Mariä Lichtmess Licht – Sehnsucht und Erkenntnis

02.02.2019

Warum haben wir Menschen so eine Schwäche für das Licht? Eine Ursachenforschung zu Mariä Lichtmess aus medizinischer, philosophischer und theologischer Sicht.

Im Winter wird das "Lichttanken" wegen der geringeren Lichtstärke um so wichtiger.
Im Winter wird das "Lichttanken" wegen der geringeren Lichtstärke um so wichtiger. © Ingo Bartussek - stock.adobe.com

In Zeiten der „alternativen Fakten“ scheint es so etwas wie die Wahrheit kaum noch zu geben. Mittlerweile gibt es bestimmt irgendwo einen „alternativen Wissenschaftler“, der in seiner dunklen Höhle sitzt und behauptet, die Welt könne auch gut ohne das Licht der Sonne auskommen. Für den Rest der Menschheit, der frei nach Platons Höhlengleichnis, hinausgetreten ist in das Licht der Erkenntnis, gilt aber: Die Erde (und der Mensch) braucht das Licht zum Überleben.

Aus medizinischer Sicht hat das Licht eine essentielle Funktion für den menschlichen Körper, betont Martin Keck, Direktor der Klinik des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie. Das Licht, das durch das Auge auf die Netzhaut fällt, stimuliere Hirnstrukturen, die als Taktgeber und „Masterclock“ für den Körper fungierten. Die Körpertemperatur, das Schlaf-Wach-Verhalten, die Ausschüttung von Hormonen, aber auch Herzfrequenz und Blutdruck würden darüber gesteuert, so Keck.

Gestörter Rhythmus

Der Wechsel zwischen Tageslicht und Nacht, Anspannung und Entspannung, Aktivität und Ruhe sei für Menschen sehr wichtig. „Wir wissen, dass Schlafentzug auf Dauer krank macht“, erklärt der Klinikdirektor. Verschieben sich diese Rhythmen – etwa durch Schichtarbeit – oder sind sie gestört – wie es bei vollständig blinden Menschen der Fall sein kann – könne dies zu Erkrankungen führen.

Das Licht wirke aber auch in Form von UV-Strahlen auf die Haut. In Form der „explosionsartig zunehmenden Hautkrebserkrankungen“ kann das laut Keck einerseits sehr schädlich sein, andererseits ist die Haut so auch in der Lage „das wirksame Vitamin D zu produzieren, das ja unter anderem für die Muskelkraft, die Knochenstärke und die Knochendichte verantwortlich ist.“

Winterdepression

Wird das Sonnenlicht im Winter weniger und seine Intensität geringer, nehmen sofort depressive Verstimmungen und richtige Depressionen – die sogenannte Winterdepression – zu. „Im Winter haben wir draußen ungefähr 3.500 Lux (das Maß für die Lichtstärke; Anm. d. Red.), an einem schönen Sommertag sind es 100.000 Lux“, betont der Chefarzt. Auch Menschen, die nicht von depressiven Verstimmungen betroffen sind, können im Winter wegen des fehlenden Lichts unter Energiemangel und Konzentrationsstörungen leiden. Abhilfe könnten da sogenannte Lichtlampen mit einer Lichtstärke von rund 10.000 Lux schaffen, deren Licht man sich am besten gleich nach dem Aufstehen aussetzen sollte.

Statue von Platon
Statue von Platon © araelf - stock.adobe.com

Angesichts dieser grundlegenden Bedeutung des Lichts für den Menschen verwundert es nicht, dass das Licht und die Sonne seit jeher als eine Metapher für das Leben selbst gelten. In der Philosophie ist die Licht-Metapher seit der Antike nicht mehr wegzudenken, weiß Isabelle Mandrella. Sie hat an der katholisch-theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München die Professur für Philosophie inne.

"Wir brauchen das Licht, um richtig erkennen zu können"

Gerade der eingangs angesprochene Platon hat viel mit der Licht-Metapher gearbeitet. In seiner Erkenntnistheorie spielt das Licht eine wichtige Rolle. Dabei kämen drei Aspekte zusammen, so Mandrella. „Das Licht ist das, nach dem wir uns sehnen, das Licht brauchen wir, um richtig erkennen zu können und der Wärme des Lichts verdanken wir unsere Existenz.“

Diese Argumentation war laut Mandrella natürlich eine Steilvorlage für christliche Denker, die Quelle des Lichts – also eigentlich die Sonne – mit Gott gleichzusetzen beziehungsweise ein göttliches Wirken dahinter anzunehmen. „Dass Gott die Ursache allen Seins ist, liegt ja schöpfungstheologisch auf der Hand“, erklärt die Philosophin. Der berühmte Kirchenlehrer Augustinus war etwa der Ansicht, dass Erkenntnis der göttlichen Erleuchtung bedarf. Auch die menschliche Vorstellung, dass wir uns das Reich Gottes, das Leben nach dem Tod als „lichtvollen Zustand“ vorstellen, knüpfe daran an.

Nachteule statt Adler

Eine kleine Einschränkung, das war den antiken Philosophen auch schon bewusst, gilt es allerdings doch zu machen: Leider gleiche unser Auge, so hält es Aristoteles fest, nicht dem des Adlers, der direkt in die Sonne blicken kann. Das menschliche Auge sei eher dem der Nachteule oder der Fledermaus ähnlich. Für die Frage der Gotteserkenntnis spielt dieses Faktum laut Isabelle Mandrella natürlich eine wichtige Rolle. „Gott ist demnach zwar das Licht, das immer präsent ist und die Quelle unseres Seins, aber gleichzeitig sind wir Menschen nicht in der Lage dieses Licht direkt zu sehen – der unmittelbare Zugang zu Gott ist uns verbaut.“

Diese Einschränkung müsse aber nicht negativ gesehen werden, sondern stelle auch eine wohltuende und entlastende „Begrenztheit“ dar. Sie verweise auf etwas, das wir zwar nicht unmittelbar sehen können, dessen Präsenz wir aber „als Gewinn wahrnehmen“, betont Mandrella. Ob das nun Gott für einen ist oder einfach nur die Sonne, unterliegt wohl der subjektiven Interpretation.

Lichtempfängliche Wesen

Auf einen Punkt aber können sich Mediziner, Philosophen und Theologen wohl einigen: „Der Mensch ist ein sehr lichtempfängliches Wesen“, wie es Isabelle Mandrella ausdrückt. Egal ob bei der Flucht in die lichtstarke Urlaubssonne, dem Betrachten von kitschigen Sonnenuntergängen auf Instagram oder dem Entzünden einer einfachen Kerze – irgendwann erliegen wir alle der Faszination für die Schönheit des Lichts.

Der Autor
Klaus Schlaug
Online-Redaktion
k.schlaug@st-michaelsbund.de


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