Ostern Leben nach dem Tod

22.04.2019

Juden, Muslime und Christen glauben an die Auferstehung der Toten. Über das, was dabei genau geschieht, gibt es aber unterschiedliche Ansichten.

Das leere Grab nach der Auferstehung Jesu © Fotolia

Jeder Mensch wird einmal sterben. Das ist sicher. Doch was kommt danach? Ewiges Leben im Himmel? Ewige Verdammnis in der Hölle? Oder einfach nichts? In den drei abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam gibt es die Vorstellung, dass der Mensch ein Leben bei Gott führen wird. Ein Jude, eine Muslimin und ein Katholik erklären, was aus der Sicht ihrer Religion nach dem Tod tatsächlich passiert.

Rabbiner Steven Langnas © privat

Eine rein spirituelle Welt
Der Tod ist nicht das Ende im jüdischen Glauben. Wenn ein Mensch stirbt, dann trenne sich die Seele vom Körper, erklärt Steven Langnas. Lebe nach dem Tod bedeute, dass die Seele wieder nach Hause geht in eine rein spirituelle Welt. Der Münchner Rabbiner vergleicht diesen Vorgang mit der Weitergabe einer brennenden Kerze. Mit einer einzigen Kerzenflamme könne man zwei Kerzen anzünden oder auch 2000. Diese Flamme werde also nicht vermindert, „und so hat uns der liebe Gott allen einen Teil von seiner Essenz gegeben, ohne dass seine Essenz vermindert wird." Für dieses Emporheben der Seele beten die Lebenden, denn man gehe davon aus, dass diese nicht sofort „in den obersten Sphären“ ankommen wird. Dazwischen stehe Gottes Gericht, in dem jeder Mensch Verantwortung für sein Leben übernehmen muss. Weil aber Gott dem Menschen einen freien Willen gegeben hat, hoffe man auch auf seine Barmherzigkeit im Gericht.

Gönül Yerli, Islamisches Forum Penzberg © privat

Leben im Zwischenzustand
In der islamischen Vorstellung trennen sich Körper und Seele. Die Seele wandere in einen Zwischenzustand ab, erklärt Gönül Yerli vom Islamischen Forum in Penzberg. Dort warte sie auf das Jüngste Gericht. Nach der Tradition gehe man davon aus, dass für diejenigen, die schon Hoffnung auf das Paradies haben können, dieser Zwischenzustand wohl eine sehr kurze Zeit sein wird. Eine genaue zeitliche Vorstellung von diesem Zwischenzustand gebe es aber nicht, so Yerli. Wenn das Jüngste Gericht kommt, werde die Seele dann wieder dem Leib im Grab zugeführt. Zusammen mit der Erde werde daraus wieder ein Mensch geformt. Dieser Mensch übergebe Gott beim Gericht ein Buch. Zwei Schutzengel stehen dabei rechts und links neben ihm. Der rechte schreibe alle gute Taten des Menschen auf, der linke alle Bösen Taten. Deswegen wünschten sich Muslime schon zu Lebzeiten, dass jeder einen rechten Engel habe, der möglichst viel aufschreiben kann. Deswegen sei es auch sinnvoll, dass Leben auf dieser Erde nach Gottes Geboten zu führen. Zwar gebe es definitiv die Hölle, aber gerade die mystischen Richtungen im Islam betonten, dass die Barmherzigkeit Gottes über der Hölle stehe. „Ich bin sehr froh darüber, dass wir als Menschen nicht darüber entscheiden, wer oder was die Hölle dann aufheben wird, das wird Gottes Sache allein sein“, so Yerli weiter.

Pater Stefan Maria Huppertz © privat

Ewiges Leben mit oder fern von Gott
Der Münchner Kapuzinerpater Stefan Maria Huppertz ist überzeugt, dass am Ende des Lebens unsere guten und bösen Taten aufgewogen werden. Fegefeuer nennt man das seit Jahrhunderten. Und Pater Huppertz ist überzeugt, dass dieses Fegefeuer direkt nach unserem Tod wichtig für unsere Chance auf den Himmel ist. Darin begegneten wir Christus und könnten mit seinen wohlwollenden Augen sehen, was in unserem Leben gelungen ist, und wo wir uns für etwas Falsches, für die Sünde, entschieden haben. Das werde eine „sehr unangenehme brennende Erinnerung“ sein. Darum sei es wichtig, dass wir mit dem heilenden Blick Jesu auf unser Leben zurückschauten, erklärt Huppertz. Es gebe aber auch die Möglichkeit, in die Hölle zu kommen. Denn am Ende der Begegnung mit Jesus müsse sich jeder entscheiden: Soll es mit dem dreifaltigen Gott weitergehen, also mit dem Himmel, oder möchte man lieber fern von Gott an einem Ort der Isolation und Einsamkeit, also der Hölle, leben. Pater Huppertz geht davon aus, dass die meisten Menschen sich mit Gott versöhnen und den Himmel wählen. Generell würden die Menschen mit Leib und Seele auferstehen. Wir wüssten aber nicht, wie unser himmlischer Leib dann aussehen wird. Wo sich Pater Huppertz aber ganz sicher ist: wir werden im Himmel unsere Lieben wiedersehen. Im Johannesevangelium findet sich die Zusage Jesu, dass es im Haus des Vaters viele Wohnungen gebe. Jesus werde wiederkommen, um uns dorthin zu holen, um mit ihm und den Menschen, in deren Gegenwart wir schon eine Ahnung vom Himmel hatten, zusammen zu sein.

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Ostern

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