung der Seelsorgeeinheit in zahlreiche dezentral liegende kleine Orte dar. „Was ich in der Stadt ein- bis zweimal habe, gibt es hier 15 Mal.“ Die Herausforderung dabei: „Gemeinschaftsgefühl schaffen, ohne dem Einzelnen was zu nehmen. Vermitteln, dass wir zusammengehören“, weiß der 41-jährige Seelsorger aus acht Jahren Dienst im Weinberg oder vielmehr Hopfengarten des Herrn. Hier ein Heiliges Grab, dort eine Pfingstvigil, woanders Gottesdienste für Jugendliche. Was alle verbindet, ist die Holledau.

Wandel der traditionellen Kirche

Zu dieser fühlt sich der Pfarrverbandsleiter, der selbst auf dem Land aufgewachsen ist, zugehörig: „Ich glaube, ich bin ein Landpfarrer.“ Rauscher schätzt vor allem die Bodenständigkeit der Menschen: „Es gibt wenig Berührungsängste. Man rauft auch mal, dann trinkt man einen Schnaps und dann passt es auch wieder“, erzählt er in breitem Bairisch. In der Ortsgemeinschaft, wo sich kirchliches und gesellschaftliches Leben kaum trennen ließen, sei es selbstverständlich, dass der Pfarrer dazugehöre. Das bekommt der 41-Jährige auch immer wieder kulinarisch zu spüren, wenn Familien ihn zum Essen einladen oder der Jäger "was vom Reh" vorbeibringt.

Er spürt bei den Gläubigen auf dem Land ein Gemeinschaftsbedürfnis und eine „traditionelle Verwurzelung“. Aber nicht im negativen Sinne: „Die Tradition gibt uns Halt. Kirche ist ja auch da, um Halt zu geben.“ Trotzdem vollziehe sich ein Wandel, ähnlich wie in der Stadt. Auch in ländlichen Pfarreien gehöre mittlerweile der traditionelle Sonntagsgottesdienst nicht mehr dazu: „Es kommen die, die wollen.“ Als Seelsorger, der „die Menschen mit Gott in Berührung bringen“ will, müsse er sich immer wieder fragen: „Was bieten wir an, um die Menschen zu erreichen?“ Rauschers Blick geht dabei durchaus auch über den Tellerrand der Holledau hinaus, ist er doch seit Beginn des Jahres auch als Pfarradministrator mit dem Aufbau der Stadtkirche Freising beauftragt.

Erst Gebet, dann Brotzeit

Denn kirchliches Leben, da ist sich der kontaktfreudige Pfarrer sicher, kann heutzutage nur stattfinden, wenn die Leute aktiv mit dabei sind. Von denen gibt es im Pfarrverband Holledau viele – in den Frauenverbänden, der Katholischen Landjugend, bei den Ministranten oder in der Nachbarschaftshilfe. Die Ehrenamtlichen versucht Pfarrer Rauscher pfarreiübergreifend für die Arbeit im gesamten Pfarrverband zu begeistern: Mit den Jugendlichen unternimmt er jedes Jahr eine Reise – sie waren schon in Barcelona, Wien, Lissabon und Rom. Sie spielen zusammen Theater oder Pfarrer Rauscher besucht sie am Dienstagabend in ihrem Jugendraum.

„Er ist einfach gut drauf“, findet Sebastian Stöckeler, Vorsitzender der Landjugend. „Und man kann mit ihm gut diskutieren, auch wenn man verschiedener Ansicht ist.“ Die Ministrantin Franziska Widmann ist ebenfalls froh über ihren Seelsorger: „Vor der Zusammenlegung der Pfarreien kannten wir uns gar nicht, aber jetzt sind wir über unsere Heimatorte hinaus vernetzt und befreundet.“ Das Miteinander und das Gesellige gehören für Pfarrer Rauscher einfach dazu – das hat ihm schon sein Heimatpfarrer beigebracht, erzählt er: „Zuerst beten wir, dann machen wir Brotzeit miteinander.“ Am liebsten „ganz normal“ mit Brot, Butter und Geräuchertem. (Hannah Wastlhuber, Volontärin beim Michaelsbund)

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