Kirchenstreik Landtagspräsidentin Aigner sympathisiert mit "Maria 2.0"

17.05.2019

CSU-Politikerin Ilse Aigner spricht sich gegen den Zölibat aus und fordert die Priesterweihe auch für Frauen.

Ilse Aigner sympathisiert mit der Protestbewegung Maria 2.0
Ilse Aigner sympathisiert mit der Protestbewegung Maria 2.0 © imago/Future Image

München – Ilse Aigner (54), bayerische Landtagspräsidentin und bekennende Katholikin, hat ihre Sympathie für die bundesweite Protestwelle von Kirchenfrauen unter dem Motto "Maria 2.0" bekundet. Die zeitlich befristete Bestreikung von Gottesdiensten und kirchlichen Diensten sei ein legitimes Mittel, Aufmerksamkeit zu erzielen, sagte Aigner in einem Interview mit dem "Münchner Merkur" (Freitag). Auf die Frage, ob auch sie sich daran beteiligen werde, lautete die Antwort: "Wer weiß - ja, kann sein."

Zugleich sprach sie sich angesichts des Mangels an Geistlichen für eine Abschaffung der verpflichtenden Ehelosigkeit für Priester aus. Diese sei für viele ein zu großes Hindernis, um sich für diesen Beruf zu entscheiden. Zudem müssten dies die Betroffenen auch noch zu einem frühen Zeit im Leben tun, "in der man das vielleicht noch gar nicht final abschätzen kann".

Chance für die Kirche

Die Politikerin bezeichnete auch den Ausschluss von Frauen vom Priesteramt als nicht schlüssig. "Das Ebenbild unseres Herrgotts ist nicht der Mann, sondern der Mensch", sagte Aigner. Sie könne nicht erkennen, dass eine in der Kirche vorgelebte Gleichstellung das Fundament des katholischen Glaubens erschüttern sollte. Schon seit über 50 Jahren werde über Frauen in Führungsämtern, beginnend mit dem Diakonat gesprochen, ohne dass je eine positive Rückmeldung aus Rom gekommen wäre.

Im vertraulichen Gespräch merke man bei vielen Geistlichen, wie viel Bedürfnis nach Veränderung da sei, erklärte Aigner. "Wir haben in Politik und Wirtschaft schon länger gelernt: Es hat noch nie geschadet, wenn es gemischte Teams und Frauen in der Führung gibt." Die Politikerin kritisierte, dass sich in der katholischen Kirche über Jahrzehnte nicht wirklich etwas getan habe. Auch in der Politik gehe es nicht immer schnell, "aber jetzt haben wir in der Kirche eine enorme Chance mit dieser Bewegung der selbstbewussten Frauen". Das sollte die Kirche ernst nehmen. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Frauen und Kirche

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