Programm "Büchereifuchs" Leseförderung in katholischen öffentlichen Büchereien

26.11.2020

Durch die Corona-Krise brauchen Schulen und Eltern bei der Leseförderung mehr denn je Partner. Dazu gehören die katholischen öffentlichen Büchereien, die das Programm „Büchereifuchs“ anbieten.

Kennen sich in der Bücherei schon aus und sind glückliche Leser: Sarah und Tobias.
Kennen sich in der Bücherei schon aus und sind glückliche Leser: Sarah und Tobias. © Bücherei Oberding

Oberding b. Erding - Für Sarah ist die Büchereifuchsurkunde nicht irgendein Papier, sondern ein wichtiges Dokument. „Die ist eingerahmt und hängt in meinem Zimmer“, sagt sie mit hörbarem Stolz in den Telefonhörer. Sarah ist sieben, geht in die zweite Klasse und hat mit ihrer früheren Kindergartengruppe einen Büchereiführerschein in der kleinen Gemeinde Oberding bei Erding gemacht. „Ich bin ein Büchereifuchs“ heißt das Führerschein-Programm für die Kleinen. Eine Handpuppe, der Lesefuchs Felix, führt die Kinder in die wunderbare Welt des Lesens ein. Natürlich hat auch Jeannette Grimes einen solchen Felix. Sie leitet zusammen mit einer Kollegin die Bücherei in Oberding. Für den Büchereiführerschein zieht sie die orangefarbene Puppe mit den aufgeweckten Gesichtszügen über die Hand, erzählt damit Geschichten und erklärt die Bücherei: „Mit dem schlauen und neugierigen Fuchs können sich die Kinder wirklich gut identifizieren.“ 

Sarah lernte schnell lesen

Das Programm besteht aus drei einstündigen Einheiten: zuerst stellen Jeannette Grimes und Felix vor, wie eine Bücherei funktioniert. Beim zweiten Mal lesen die beiden vor und schauen dann den Buben und Mädchen zu, wie sie zu den Geschichten etwas malen oder basteln. Beim dritten Treffen stellen sie Bilderbücher und erste Sachbücher vorgestellt und überreichen später die Urkunde, die Sarah so wichtig ist. Durch den Büchereifuchs hat sie bereits vor der Schule einen mächtigen Leseappetit bekommen: „Als ich noch im Kindergarten war, habe ich meine Mama schon angefordert, mir Buchstaben zu lernen.“ Bereits vor dem ersten Schultag konnte sie „ziemlich gut“ lesen. Und sie war damit nicht allein: „Viele andere haben das auch schon gekonnt“. Der Büchereifuchs hat in Oberding offenbar das Lesen in die Familien getragen. Genau das will Jeannette Grimes erreichen: „Ganz viele Eltern haben nicht die Zeit oder die Nerven mit ihren Kindern zu lesen oder in die Bücherei zu gehen, merken aber durch das Programm wie wichtig das schon den Kleinen im Kindergarten ist.“ Und wenn die Kinder über den Fuchs Felix daheim erzählen, werden auch Mama und Papa auf die Bücherei neugierig und oft ganze Familien zu Stammkunden.

Büchereifuchs erzieht Bücherwürmer

So wie Sarah: Jeden Samstagvormittag verschwindet sie zwischen den Regalen und stöbert: „Ich leih´jedes mal fünf Bücher aus und meistens ist noch ein Film und eine CD dabei.“ Jeannette Grimes hat auch jede Menge Büchereifuchs-Rucksäcke gekauft, in denen die Kinder ihre ausgeliehenen Medien einpacken und nach Hause tragen können. Sarahs fünfjähriger Bruder Tobias hat ebenfalls einen bekommen und natürlich auch eine Urkunde. Die ist ihm besonders wichtig, denn sie beweist, „dass man sich in der Bücherei auskennt“. Als wichtigste Regel fällt ihm gleich ein, „dass man die Bücher wieder zurückbringen muss“. Er hat auch schon Favoriten gefunden, die er sich immer wieder holt: eine Reihe mit Bilderbüchern übers Häuserbauen. Bei der ersten Ausleihe mit dem Büchereifuchs hat er von Jeannette Grimes sogar den Scanner in die Hand gedrückt bekommen und durfte den Titel selbst im Computer verbuchen. „Freude am Lesen gewinnen Kinder wirklich oft dadurch, dass sie die Bücherei als interessanten und spannenden Ort kennenlernen“, sagt sie. Und der Büchereifuchs hilft kräftig mit, immer neue Bücherwürmer zu erziehen, die sich mit ihm die unverzichtbare Kulturtechnik des Lesens aneignen. 

Der Sankt Michaelsbund nimmt gerne Spenden für die Leseförderung von Kindern entgegen. Viele Büchereien sind nur schwach bezuschusst und auf diese Mittel angewiesen.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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