Was braucht mein Kind zum Glücklichsein? Leben im Schlaraffenland

08.06.2017

Ein Zimmer voller Spielzeug, musikalische Früherziehung, oder Urlaub im Kinderhotel – was brauchen unsere Kinder zum Glücklichsein? Eine Frage, die sich vermutlich alle Eltern schon mal gestellt haben.

Was braucht mein Kind zum Glücklichsein? © sborisov-fotolia.com

Bergkirchen/Dachau – „Mein Zweijähriger weiß schon ganz genau, was er anziehen möchte und das sind nur zwei bestimmte Hosen. Ich mache mir Sorgen, dass es dann mal mit Markenklamotten später besonders schlimm wird“, berichtet eine junge Mutter im Kinderhaus von „Denk mit“ in Bergkirchen. Eine wilde Diskussion beginnt darüber, was Kinder selbst entscheiden dürfen, wo es wichtig ist auch mal „Nein“ zu sagen oder wo man als Eltern, auch mal überfordert, besser etwas durchgehen lässt. Der Elternworkshop „Leben im Schlaraffenland – Was braucht mein Kind zum Glücklichsein“ ist gut besucht.

Angebot und Verführung

Carolin Mayer von der Schuldnerberatung der Caritas Dachau gibt den Eltern wertvolle Tipps, lässt aber auch viel Raum zur Diskussion. Sie und Korreferentin Ina Adolphsen sind selbst beide Mütter von Klein- und Kindergartenkindern und wissen, wie schwer es manchmal ist abzuwägen, was für das eigene Kind wichtig ist. Natürlich steht ganz oben die Liebe und Sicherheit, die ihnen Mama und Papa geben. Der teure Bagger von der Markenspielzeugfirma, Klamotten mit Elsa und ihren Disneyfreunden oder der „Early English Kurs“ müssen es nach Meinung der Referentinnen nicht immer sein. „Aber“, räumt Mayer ein, „ich weiß schon, dass da ein großer Druck auf die Eltern ausgeübt wird. Wenn plötzlich die anderen Kita Eltern auf einen einreden, weil man den Frühförderkurs in Musik nicht gebucht hat, obwohl es so ein tolles Angebot sei und für die Kinder so eine große Chance, dann fällt es manchmal schwer zu sagen: Nein, das wollen wir nicht.“

Was das eigene Kind braucht, da wollen die Referentinnen keine Vorschriften machen, das muss jede Familie für sich entscheiden. Aber sie wollen zum Nachdenken anregen. „Die Werbung hat heute einen riesigen Einfluss, auch auf unsere Kinder“, erklärt Adolphsen. Der Joghurt werde gekauft, weil der neueste Filmheld darauf abgebildet ist und natürlich gebe es zum Abschluss des Supermarktrundganges noch die Lieblingssüßigkeit an der Kasse. Die Beraterinnen raten dazu, einfach mal öfter „Nein“ zu sagen – auch, wenn man dann den ein oder anderen Wutanfall aushalten muss.

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Die Referentinnen Ines Adolphsen und Carolin Mayer © SMB/SSchmid

Prävention im Kleinkindalter

Dass gerade die Schuldnerberatung der Caritas Dachau solch einen Workshop anbietet, ist kein Zufall. „Wir haben viele Jugendliche und junge Erwachsene in der Beratung, die nie gelernt haben mit Geld umzugehen. Und die Erfahrung zeigt: Wenn man Kindern von klein auf deutlich macht, dass man nicht alles haben muss, was in der Werbung angepriesen wird, oder was „alle anderen“ auch kaufen, dann haben sie später ein geringeres Risiko Schulden zu machen“, sagt Mayer.

Für Jugendliche die größte Schuldenfalle ist seit vielen Jahren das Handy. Deshalb wird auch über dieses Thema schon im Workshop im Kinderhaus diskutiert. Für viele der Eltern scheint das Thema noch weit weg. „Unser Kind wächst eben in einer Gesellschaft auf, wo Smartphone und Tablet zum Alltag gehören und wird möglicherweise schon im Grundschulalter darauf angewiesen sein“, meint eine Mutter. Die Workshop-Leiterinnen sagen den Eltern aber ganz klar, dass sie hier als Vorbild agieren. Wer jederzeit, ob am Esstisch oder Spielplatz sein Smartphone zücke, der könne nicht erwarten, dass es die Kinder in ein paar Jahren anders machen, sagen Mayer und Adolphsen. Kita Leitung Melanie Schlammerl bestätigt das. Vor Kurzem hat sie für eine Krippengruppe neue Bausteine gekauft und als sie ein paar Tage später fragen wollte, wie diese ankämen, waren die meisten Kidner gerade damit schäftigt diese als Smartphone zu „missbrauchen“. „Die einen wischten darauf herum, als würden sie die neuesten Apps anschauen, die anderen tippten und wieder andere brüllten hinein“, erzählt Schlammerl. Das habe sie schockiert. In einer Kinderkonferenz habe sie mit den Zweijährigen besprochen, was man alles mit den Steinen machen könne und die Bauecke von nun ab „Handy-freie“ Zone sei und das funktioniere ausgezeichnet, meint die Erzieherin.

Der Grundstein für eine stabile, verantwortungsvolle Persönlichkeit und für einen gesunden Umgang mit den ständig lockenden Konsummöglichkeiten im späteren Alter wird bereits durch die Erziehung im Kindesalter gelegt – das ist es, was die Caritas Schuldnerberatung in den Workshops vermitteln will. Gefördert wird das Präventionsprojekt von der Volksbank Raiffeisenbank Dachau, so dass der Workshop für Eltern kostenfrei angeboten werden kann. Das Caritas-Zentrum Dachau führt den Themenabend zur Konsum- und Werteerziehung seit 2008 in Kindertagesstätten durch.

Der nächste Workshop Leben im Schlaraffenland – Was braucht mein Kind zum Glücklichsein“ der Schuldnerberatung der Caritas Dachau findet am Dienstag, 20. Juni um 19:30 Uhr im Bürgertreff Ost e.V., Ernst-Reuter-Platz 1A, 85221 Dachau statt.

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de


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