Impuls von Pfarrer Stephan Fischbacher Leben mit dem Schatten

25.05.2019

Wenn Pfarrer Fischbacher joggen geht, ist sein Schatten sein Begleiter. Auch in der Bibel spielt der Schatten eine Rolle.

In den Psalmen wird der Schatten sowohl als Symbol für die kümmerliche Existenz des Menschen als auch für die Liebe Gottes verwendet.
In den Psalmen wird der Schatten sowohl als Symbol für die kümmerliche Existenz des Menschen als auch für die Liebe Gottes verwendet. © Stefan Schurr - stock.adobe.com

Seitdem ich im Frühjahr das Joggen angefangen habe, gehe ich fast täglich nach draußen, um mindestens eine halbe Stunde zu laufen. Häufig habe ich die Abendsonne im Rücken und kann den Schatten meines Körpers vor mir sehen. Hingestreckt am Boden liegt er und weicht mir nicht von der Seite. Ich kann ihn nicht abschütteln, ich kann nicht einmal über meinen Schatten springen.

Da denke ich an meine Zeit auf dem Jakobsweg in Spanien. Weil man ja nach Westen geht und vor allem am Vormittag, wurde der Schatten zum engsten Begleiter meines Pilgerdaseins.

Im biblischen Buch der Psalmen wird der Schatten als Symbol vor allem für Zweierlei verwendet: Zum einen für die kümmerliche Existenz des Menschen: „Meine Tage schwinden dahin wie Schatten, ich verdorre wie Gras.“ (Ps 102,12) Schatten sind vergänglich, abhängig vom Lauf der Sonne. Ein scheinbar unaufhörliches Kommen und Gehen von Tag und Nacht, Werden und Vergehen.

„Giovanni, nimm dich nicht so wichtig“

Der Blick auf unseren Schatten relativiert manches. Wir sollten es mit dem heiligen Papst Johannes XXIII. halten, der sich selbst sagte: „Giovanni, nimm dich nicht so wichtig.“

Wer meint, alles selber regeln zu müssen, seinen Willen komplett durchsetzen und immer alles in der Hand halten zu müssen, setzt sich mit Leib und Seele einer Belastung aus, die uns wegführt von Gott. Bei allem, was wir tun: Wir strengen uns an, wissen uns doch aber in etwas Größerem geborgen und aufgehoben – in Gottes unendlicher Liebe und Barmherzigkeit. Auch diese wird im Buch der Psalmen mit dem Symbol eines Schattens wiedergegeben: „Wie köstlich ist deine Liebe, Gott! Menschen bergen sich im Schatten deiner Flügel.“ (Ps 36,8)

Pfarrer Stephan Fischbacher leitet den Pfarrverband Waakirchen.
Pfarrer Stephan Fischbacher leitet den Pfarrverband Waakirchen. © privat

Gottes Schatten als Angebot für die Menschen

Man muss dabei berücksichtigen, dass die Schriften der Bibel hauptsächlich in sehr heißen Gegenden entstanden sind. Die Menschen wussten, wie heiß und erbarmungslos die Sonne brennen kann. Bäume waren rar. Wie wohltuend ist auch für uns die Erfahrung, sich an einem heißen Sommertag unter eine Kastanie zu setzen und auszuruhen. Im Schatten eines Baumes, aber auch eines Sonnenschirmes lässt es sich leichter aushalten und wir kommen aus der Überhitzung in die innere Ruhe und Ausgeglichenheit.

Gottes Schatten ist ein Angebot für uns Menschen: Im Schatten Gottes kommen wir vom äußeren Stress zur inneren Ruhe, aus der Überhitzung in die Erfrischung und aus der Selbstüberschätzung in die Ausgeglichenheit. Dann können wir gemeinsam mit dem Psalmisten beten: „Ja, du wurdest meine Hilfe, ich juble im Schatten deiner Flügel.“ (Ps 63,8)


Das könnte Sie auch interessieren

Das Team der Pfarrei Sankt Maxilimian für den B2Run in München.
© Achim Happel

Kirche macht sich fit für den B2Run Training mit dem „Forrest Gump“ von Sankt Max

Am 16. Juli schnüren die Münchner Firmen wieder die Laufschuhe. Insgesamt 30.000 Läufer gehen beim B2Run dieses Jahr an den Start. Mit dabei: ein Team aus der Pfarrei Sankt Maximilian in München.

03.07.2019

Wer glaubt, vermag in allen Wirrungen des Lebens ein Gesicht zu entdecken, das ihn anschaut und ihm sagt: „Alles wird gut!“, meint Max Kronawitter.
© Maika – stock.adobe.com

Impuls von Max Kronawitter „Alles wird gut!“

Der Glaube verändert die Weise, wie man die Welt wahrnimmt, ist Max Kronawitter überzeugt. Inwiefern, verrät der Theologe und Filmemacher hier.

23.06.2019

Pater Cornelius Bohl ist überzeugt: Der rote Faden, der sich durch das Leben eines Menschen zieht, ist dessen ganz persönliche Berufung.
© zeralein – stock.adobe.com

Impuls von Pater Cornelius Bohl Der rote Faden

Habe ich einen roten Faden in meinem Leben? Gibt es bei mir eine große Richtung, die sich durch alle Höhen und Tiefen durchträgt? Ein Lebensthema, bei dem ich spüre: Ja, das bin genau ich!

16.06.2019

Der Heilige Geist ist für Schwester Cosima Kiesner die Ruhe in der äußeren und inneren Hektik.
© Africa Studio – stock.adobe.com

Impuls von Schwester Cosima Kiesner Die Kraft des Geistes

Seit Schwester Cosima Kiesner mit dem Wirken des Heiligen Geistes in ihrem Alltag rechnet, erkennt sie es leichter. Wie es sich zeigt, verrät die Ordensfrau hier.

09.06.2019

Gläubige schlössen nicht aus, von Gott überrascht zu werden, meint Max Kronawitter. Sollte seine Wetter-App wieder mal eine hundertprozentige Regenwahrscheinlichkeit prognostizieren, hoffe er daher dennoch, dass die Sonne für einige Augenblicke vom Hi
© adzicnatasa – stock.adobe.com

Impuls von Max Kronawitter Sich von Gott überraschen lassen

Das Leben ist immer für Überraschungen gut, betont Max Kronawitter. Für die Jünger Jesu war der Karfreitag eine Katastrophe. Was keiner für möglich hielt, ereignete sich: Der Tote wurde lebendig.

12.05.2019

Wenn jemand schwer krank ist oder stirbt, können wir oft nichts mehr tun. Aber wir können da sein. Das ist sehr viel.
© Tyler Olson – stock.adobe.com

Impuls von Pater Cornelius Bohl Schön, dass du da bist!

„Ich bin doch da!“, sagt die Mutter zum Kind. „Ich bin da, wenn du mich brauchst!“, ein Freund zum anderen. Das treue Dasein eines Menschen kann das Dasein Jesu bezeugen, meint Pater Cornelius Bohl.

05.05.2019

Bei der Feier der Eucharistie wird aus einer Oblate die Hostie.
© stefania57 - stock.adobe.com

Impuls Gott in der Hand

Jedes Jahr am Weißen Sonntag erinnert sich Schwester Cosima Kiesner an ihre Erstkommunion. Sie habe dieses Geheimnis bis heute nicht erfasst, aber sie sei dankbar, dass Gott sich so klein macht.

28.04.2019

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren