Altarweihe in Wörth Laser gegen Brandspuren

12.07.2019

Nach dem verheerenden Brand vom Ostermontag 2016 konnte die Wörther Pfarrgemeinde ihre Kirche zwei Jahre lang nicht nutzen. Der Abschluss der mit modernster Technik durchgeführten Sanierung wird nun mit der Altarweihe gefeiert.

Freuen sich über die gelungene Altarraum-Neugestaltung (von links): Kirchenpfleger Stephan Schletter, Pater Slawomir Trzmielewski, Josef Königsbauer von der Kirchenverwaltung, Pfarrgemeinderat Gregor Osseforth und Bildhauer Matthäus Rutkowski. © Kiderle

Wörth – Matthäus Rutkowski verputzt die letzten Fugen rund um den neuen Altar in der leeren Wörther Peterskirche (Dekanat Erding), den er aus grauem Adneter Marmor gestaltet hat. Die Form erinnert an einen Kelch oder auch an die ausgebreiteten Arme des Priesters bei der Wandlung. Am 14. Juli muss der Steinmetz und Bildhauer noch einmal mit Kelle, Mörtel und Schwamm anrücken. Bei der Altarweihe mit Kardinal Reinhard Marx schließt Rutkowski die kleine Öffnung des Altarsteins, die das Kästchen mit Reliquien aufnimmt, die der Erzbischof im Gepäck hat.

Zeit der Prüfung

Die Weihe ist der feierliche Höhepunkt und Abschluss der Sanierungsarbeiten in Wörth. Kaum zu glauben, dass der gesamte Innenraum nach dem verheerenden Brand am Ostermontag 2016 mit einer dicken Schicht aus Ruß und getrocknetem Löschschaum überzogen war, die tief in den Putz eindrang. Es war „eine Zeit der Prüfung“ erklärt Pater Slawomir Trzmielewski, der Pfarradministrator von Wörth. Zwei Jahre lang mussten die Gläubigen auf Gottesdienste in ihrer Kirche verzichten und in Nachbarkirchen oder ins Pfarrheim ausweichen. Rund vier Millionen Euro hat die Sanierung gekostet; davon trug die Versicherung 2,6 Millionen, das Erzbischöfliche Ordinariat und die Pfarrei die restliche Summe.

Sogar die originalen Deckengemälde konnten die Restauratoren mit einer eigens entwickelten Lasertechnik reinigen und retten. „Wir wollten den originalen spätbarocken Zustand wiederherstellen“ erklärt Kirchenpfleger Stephan Schletter. Gleichzeitig hat die Pfarrei die Gelegenheit einer umfassenden Sanierung genutzt. Unter anderem haben die Bauarbeiter das Gewölbe neu verspannt und eine 125 Jahre alte Notsicherung entfernt, die einen möglichen Einsturz der Decke verhinderte.: „Da habe ich ein paar Tage nicht gut schlafen können“, gibt Schletter zu. Auch sonst lastete auf der ehrenamtlichen Kirchenverwaltung (KV) viel Arbeit. Unmittelbar nach dem Brand jagte eine Planungssitzung die nächste. Die Ausschreibung und Koordination der Arbeiten, die Kosten- und Terminplanung und die Dokumentation mussten bewältigt werden.

Neue Mitte für die Gemeinde

„Für die ganze Gemeinde ist eine neue Mitte entstanden“, sagt Josef Königsbauer von der KV, der gerade aus einem der letzten Planungsgespräche kommt. Sogar der Gottesdienstbesuch sei etwas angestiegen. Die Sanierung habe sich auf die Kirchengemeinde und den Pfarrverband ausgewirkt, „die Menschen sind stolz auf ihre Kirche“. Pater Slawomir und Kirchenpfleger Schletter nicken zustimmend: Der Brand habe die Menschen zusammengeschweißt, die Betroffenheit sei in der ganzen Umgebung zu spüren gewesen, ebenso die große Hilfsbereitschaft. Da seien liturgische Geräte und eine Liedanzeige vorbeigebracht oder Ausweichräume angeboten worden, „da haben wir gar nicht danach fragen müssen und das war schön“, sagen beide unisono. Genauso selbstverständlich hätten die Menschen beim Ausräumen der Kirche und beim Umgestalten des Pfarrsaals für die Gottesdienste mitgeholfen.

Gregor Osseforth vom Pfarrgemeinderat sieht nur noch ein Problem und das hat mit der erfolgreichen Sanierung und der großen Anteilnahme zu tun: „Dass am 14. Juli alle in die Kirche reinpassen und es kein Gewitter gibt, wenn Menschen draußen mitfeiern.“

Der Gottesdienst zur Altarweihe mit Kardinal Reinhard Marx findet am Sonntag, 14. Juli, um 10 Uhr in Wörth statt.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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