Stephan Kruip Leben mit Mukoviszidose

30.10.2017

Stephan Kruip ist 51 Jahre alt und hat Mukoviszidose. Eine Lungenerkrankung, an der viele Patienten sehr früh sterben. Heute ist er verheiratet, Familienvater und Mitglied im Deutschen Ethikrat. Warum es ihm besser geht, wenn er einen Marathon läuft, das erzählt er uns hier.

Stefan Kruip hatte bei seiner Geburt eine Lebenserwartung von drei Jahren.
Stefan Kruip hatte bei seiner Geburt eine Lebenserwartung von drei Jahren. © Fabian Helmich

Bei Stephan Kruips Geburt haben die Ärzte seinen Eltern gesagt, sie sollten aus dem Leben ihres Kindes ein Fest machen, denn es würde nicht lange dauern. „Als ich 18 Jahre alt war, hatte ich eine statistische Lebenserwartung von drei Jahren. Heute habe ich immer noch eine statistische Lebenserwartung von drei Jahren. Mathematisch gesehen bin ich unsterblich“, lacht der Physiker. Damit es ihm so gut geht, muss er täglich drei bis vier Stunden Therapie machen, um die Lunge vom Schleim zu befreien. Inhalieren und Atemübungen gehören für ihn zum Tagesablauf wie für andere das Zähneputzen. Als er und seine Frau eine Familie gründen wollten, mussten sie sich mit Themen auseinandersetzen, die die meisten Menschen nur aus den Nachrichten kennen: Weil Mukoviszidose eine Erbkrankheit ist, haben sie einen Gentest gemacht. Weil die Krankheit auch Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit hat, mussten sie eine künstliche Befruchtung vornehmen lassen. Die Frage, ob es verantwortungsvoll ist, Kinder zu bekommen, wenn die ihren Vater womöglich nur wenige Jahre erleben können, haben sie diskutiert. Aber da Kruips Zustand seit Jahren sehr stabil war, haben sie es gewagt. Heute sind die Kinder 13 und 15 Jahre alt – und gesund.

Und er hat ein Hobby, dass man von einem Menschen mit Lungenproblemen eher nicht erwartet: Er läuft Marathon

Seit vergangenem Jahr ist noch eine weitere Aufgabe auf ihn zugekommen. Er ist in den Deutschen Ethikrat berufen worden, wo er Naturwissenschaftlern, Medizinern und Philosophen die praktische Seite ethischer Diskussionen vor Augen führt.

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Die Autorin
Brigitte Strauß-Richters
Radio-Redaktion
b.strauss-richters@st-michaelsbund.de


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