Kolpingjugend Leben wie in einer Blase

03.10.2019

Kirchliche Jugendarbeit setzt schon seit Generationen auf Zeltlager. Das Angebot scheint zeitlos zu sein. Woran liegt das?

München - Kirchliche Jugendarbeit erfindet sich immer wieder neu. Egal, ob es die „Silent Disco“ in der Kirche ist, oder ob man sich trifft, um ein Insektenhotel zu bauen: an zeitgemäßen Ideen hat es noch nie gemangelt. Allerdings halten sich solche Trends meistens nur ein paar Jahre. Es sind eher die Klassiker, die dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche sich einer Pfarrei oder einem Verband zugehörig fühlen. Welcher Erwachsene erinnert sich zum Beispiel nicht an die Zeltlager mit der Pfarrjugend oder den katholischen Pfadfindern? In den Sommerferien ins Zeltlager fahren: Dieses Abenteuer ist bei den jungen Menschen so beliebt wie eh und je. Auch die Kolpingjugend im Erzbistum München und Freising organisiert dieses Freizeitereignis jedes Jahr aufs Neue. Wer hier einmal in einem Zeltlager dabei war, geht immer wieder mit.

Johannes Holzner © SMB/Hasel

"Draußen könnte die Welt untergehen"

Auch Johannes Holzner von der Kolpingjugend in Waging am See kann auf das einwöchige Sommerferienerlebnis nicht verzichten. Der 21-jährige Lehramtsstudent war in diesem Sommer bereits zum fünften Mal als Gruppenleiter im Zeltlager Traunstein im Leitzachtal in der Nähe von Irschenberg dabei. Für ihn ist die Zeit in der Natur ein willkommener Ausstieg aus dem Alltag. „Man muss sich das vorstellen wie eine Blase, in der man lebt“, erklärt Johannes. Schon der Weg ins Lager ist wie ein Gang durch eine Pforte, bei der man vieles, an dem man sonst hängt, zurücklässt: das Auto, das Smartphone oder die Stromversorgung. Und es beginnt endlich auch die „elternfreie Zeit“. Kalt duschen, Dixie-Klos reinigen, auf harten Wurzeln schlafen und das Lagerbanner Nacht für Nacht verteidigen, das alles schweiße die Lagergemeinschaft zusammen, schwärmt Johannes. Wie extrem abgeschottet das Lagerleben tatsächlich stattfindet, sei ihm erst bewusst geworden, als er eines Tages vom Lager nach Hause kam und erfahren hat, dass in der Zeit seiner Abwesenheit im Dorf ein Haus explodiert ist. „Draußen könnte die Welt untergehen, aber man ist einfach weg“, meint Johannes. Da ist es natürlich ärgerlich, wenn man plötzlich 16 Jahre alt ist und nicht mehr als Teilnehmer mitfahren kann. Als Gruppenleiter profitiere man zwar auch von dem Leben in der Parallelwelt, aber nicht in vollem Maß, weil man letzten Endes doch Verantwortung und verschiedene Pflichten habe.

Ü-16 Zeltlager liegen im Trend

Deshalb hat sich die Kolpingjugend dazu entschlossen, nun auch ein Zeltlager für junge Erwachsene anzubieten. Das fand bereits zum zweiten Mal statt. Einige Teilnehmer seien schon als Kind im Leitzachtal gewesen, es gebe aber auch junge Erwachsene, die zum ersten Mal ins Zeltlager gefahren sind. Für Johannes selber kommt diese Freizeitform aber noch nicht in Frage. Er ist „definitiv“ als Gruppenleiter mit dabei, wenn im nächsten Jahr wieder rund 65 Kinder und Jugendliche ins Abenteuerland Zeltlager aufbrechen.

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de


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