Impuls von Abt Johannes Eckert Licht anmachen, ohne Lärm

02.06.2019

Pfingsten zeige sich nicht nur in Sturmesbraus und Feuerzungen, sondern in vielen kleinen Lichtern, die täglich entzündet werden, ist Abt Johannes Eckert überzeugt. Hier erläutert er, warum.

„Wir dürfen dankbar sein, wenn es Christen gelingt, Licht zu machen, ohne zu lärmen“, meint Abt Johannes Eckert.
„Wir dürfen dankbar sein, wenn es Christen gelingt, Licht zu machen, ohne zu lärmen“, meint Abt Johannes Eckert. © IDN – stock.adobe.com

Von Rudolf Bultmann, dem bedeutenden evangelischen Theologen, wird eine schöne Anekdote überliefert. Als einmal sein Kollege Wolfgang Trillhaas bei ihm in Marburg zu Besuch war, war Bultmann nach langen theologischen Gesprächen abends so müde, dass er früh ins Bett gehen wollte. Trillhaas dagegen hatte noch Lust auf einen Stadtbummel. Also gab ihm Bultmann die Wohnungsschlüssel und legte sich ins Bett. Trillhaas dagegen besuchte noch einige Studentenkneipen und kehrte spät abends etwas angeheitert zurück. Als er an der Haustür den Lichtschalter drücken wollte, erwischte er aus Versehen die Klingel. Im oberen Stock ging die Wohnungstür auf und ein schlaftrunkener Bultmann rief das Treppenhaus hinunter: „Sehen Sie, Herr Kollege, so geht es uns Theologen: Wir wollen Licht machen und machen oft nur Lärm!“

Liebevoll aufwecken

Die Anekdote bringt auf den Punkt, was nicht nur für Theologen, sondern für uns Christen generell zutrifft: Wir wollen Licht machen und machen oft nur Lärm! Ursprünglich kommt ja unser Wort „Lärm“ vom italienischen Ruf „all’arme “ – „zu den Waffen“, wenn die Wächter feindliche Truppen sahen und Alarm schlugen. Überraschend durch Lärm aufgeweckt zu werden, kann furchtbar aufschrecken. Wie wohltuend ist es dagegen, wenn wir sanft geweckt werden. Eigentlich ist das ein österliches Motiv, wenn der Auferstandene zum Beispiel Maria von Magdala liebevoll aufweckt, indem er sie am Ostermorgen mit ihrem Namen anspricht. Durch den vertrauten Klang wird es wieder licht in ihrem Leben, nachdem sie die Nacht des Karfreitags durchlitten hatte. Ebenso wird Thomas liebevoll aufgeweckt, indem der Auferstandene ihm seine Wunden zeigt, so dass in dieser Begegnung die Verwundungen des Thomas heilen können.

Auch Petrus erfährt dies am See von Tiberias. Drei Mal stellt ihm Jesus dort die Frage „Liebst du mich?“ und erinnert damit behutsam an die dreimalige Verleugnung durch Petrus in der Nacht im Palast des Hohenpriesters. Ohne Vorwürfe oder Schuldzuweisungen wird Petrus liebevoll von Jesus in seine Freundschaft zurückgeholt, so dass er neu anfangen kann und es Tag wird.

Abt Johannes Eckert ist Abt der Benediktinerabtei St. Bonifaz in München und Andechs.
Abt Johannes Eckert ist Abt der Benediktinerabtei St. Bonifaz in München und Andechs. © privat

Ostern ereignet sich oft geräuschlos

Auch wenn manche Osterlieder etwas triumphalistisch den Sieg über den Tod besingen, liebt der Auferstandene anscheinend die sanfteren und leisen Töne. Das sollte uns nachdenklich stimmen. Wir dürfen dankbar sein, wenn es Christen gelingt, Licht zu machen, ohne zu lärmen. Ostern ereignet sich im Alltäglichen oft geräuschlos, wenn zum Beispiel ein Paar nach einem Streit im Gespräch versucht, die Unstimmigkeiten auszuräumen, oder Freunde in Krisensituationen füreinander da sind. Wenn wir in diesen Tagen vor Pfingsten um die Gaben des Geistes bitten, dann verbinden wir damit den Dank für die vielen Begeisterten, die im Stillen und ohne großes Aufsehen Gottes Geist Raum geben. Pfingsten zeigt sich eben nicht nur in Sturmesbraus und Feuerzungen, sondern in vielen kleinen Lichtern, die täglich entzündet werden. Auch dann wirkt Gottes Geist sanft und liebevoll, aber eben ohne zu lärmen.


Das könnte Sie auch interessieren

Pater Cornelius Bohl ist überzeugt: Der rote Faden, der sich durch das Leben eines Menschen zieht, ist dessen ganz persönliche Berufung.
© zeralein – stock.adobe.com

Impuls von Pater Cornelius Bohl Der rote Faden

Habe ich einen roten Faden in meinem Leben? Gibt es bei mir eine große Richtung, die sich durch alle Höhen und Tiefen durchträgt? Ein Lebensthema, bei dem ich spüre: Ja, das bin genau ich!

16.06.2019

Warum sich nicht die Muße gönnen, mit allen Sinnen einzutauchen in die Herrlichkeit der Schöpfung?
© Maria Sbytova – stock.adobe.com

Impuls von Pater Karl Kern Sorgenfrei sein

Sorgen gehören zum Leben, weiß Pater Karl Kern. Gerade der Wonnemonat Mai lade jedoch ein, etwas von der Freiheit und Gelöstheit des Evangeliums zu spüren – trotz aller Sorgen.

19.05.2019

Gläubige schlössen nicht aus, von Gott überrascht zu werden, meint Max Kronawitter. Sollte seine Wetter-App wieder mal eine hundertprozentige Regenwahrscheinlichkeit prognostizieren, hoffe er daher dennoch, dass die Sonne für einige Augenblicke vom Hi
© adzicnatasa – stock.adobe.com

Impuls von Max Kronawitter Sich von Gott überraschen lassen

Das Leben ist immer für Überraschungen gut, betont Max Kronawitter. Für die Jünger Jesu war der Karfreitag eine Katastrophe. Was keiner für möglich hielt, ereignete sich: Der Tote wurde lebendig.

12.05.2019

Wenn jemand schwer krank ist oder stirbt, können wir oft nichts mehr tun. Aber wir können da sein. Das ist sehr viel.
© Tyler Olson – stock.adobe.com

Impuls von Pater Cornelius Bohl Schön, dass du da bist!

„Ich bin doch da!“, sagt die Mutter zum Kind. „Ich bin da, wenn du mich brauchst!“, ein Freund zum anderen. Das treue Dasein eines Menschen kann das Dasein Jesu bezeugen, meint Pater Cornelius Bohl.

05.05.2019

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren