Freiwillige begleiten auf dem letzten Weg Letzte Ehre für Menschen ohne Angehörige

05.12.2017

Es gibt schönere Dinge als auf eine Beerdigung zu gehen. Manche Menschen machen das freiwillig – um Verstorbenen ohne Angehörige einen würdevollen letzten Weg zu schenken.

Den letzten Weg soll keiner alleine gehen... © Jeanette Dietl - fotolia.com

München/Fürstenfeldbruck – Eine Beerdigung bei der keiner dem Sarg des Verstorbenen folgt, ist schwer zu ertragen. Das findet auf jeden Fall Pastoralreferentin Susanne Bauer. Bereits, wenn die Beerdigungsmeldung „von Amts wegen“ kommt, dann ist das für sie das Zeichen, dass die Stadt keine Verwandten, Freunde und Angehörigen des Verstorbenen ermitteln konnte. Die ersten Beerdigungen, bei denen sie als Pastoralreferentin mit den Friedhofsangestellten alleine neben dem Sarg stand, seien für sie wirklich gruselig und schauerlich gewesen, erzählt sie. Mittlerweile habe sie sich damit arrangiert, auch wenn es natürlich sehr traurig wäre. Sie versuche trotzdem den Verstorbenen persönlich und wörtlich zu würdigen. „Selbst wenn es nicht möglich ist etwas Persönliches über den Verstorbenen zu erfahren, schaue ich, dass ich, dass ich über seinen Namen oder das Leben im Allgemeinen spreche und so eine würdevolle Beerdigung gestalte“, erzählt sie. Beerdigungen zu begleiten, gehe für sie über das Familiäre hinaus und gehöre zur christlichen Gemeinschaft.

Dass es in einigen Gemeinden nun Versuche gäbe Freiwillige zu finden, die die Beerdigungen solcher Menschen begleiten, freut sie. Aber sie weiß auch, wie schwierig es ist sie zu finden.. In Fürstenfeldbruck ist man glücklich genau so jemand zu haben. Helga Plaschke ist pensionierte Kinderärztin und hat schon mehrmals Beerdigungen von Menschen ohne Angehörige begleitet. Sie erzählt: „Ich bin einfach da. Manchmal habe ich mich auch um den Blumenschmuck gekümmert. So ein Beerdigungsritual hat einen festen Ablauf. Mir ist es wichtig, es mit christlichen Ritualen zu begleiten.“

Sie hat sich viele Gedanken über ihren „Dienst“ gemacht und wurde immer wieder bestärkt, dass sie das Richtige tut. Für Friedhofsangestellte sei eine Beerdigung ohne Angehörige, eine Sozialbestattung, eine Routinehandlung – für Helga Plaschke ein schlimmer Gedanke, der sie sehr traurig macht.

Die Ärztin versucht dem Toten durch ihre Anwesenheit Würde zu geben und ihm nahe zu sein. „Ich versuche mir vorzustellen, was das für ein Mensch war, was er in seinem Leben erlebt hat, was für Wünsche und Sehnsüchte er hatte, die vielleicht nicht erfüllt worden sind. Oder, wie es ihm in seinen letzten Tagen gegangen sei." Dass viele Menschen allein sterben, daran kann Helga Plaschke nichts ändern. Aber sie kann ihrem letzten Weg Bedeutung geben.

Tag des Ehrenamts

Am 5. Dezember wird der Internationale Tag des Ehrenamtes begangen. Es ist ein Gedenk- und Aktionstag zur Anerkennung und Förderung ehrenamtlichen Engagements. 1985 wurde er von der UN mit Wirkung ab 1986 beschlossen.

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de


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