Neuer Gedenktag Lichtstrahlen im KZ Dachau

13.06.2017

In Gedenken an die Seligen Märtyrer von Dachau wurde im Erzbistum München und Freising ein Gottesdienst gefeiert. Das Konzentrationslager war das größte Priestergefängnis in der Geschichte der Christenheit. Die Priester wurden auch als Seelsorger Europas bezeichnet.

Am 12. Juni 2017 wurde zum ersten Mal der Gedenktag "Selige Märtyrer von Dachau" im Erzbistum München und Freising begangen.
Am 12. Juni 2017 wurde zum ersten Mal der Gedenktag "Selige Märtyrer von Dachau" im Erzbistum München und Freising begangen. © Kiderle

München – Als ein Hoffnungszeichen für die Zukunft, dass der Hass niemals die Liebe besiegen könne – so will Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg den neuen Gedenktag „Selige Märtyrer von Dachau“ verstanden wissen. Im gut besuchten Münchner Dom hat er diese diözesane Eigenfeier, die seit heuer am 12. Juni im liturgischen Kalender steht, feierlich gleichsam eingeführt. Schon beim Einzug wurden die Namen der 56 Seligen, darunter viele polnische Priester, verlesen. Sie stünden stellvertretend für die zahllosen Opfer, mahnte Stolberg und rief die 6 Millionen ermordeten Juden sowie die 50 Millionen Kriegsopfer ins Gedächtnis.

Konzentrationslager war größte Pfarrei Europas

Man feiere diesen Gedenktag, weil das Konzentrationslager Dachau auf dem Gebiet des Erzbistums lag und weil Dachau in der Geschichte der Christenheit das größte Priestergefängnis war, das es jemals gab, so der Weihbischof. Er zitierte den KZ-Häftling und Jesuitenpater Johannes Maria Lenz, der das Konzentrationslager die größte Pfarrei Europas nannte: „Priester wurden aus Ihren Seelsorgegebieten herausgerissen und waren nun Seelsorger Europas geworden, Menschen aus 34 Diözesen und 24 Nationen waren hier versammelt.“ Stolberg erinnerte an die 2.579 katholischen Geistlichen, von denen 1.000 das KZ nicht überlebten. Er gedachte aber auch der evangelischen, griechisch-orthodoxen und altkatholischen Priester, der Ordensleute und der Laien. „die dort gequält und erniedrigt wurden“.

„Die Seligen Märtyrer von Dachau machen deutlich, dass diese Zeit nicht nur eine Zeit der Barbarei war, sondern auch eine Zeit, in der es immer wieder Lichtstrahlen gab.“ Der Weihbischof zitierte Überlebende, die von dem selbstlosen Einsatz der Priester und Laien berichteten, die oftmals die eigenen Brotrationen abgetreten und Kranke gepflegt haben.

Die Münchner Dommusik gestaltete den Gottesdienst mit der „Dachauer Messe“, die der Benediktinerpater Gregor Schake 1944 als Häftling im Konzentrationslager komponiert hat. Ein Häftlingschor hat das Werk im September 1944 erstmals gesungen. Heute ist es weitgehend vergessen, die bisweilen düstere Melodie mag auch ein Grund dafür sein.

Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg hat den Gedenkgottesdienst zelebriert.
Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg hat den Gedenkgottesdienst zelebriert. © Kiderle

Erinnerungen pflegen

Man wolle die Erinnerung an diese Menschen pflegen, auch um unserer selbst willen, betonte Sandra Krump, die Leiterin des Ressorts Bildung im Erzbischöflichen Ordinariat. Sie sei sehr dankbar für das Zeugnis dieser Menschen, „die sich nicht gebeugt haben“. Bei der anschließenden Begegnung konnte Sie unter anderem Vertreter der Lagergemeinschaft, die Schwestern des Karmels von Dachau, Vertreter der Stadt Dachau, Mitarbeiter der Gedenkstätte und auch den polnischen Generalkonsul Andrzej Osiak begrüßen. Gekommen war auch die Nichte Karl Leisners, Monika Kaiser-Haas, die eigens aus Münster für den Gottesdienst angereist war. Zahlreiche in Tracht gekleidete Sorben und Vertreter der Ackermanngemeinde verdeutlichten, was Stolberg auch in seiner Predigt betonte: Dass man jetzt diesen Gedenktag feiere, sei keine krampfhafte Bemühung, die Erinnerung wach zu halten. Es sei vielmehr das Resultat, dass viele Menschen anfingen nachzuforschen, welche Geschichten, Menschen und großartige Lebensleitungen hinter den Zahlen der Ermordeten stünden. Das Interesse an den Märtyrern scheine eher zu wachsen denn nachzulassen. Er sehe den jetzt eingeführten Gedenktag als Reaktion darauf.

Eine Einschätzung, die auch Ludwig Schmidinger teilt, der als bischöflicher Beauftragter für die Gedenkstättenseelsorge sogar seinen Dienstsitz auf dem Gelände des einstigen Konzentrationslagers hat: „Der heutige Tag, an dem wir erstmals diesen Gedenktag gefeiert haben, ist ein wichtiger und würdiger Punkt nicht nur um die Erinnerung an die Seligen von Dachau wach zu halten. Es ist ein wichtiger Punkt, um die Botschaft von der grenzenlosen Liebe Gottes wenigstens einmal im Jahr in den Blick zu nehmen.“ (Georg Walser)

Weitere Informationen zu den Seligen Märtyrern aus dem KZ Dachau finden Sie auf der Homepage des Erzbistums München und Freising.

Der Autor
Georg Walser
Online-Redaktion
g.walser@st-michaelsbund.de


Das könnte Sie auch interessieren

Eingangstor der KZ-Gedenkstätte Dachau
© SMB

Nationalsozialismus Fußball im KZ Dachau: Tod und Spiele

Wenn im Konzentrationslager Dachau ab 1942 ein Fußballspiel angepfiffen wurde, begann ein makabres Nebeneinander von Mord und Sport.

09.07.2018

Am 12. Juni wird im Erzbistum München und Freising den Seligen Märtyrern von Dachau gedacht.
© fotolia/Jeanette Dietl

Erzbistum München und Freising Neuer Gedenktag für Selige Märtyrer von Dachau

Am 12. Juni wird es heuer im Erzbistum München und Freising erstmals einen Gedenktag für alle seliggesprochenen Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau geben. Wie es zu der Einführung kam, lesen Sie...

06.06.2017

Engelmar Unzeitig wird als Märtyrer seliggesprochen

Würzburger Priester ist Märtyrer "Engel von Dachau" wird seliggesprochen

Nur wenige Wochen vor Kriegsende starb Engelmar Unzeitig. Der Würzburger Priester war im Konzentrationslager Dachau gefangen und kümmerte sich dort freiwillig um Kranke. Jetzt wird er als Märtyrer...

25.01.2016

12. August Karl Leisner

Seine Priesterweihe gehört zu den spektakulärsten der Kirchengeschichte: im Advent 1944 wird der schwerkranke Karl Leisner im Priesterblock des KZ Dachau in einer geheim gehaltenen Liturgie vom...

12.08.2015

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren