Oberbayern Laufener Kirchenkrippe erneuert

25.12.2019

Eine der ältesten Kirchenkrippen Oberbayerns ist im Advent wiederbelebt worden.

Die Laufener Barockkrippe mit dem lachenden "Krippenjackl" (im Vordergrund).
Laufener Barockkrippe © privat

Christi Geburt als großes Welttheater: In der Stiftskirche Laufen, der ältesten gotischen Hallenkirche Bayerns, steht eine der ältesten Kirchenkrippen Oberbayerns. Hier lebt der barocke Geist noch, den man dem von den Salzburger Fürsterzbischöfen geprägten Rupertiwinkel nachsagt. Voller Ausdruck sind die holzgeschnitzten Gesichter der großen beweglichen Gliederpuppen mit historischen Stoffen, alten Knöpfen, Samt, Borten und Spitzen bekleidet. Fast wäre dieses kostbare Erbe verloren gegangen.

Erstmals ist die Kirchenkrippe in der durch die Kontrolle der Salzschifffahrt reich gewordenen Stadt am Salzachknie 1628 erwähnt. Anfang des 18. Jahrhunderts ist die Rede von etwa hundert Krippenfiguren in der Stiftskirche, in einer Größe von 80 bis 100 Zentimetern. Barocker Überschwang traf auf die Freude der einfachen Schiffsleute an Theater und Spiel.

Lachendes oder weinendes Gesicht

Es wurden nacheinander verschiedene biblische Szenen dargestellt, bis hin zur Hochzeit zu Kana, für die Handwerker und Bauern aus Laufen und Umgebung Naturalien in Miniatur-Format spendierten. Sinnbild für diesen Mix aus Weltlichem und Religiösem ist der „Krippenjackl“, eine Mischung aus Lausbub, Kobold und Krippen-Putto in Tracht. Je nachdem, wie die Lage ist, zeigt er ein lachendes oder ein weinendes Gesicht.

Während der Aufklärung sagte die kirchliche Behörde in Salzburg diesem Krippenbrauchtum den Kampf an. Die Krippe verkam zusehends. Stiftsdekan Lorenz Posch verscherbelte um 1900 einen Großteil der Puppen. Den Jackl nahm die Mesnerfamilie in Obhut, bis ihn ein auswärtiger Pfarrer erbettelte. Über Umwege kam er zu einer Lehrerfamilie in Tittmoning, die ihn nicht mehr hergeben wollte, weil ihre Kinder damit spielten. Erst 1951 konnte ihn die Stadt Laufen erwerben. Das Original steht heute im Nationalmuseum München und eine Kopie in der Laufener Barockkrippe.

Spurensuche auf dem Dachboden

Doch wie kam es zur Wiederauferstehung dieser Krippe? Als „Eltern“ der neu sich formierenden Laufener Krippenfamilie könnte man Sepp und Irmgard Heringer betrachten. Sepp Heringer suchte für die von ihm neu gegründeten St. Georgs-Pfadfinder Anfang der 80er Jahre sinnvolle Beschäftigungen. Und so belebte er mit ihnen alte Heischebräuche der im Winter arbeitslosen Schiffer neu, wie etwa das „Nikologartl“ oder die „Stuben-Kumedi“, ein altes Laufener Krippenspiel. Immer wieder fischte Heringer damals aus dem Feuerholz der alten Stiftswaschküche seltsame Teile. Er vermutete dahinter Gerippe-Fragmente der Krippenpuppen und ging mit den Pfadfindern auf Spurensuche. Groß war die Freude, als auf dem Dachboden des Pfarrhofs schließlich eine Kiste mit verwurmten Köpfen, Gliedmaßen und Kleiderresten auftauchte.

In mühsamer Puzzlearbeit ließen an die 25 Krippenfreunde die Krippe neu erstehen, beraten wurden sie dabei vom Salzburgmuseum. Die Puppen mit beweglichen Holzgelenken wurden nach Originalen geschnitzt. Fanny Streitwieser, Lisbeth Ramgraber und Marianne Leimeister nähten aus historischen Stoffen Kostüme der Barockzeit. Die Krippe bekam auch vier neue Figuren: die Schwestern Berta und Josefa Schiefer, Enkelinnen der Mesnerin und Heimatkundlerinnen, die die Neuaufstellung der Krippe nicht mehr erlebten, sowie Joseph Mohr und Franz Gruber, Urheber des Lieds „Stille Nacht“ in Oberndorf auf der anderen Salzachseite. Josef Enzinger schnitzte die vier Gesichter nach Fotos, und die Kirchenmalerin Elisabeth Keilhacker, die auch die alten Köpfe restauriert hat, fasste sie.

Bereit für das Jesuskind

„Die Krippe ist langsam gewachsen. Jahr für Jahr haben wir einige Figuren restaurieren lassen“, erinnert sich Irmgard Heringer. Beim Abräumen nach Maria Lichtmess bringt das Ehepaar kaputte Figuren oder Teile sofort zum Schnitzer und lässt defekte Kleider von den Näherinnen ausbessern. Nach dem zweiten Advent war es soweit: Stiftsmesner Albert Kroiß und Hausmeister Josef Kroiß erstellten in etwa zehn Stunden den Unterbau aus Böcken, Platten, Teppichen und den von Kunstlehrer Herbert Warzecha in Illusions-Malerei gestalteten Kulissen. Das Ehepaar Heringer und viele Ehrenamtliche bauten dann die Landschaft auf und betteten die übers Jahr in großen Schränken im Stiftsschatzdepot sorgsam aufbewahrten Figuren ein. Bis Lichtmess wird die Krippe täglich ab 15 Uhr bis zur Kirchenschließung bei Einbruch der Dunkelheit beleuchtet.

Erst beim Lied „Stille Nacht“ in der Kinderchristmette wird Mesner Albert Kroiß das Jesuskind in die Krippe legen. Der berühmteste Sohn der Stadt Laufen, der Barockmaler Johann Michael Rottmayr, der auch das Altarbild des heiligen Rupert hinter der Krippenszene gemalt hat, ist mit seiner Palette, gepudertem Gesicht und wallender Perücke Zeuge der armen Geburt im Stall. (Veronika Mergenthal)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Advent & Weihnachten

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