Corona und Kirche Leitungsteam auf dem Prüfstand

01.07.2020

Die Corona-Krise war für viele Pfarreien eine echte Herausforderung – und ist es noch. Besonders schwierig ist es in Geisenhausen, wo der Pfarrverband testweise anstelle eines Pfarrers von einem Team geleitet wird.

Leitungsteam Geisenhausen
Das Leitungsteam in Geisenhausen besteht aus Haupt- und Ehrenamtlichen. © Kiderle

Landshut – Veranstaltungen sind zwar noch abgesagt, aber die Gremien treffen sich schon nach und nach wieder. Während viele Ehrenamtliche nach dem Corona-Lockdown nur langsam in ihre Pfarreien zurückkehren können, blickt Josef Degenbeck auf eine ereignisreiche Zeit zurück: „Wir waren in der Zeit sehr aktiv und die Gemeinde lebt noch.“

Degenbeck ist einer von drei Ehrenamtlichen, die den Pfarrverband Geisenhausen im Landkreis Landshut gemeinsam mit einem Priester und einer Gemeindereferentin als Team leiten. Unter anderem mit Video-Impulsen hielt das Team über YouTube Kontakt zu Gemeinde. „Die Pfarrgemeinderäte von Geisenhausen und Holzhausen haben wir außerdem per Videokonferenzen getroffen.“ So gelang es auch, schon kurz nachdem Gottesdienste wieder erlaubt waren, Helfer zu organisieren, um die Corona-Schutzmaßnahmen umzusetzen.

Gemeinsame Entscheidungen

Insgesamt fällt Degenbecks Bilanz der letzten Monate somit recht positiv aus. Gerade zu Beginn des Lockdowns, war das aber noch nicht absehbar. Schnelle Entscheidungen konnten nicht zuerst im Leitungs-Team besprochen werden und so mussten Gemeindereferentin Rosemarie Bär-Betz und Pater Altus Jebada als Hauptamtliche auch alleine entscheiden. „Das war schon extrem schwierig“, sagt Bär-Betz, „als Leitungsteam können wir aber nicht schnell reagieren, weil wir ja nicht an einem Ort sind, wo man sich absprechen kann.“ Glücklich sei damit im Team aber keiner gewesen, denn eigentlich sollten alle Entscheidungen gemeinsam im Leitungsteam besprochen werden.

Dafür hätten aber gerade zu Beginn der Krise die technischen Lösungen seitens der Erzdiözese gefehlt, sagt Bär-Betz: „Für uns wäre es schon einmal hilfreich gewesen, wenn es Kommunikationsmittel und Wege gegeben hätte.“ Die habe sich das Leitungsteam aber zunächst selbst zusammensuchen müssen. „Wir brauchen einfach ein Medium, das auch auf dem Land und nicht nur in der Großstadt funktioniert“, fordert Bär-Betz.

Mit viel Eigeninitiative

Trotz aller Widrigkeiten gelang es dem Leitungsteam mit viel Eigeninitiative, schnell wieder arbeitsfähig zu werden. „Die sind als Team gut unterwegs“, findet auch Judith Müller, die das Geisenhausener Pilotprojekt von Seiten des Erzbischöflichen Ordinariats begleitet. „Aber da wirkt Corona auch wie ein Brennglas“, sagt die Theologin. Da wo Teams auch vor der Pandemie schon gut zusammengearbeitet haben, habe sich das auch in der Krise gezeigt – egal ob in konventionellen Teams oder, wie in Geisehausen in Pilotprojekten.

Dort wird das Leitungsmodell mit Haupt- und Ehrenamtlichen seit April 2019 erprobt. Zwei Jahre sollte das Team Zeit haben, um eine Form der Pfarreileitung zu testen, die möglicherweise in der Zukunft das klassische Pfarrer-Modell ablösen könnte. Ob der monatelangen Ausnahmezustand, durch den das Pilotprojekt nun wertvolle Zeit verloren hat, ausgeglichen wird, ist aktuell noch vollkommen unklar. „Wir können uns im Projektteam aber auch nicht vorstellen, dass zu beenden, obwohl es eigentlich gut läuft“, sagt Judith Müller von der Gemeindeberatung.

Hoffnung auf Normalität

Ein genauer Fahrplan für die Zukunft fehlt also noch. „Das macht es natürlich gerade für die Ehrenamtlichen schwierig, die dem Team eigentlich nur zwei Jahre angehören wollten“, sagt Gemeindereferentin Bär-Betz. Selbst, wenn alle Ehrenamtlichen bei einer Projektverlängerung mitmachen würden, wäre außerdem eine weitere Personalie im Team fraglich: Pater Altus Jebada, der dem Team als Priester angehört, wurde von seinem Orden nur für den regulären Erprobungszeitraum freigestellt.

Würde das Projekt nun über die geplanten zwei Jahre hinaus laufen, könnte das Leitungsteam seinen Geistlichen vorzeitig verlieren. Daran möchte Josef Degenbeck aber erst einmal nicht denken. „Die Stimmung ist nach wie vor gut. Es ist jeder dabei, arbeitet mit, hilft mit und stellt sich jetzt auf die Situation ein.“ Er hofft aber auch, bald wieder in die Normalität zurückzukehren.

Der Autor
Korbinian Bauer
Radioredakteur
k.bauer@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

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