Impuls von Pater Karl Kern Leben aus dem Heiligen Geist

17.11.2019

Glaube, das wäre: in allem sich in Gott geborgen fühlen, dabei von innen her Sinn und Wahrheit erfahren und deshalb erfüllt leben, meint Pater Karl Kern.

Der Heilige Geist kommt, um uns in unserer Not, in unserem ausharrenden Ausschauen nach der Erlösung zu stärken, meint Pater Karl Kern.
Der Heilige Geist kommt, um uns in unserer Not, in unserem ausharrenden Ausschauen nach der Erlösung zu stärken, meint Pater Karl Kern. © mbolina - stock.adobe.com

Alltag, das heißt: tägliche Pflichten, Eingespanntsein, Herausforderungen bestehen, Besorgtsein, helle und weniger helle bis dunkle Momente erleben. Glaube, das wäre: in all dem sich in Gott geborgen fühlen, mit dem Auferstandenen den Weg der Alltäglichkeit gehen, dabei von innen her Sinn und Wahrheit erfahren und deshalb erfüllt leben.

Oft verbinden und steigern sich Glaube und Alltag: Wir leben beschwingt. In vielen Zufällen erahnen wir die Hand Gottes. Leben geht leicht von der Hand. Doch manchmal klaffen das tägliche Lebensgefühl und der Glaube auseinander. Ja, die Lebenssteigerung durch den Glauben fühlt sich an wie ein hohles Versprechen und manchmal sogar wie Hohn.

Leben aus dem Geist

Im achten Kapitel des Römerbriefs beschreibt Paulus das Leben aus dem Geist. Glaube ist Erfülltsein vom Heiligen Geist. Die Grundzusage im Vers 16 lautet: „Der Geist Gottes bezeugt zusammen mit unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.“ Was besagt das für unseren alltäglichen Glauben? Wir sollten uns in jeder Gefühlslage erinnern und erinnern lassen, dass wir zu Gott gehören, ihm vertrauen können. „Mein Gott, du bist da, du weißt um mich, auch wenn ich dich im Moment nicht sehe oder gar verstehe!“ Das sollte unser Gebet in schwierigen Zeiten sein. Gerade dann sollten wir „Abba, Vater“ (Röm 8,15) rufen – mitten in Ausweglosigkeit und Dunkel.

Pater Karl Kern SJ ist Kirchenrektor von St. Michael in München.
Pater Karl Kern SJ ist Kirchenrektor von St. Michael in München. © Walter Glück

Doch ist unser Geist zu schwach, um jederzeit diese Gotteskindschaft zu spüren. Deshalb geht Paulus in seiner Glaubensermutigung einen Schritt weiter: „Was wir beten sollen, wie es nötig ist, das wissen wir nicht. Aber der Geist selbst überkommt (unser) unartikuliertes Stöhnen. Als der Herzenserforscher weiß Er (der „Geist selbst“), was das Trachten des Geistes (von uns) ist, das, was Er (dann) Gott entsprechend erbittet für die Heiligen“ (Röm 8,26.27), wie Pater Norbert Baumert SJ übersetzt.

Gott kennt meine Not

Der Geist Gottes ist unser Fürsprecher. Er ist eine weitere Gabe für den bedrängten Gläubigen. Nicht der Geist stöhnt „mit unaussprechlichen Seufzern“, sondern er kommt über unser unartikuliertes Stöhnen – wie eine Mutter über ein wimmerndes Kind. Das Eintreten des Geistes Gottes zeigt sich in der Erfahrung, dass in solch innerer Not ein Mensch gelegentlich eine innere Bewegung spürt, die ihm die Anwesenheit des Geistes anzeigt, die ihm anzeigt: Gott kennt meine Not.

Der Geist kommt, um uns in unserer Not, in unserem ausharrenden Ausschauen nach der Erlösung zu stärken. Der Geist will uns helfen in dieser unbeholfenen Hinwendung zu Gott. Während wir selbst es nicht in Worte fassen können, durchforscht der Heilige Geist (1 Kor 2,10) unsere Herzen und weiß, wohin das Trachten unseres Geistes geht. Glaube im Alltag heißt: Leben aus dem Wunder dieser geheimnisvollen Verwandlung, die der Heilige Geist wirkt.


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