Christliche Tattoos Lebendiger Ausdruck des Glaubens

18.06.2019

Pastoralreferentin Beate Reimann hat sich aus familiären Gründen mit Tätowierungen beschäftigt, von denen sie anfangs wenig begeistert war.

Jesus-Tattoo
Jesus-Tattoo © imago/UIG

Fürstenfeldbruck – Eine Rose am Hals, der Name der Freundin quer über den Unterarm: Tätowierungen gehören heute zum Alltagsbild. Auch wenn Tattoos immer noch ein bisschen der Ruch der Unterwelt anhaftet, der prekären Verhältnisse, der Schmuddelecke.

Kein Wunder, dass sich Pastoralreferentin Beate Reimann aus Fürstenfeldbruck einigermaßen heftig aufregte, als nacheinander alle drei Kinder zu Hause mit Tätowierungen auftauchten. „Was sollen nur die Leute sagen!“, war ihre Reaktion, wie sie sich heute erinnert. Aber damals – vor sechs Jahren kam der Sohn mit einem Tattoo nach Hause – beschloss Reimann, sich mit den Hautbildern auseinanderzusetzen. „Belief“ (Glaube) hatte der junge Mann auf dem Unterarm stehen, als Symbol für den Glauben an sich selbst, wie er erklärte.

Kreuz am Fuß

In Gesprächen mit Tätowierten stellte Reimann fest, dass alle ihre Beweggründe für das Stechen eines Bildes hatten. Ihre Tochter Anna Schäfer bestätigt das: Sie hat sich ein Kreuz auf den Fußknöchel tätowieren lassen. Sie halte sich selbst nicht für supergläubig, aber es sei das bekannteste Zeichen für den Glauben, in den sie ein gewisses Grundvertrauen habe. Und sie habe festgestellt, dass viele Menschen, sobald sie das Kreuz am Fuß entdeckten, wissen wollten, was es genau für sie bedeutet.

Ähnliches hat Beate Reimann jetzt in einem Buch gefunden: „Tattoo und Religion“ von Paul-Henri Campbell. Darin erklärt der Autor, selbst Theologe, dass Tätowierungen schon seit Jahrhunderten ein lebendiger Ausdruck des Glaubens sind: Jerusalem-Pilger ließen sich etwa ein Kreuz und die Jahreszahl der Pilgerschaft ins Handgelenk tätowieren – als Beweis und Erkennungsmerkmal untereinander. Reimann ist noch immer kein Fan der bunten Bilder auf der Haut. Als Seelsorgerin hat Reimann aber jetzt sehr viel weniger Vorbehalte.

Der Autor
Willi Witte
Radio-Redaktion
w.witte@st-michaelsbund.de


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