Herausforderungen zum Thema Flucht und Asyl Langer Prozess der Integration

17.03.2017

Monsignore Rainer Boeck ist als Beauftragter des Erzbistums für die Themen Flucht, Asyl und Integration zuständig. Er schildert, warum Kirche sich jetzt vor allem darum kümmern muss, Wohnraum für anerkannte Flüchtlinge zu finden und Widerstände abzubauen.

Monsignore Rainer Boeck, Diözesanbeauftragter des Erzbistums München und Freising für Flucht, Asyl und Integration. © Kiderle

MK: Sie sind nun seit fast einem halben Jahr Diözesanbeauftragter für Flucht, Asyl und Integration. Was hat sich für Sie als Hauptaufgabe herauskristallisiert?

BOECK: Als im Herbst 2015 die vielen Flüchtlinge zu uns gekommen sind, gab es enorm viel Hilfsbereitschaft. Inzwischen sind die Zahlen erheblich zurückgegangen. Man könnte glauben, die Sache sei damit mehr oder weniger erledigt und wir könnten wieder zur Tagesordnung übergehen. Dem ist aber nicht so. Wenn wir nur auf Afrika schauen: Dort sind Millionen auf der Flucht. Und für die, die schon bei uns sind, beginnt erst jetzt der lange Prozess der Integration, was zum Beispiel Wohnen und Arbeiten angeht. Das große Engagement und auch das Know-how, das sich in den vergangenen Monaten und Jahren in unserem Erzbistum aufgebaut hat, ist eine große Hilfe. Das Thema Flucht, Asyl und Integration in der Erzdiözese ist in unseren Pfarreien, auf allen Feldern der Seelsorge, bei den Verbänden fest und auf Dauer integriert. Dazu gehört auch, auf Widerstände einzugehen, die gerade in Zeiten von Wahlen hochkochen werden.

MK: Wie weit sind die Planungen für das Zentrum für Flucht, Asyl und Integration der Erzdiözese gediehen?

BOECK: Die Planungen für das Zentrum in Schwabing gehen jetzt zügig voran. Auf der einen Seite stehen die konzeptionellen Überlegungen. Die wichtigste Funktion der Einrichtung wird in der Unterstützung für ehrenamtliche Helfer und für kirchliche Dienststellen bestehen. Es soll ein Ort der Kommunikation, Begegnung und Information werden, an dem auch Schulungen stattfinden können. Natürlich sind schon in der momentanen Phase die kirchlichen Akteure, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren, und alle unmittelbar Betroffenen eingebunden. Eng damit verzahnt sind Planungen der Architekten.

MK: Wie entwickelt sich die Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Flucht und Integration der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, das vom Erzbistum finanziell unterstützt wird?

BOECK: Gerade in dieser Woche führe ich Gespräche mit der Präsidentin und mit denen, die sich an der Universität mit Flucht und Migration beschäftigen. Wir können uns immer an Eichstätt wenden, wenn wir wissenschaftliche Hintergrundinformationen brauchen, die unseren Themenkomplex betreffen. Wir bekommen von dort aber auch ganz praktische Unterstützung.

MK: Sie sind ja seit Kurzem auch Mitglied im Sachbereich Flucht und Asyl des Diözesanrats, das ist nicht selbstverständlich.

BOECK: Ich bin sehr dankbar dafür, dort mitarbeiten zu können. Denn dort höre ich sehr direkt, was es in unseren Dekanaten und Pfarreien an aktuellen Fragen und Problemen gibt und kann unsere Arbeit gezielt darauf ausrichten.

MK: Was sind Ihrer Meinung nach derzeit die größten Herausforderungen im kirchlichen Engagement für Flüchtlinge und Asylbewerber? Wo wird Kirche am meisten gebraucht?

BOECK: Um nur zwei Dinge zu nennen: Wie können wir denen noch besser zur Seite stehen, die davon betroffen sind, in ihre Herkunftsländer zurück geführt zu werden? Und wo haben wir kirchliche Möglichkeiten, zum Beispiel durch unser Siedlungswerk, anerkannten Flüchtlingen Wohnraum zur Verfügung zu stellen?

MK: Was möchten Sie allen Haupt- und Ehrenamtlichen, die sich in diesem Bereich einsetzen, mit auf den Weg geben?

BOECK: Natürlich gibt es gegenwärtig manche Enttäuschung, durch die Sie durchmüssen. Dadurch dürfen Sie sich aber nicht unterkriegen lassen und die Flinte ins Korn werfen! Denn Sie beteiligen sich, manchmal fast über Ihre Kraft hinaus, an einer der wichtigsten Fragen, die unsere Gesellschaft beschäftigt. Das Schöne ist, dass Ihr Einsatz der Kirche ein sympathisches und menschliches Gesicht gibt. Durch Ihren Einsatz für Flüchtlinge haben viele die Kirche wieder schätzen gelernt. Freilich, es ist auf diesem Gebiet eine große Flexibilität verlangt. Wo die Mitarbeiter unseres Projekts im Erzbischöflichen Ordinariat München helfen können, werden sie das tun. Wenden Sie sich also an uns!

Interview: Karin Basso-Ricci


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