Internationale Jugendbegegnung in Dachau Lernen aus der deutschen Geschichte

08.08.2017

Mehr als 100 Jugendliche aus der ganzen Welt treffen sich in der Nähe der KZ-Gedenkstätte in Dachau. Zwei Wochen lang diskutieren sie über den Nationalsozialismus und die Folgen davon.

In Workshops lernen Jugendliche vieles über Diskriminierung und Rassismus
In Workshops lernen Jugendliche vieles über Diskriminierung und Rassismus © Robert Philippsberg

Dachau – Bei der Internationalen Jugendbegegnung diskutieren junge Menschen bereits zum 35. Mal über die Ursachen und Auswirkungen des Nationalsozialismus vor mehr als 70 Jahren und lernen dabei auch, wie aktuelle Formen von Diskriminierung und Rassismus überwunden werden können. Benjamin (18) ist aus Polen zur Jugendbegegnung 2017 nach Dachau gereist. Es sei schließlich wichtig, über die Ereignisse, die in der Vergangenheit geschehen sind, Bescheid zu wissen, meint er. Dann mache man nicht noch einmal die gleichen Fehler.

Erkenntnisse für den Alltag

Aus der Geschichte lernen – das ist das große Ziel der Veranstaltung. Alljährlich findet sie im Max-Mannheimer-Haus in Dachau statt. Die Jugendlichen aus mehr als 20 Nationen gewinnen wichtige Erkenntnisse für ihren Alltag, die sie dann auch in ihre Heimatländer mittragen, sagt Projektleiter Robert Philippsberg. Darüber hinaus entstünden jedes Jahr viele Freundschaften unter den jungen Menschen.

Zeitzeugen- Gespräch als prägendes Erlebnis

Neben einer Besichtigung der KZ-Gedenkstätte in Dachau stehen zahlreiche Workshops auf dem Programm, wie zum Beispiel „Holocaust in Movies“, bei dem die Teilnehmer über die Darstellung des Holocausts in Filmen aus verschiedenen Ländern diskutieren. Andere Workshops beschäftigen sich mit Gender und Sexualität im Dritten Reich oder der Erinnerungskultur.

Damit alle Jugendlichen mitmachen können, finden die Workshops auf Englisch statt. Im Zentrum stehen dabei vor allem Zeitzeugengespräche, wie etwa mit dem Auschwitz-Überlebenden Natan Grossmann, der vor siebzig Jahren dem Tod entkommen konnte. So ein Gespräch sei für die Jugendlichen meist ein sehr prägendes Erlebnis, erklärt Projektleiter Robert Philippsberg. Viele nehmen auch vor allem deswegen an der Jugendbegegnung teil.

Perspektivenwechsel

Auch Ella (17) aus Israel ist extra zur Jugendbegegnung nach Deutschland gekommen. Zum einen gehöre es zu dem Austauschprogramm an ihrer Schule. Aber sie sei auch hier, weil sie Leute aus der ganzen Welt treffen wolle und an deren Perspektive interessiert sei. „In Israel lernen wir viel über den Holocaust, aber aus einer sehr jüdischen Perspektive. Ich wollte das ganze Bild sehen“, erzählt Ella. Es gebe noch viele Aspekte, von denen sie nie etwas gehört habe. Gelernt habe sie schon jetzt richtig viel.

Die Internationale Jugendbegegnung in Dachau ist ein Projekt unter anderem vom Bund der katholischen Jugend und der evangelischen Jugend München. Die Jugendbegegnung läuft noch bis zum 11. August.

Der Autor
Manuel Rauch
Radio-Redaktion
m.rauch@st-michaelsbund.de

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