Neujahrsempfang Diözesanmuseum Launiger Rückblick auf Ausstellungen

08.02.2019

Das Diözesanmuseum Freising ist seit sechs Jahren heimatlos. Dennoch haben Museumsdirektor Christoph Kürzeder und sein Team im vergangenen Jahr fünf Ausstellungen gestemmt. Und auch in diesem Jahr erwartet Kunstfreunde ein abwechslungsreiches Programm.

Museumsdirektor Christoph Kürzeder blickt auf Ausstellungen zurück.
Museumsdirektor Christoph Kürzeder blickt auf Ausstellungen zurück. © Andreas Gebert

München – „Es ist der späteste Neujahrsempfang überhaupt“, sagt Museumsdirektor Christoph Kürzeder lachend ins Mikrofon auf der Bühne des Literaturhauses in München. Aber spontan wie er nun mal sei, habe er die Idee zu diesem Empfang erst Anfang Januar gehabt und, nun ja, der 7. Februar war der erste Termin, der hier eben frei war. Den über 400 Gästen aus Kunst, Kirche, Gesellschaft – darunter der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx - macht das nichts aus. Sie genießen den launigen Rückblick auf die Ausstellungen des vergangenen Jahres und verfolgen gespannt den Ausblick, was Kunstfreunde heuer erwartet ¬- und natürlich das „get-together“ zum Ausklang – im Literaturhaus mit dem riesigen Glasfenster, das einen einmaligen Blick auf die Theatinerkirche gewährt. Christoph Kürzeder, kreativer und nimmermüder Direktor des Diözesanmuseums, führt die Gäste kurzweilig, unterhaltsam und witzig durch das vergangene Jahr.

„Wir durften einige Wunder erleben“

Das Team hat sich 2018, das kann man mit Fug und Recht behaupten, selbst übertroffen. Fünf Ausstellungen haben sie gestemmt, und das „im sechsten Jahr heimatlos, ohne Museum“, gibt Kürzeder zu Bedenken. „Alle waren uns eine Herzensfreude, aber bisweilen haben uns diese Ausstellungen an unsere Grenzen gebracht“, gibt er unumwunden zu. Was Kürzeder schmunzelnd mit „wir durften einige Wunder erleben“ kommentiert, lässt erahnen, welch Leistung das Team um ihn, Carmen Roll, Steffen Mensch und Johanna Eder gestemmt hat.

In seinem Rückblick erinnert Kürzeder an die Ausstellungen „Bewegte Zeiten – Der Bildhauer Erasmus Grasser (um 1450 – 1518)“ im Bayerischen Nationalmuseum in München („für uns ein Glanzlicht in der Museumsgeschichte“), „Zugeneigt – Leben, Lernen, Glauben im Ursulinenkloster Landshut“ („ich danke den Schwestern, dass sie dem Team das Vertrauen geschenkt haben und ohne Tabus ihr Leben im Kloster erzählt haben“) und in Kloster Beuerberg „Das Spiel beginnt! Spielend Leben Lernen“ („es ist ein Geschenk, dass wir seit vier Jahren dort arbeiten können“).

Der Jahresempfang des Diözesanmuseums fand im Literaturhaus in München statt.
Der Jahresempfang des Diözesanmuseums fand im Literaturhaus in München statt. © SMB/Hornberger

Filmpremiere zur Ausstellung in Venedig

Sein persönliches Highlight jedoch sei die Ausstellung „Die letzten Tage von Byzanz – Das Freisinger Lukasbild in Venedig“ gewesen und die „unfallfreie“ Reise von 400 Persönlichkeiten aus dem Erzbistum eben dorthin gewesen sowie der Gottesdienst zur Eröffnung mit Kardinal Reinhard Marx. Dann folgt eine Premiere: Ein 20-minütiger Film zeigt, wie die Ausstellung in Venedig aufgebaut wird, mit welch Sorgfalt und Fingerspitzengefühl die wertvollen Kunstwerke aus Kisten gepackt und in Szene gesetzt werden.

Danach blickt der Museumsdirektor nach vorne auf das Jahr 2019: Am 1. Mai beginnt in Kloster Beuerberg eine neue Ausstellung: „Heimat - gesucht, gelebt und verloren gegangen“ in Kooperation mit dem Bayerischen Landesverein für Heimatpflege. Während dieser Zeit wird unter anderem die Künstlerin Gabriela von Habsburg Werke im Pavillon des Klostergartens zeigen.

Der Film über die Ausstellung „Die letzten Tage von Byzanz – Das Freisinger Lukasbild in Venedig“ ist hier zu sehen.

Carmen Roll, stellvertretende Museumsdirektorin und wissenschaftliche Kuratorin, richtet den Blick auf eine andere Facette des Diözesanmuseums: Bereits seit einem Jahr läuft das Projekt, einen Bestandskatalog zur mittelalterlichen Kunst zu erarbeiten. „Der letzte derartige Katalog wurde 1907 gemacht“, berichtet Roll und ein Raunen geht durch den Saal. Zwei Fachleute nehmen nun 70 bis 75 Objekte aus dem Besitz des Museums genau unter die Lupe. So haben sie etwa herausgefunden, dass sieben Passionstafeln nicht Teil eines Kreuzwegs, sondern Teil eines Kreuzaltars mit zwei Flügeln sind. Vielleicht waren diese sogar einmal im Freisinger Dom, dies sei jedoch reine Spekulation. Man dürfe also gespannt sein auf neue Forschungsergebnisse, schließt Roll ihren Ausblick und übergibt das Mikrofon an Steffen Mensch.

Weihnachtsmarkt am Kloster Beuerberg

Als Sammlungsleiter des Diözesanmuseums verwaltet und erhält er 50.000 Objekte. Er kümmere sich aber auch - in Absprache mit dem Team - um Neuerwerbungen. „Wir sammeln unerschrocken weiter“, sagt Mensch lachend, „Objekte, die zu uns passen.“ Beispielsweise zwei „herrliche Rokoko-Skulpturen, den heiligen Benno und den heiligen Eligius“. Die Bischöfe schmückten wohl mal den Münchner Dom. 2019 werde das Jahr der Krippen, die aus einer großen privaten Sammlung stammen, verrät Mensch noch. Johanna Eder, die sich um die Kunstvermittlung kümmert, schaut auf Kloster Beuerberg. Hier werde es heuer – neben einem umfangreichen Rahmenprogramm - vermehrt Angebote für Schulen, für Jugendliche, aber auch für Senioren und Demenzkranke geben. „Wir wollen Menschen den Besuch im Museum ermöglichen, für die das nicht so einfach ist“, erklärt sie. Und noch etwas Neues erwartet die Fans von Beuerberg: Am ersten Adventswochenende verzaubert ein Weihnachtsmarkt das Kloster.

Die Autorin
Susanne Hornberger
Münchner Kirchenzeitung
s.hornberger@st-michaelsbund.de

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