Religiöse Vielfalt Lidl will Produkte ohne Kreuze wieder ändern

06.09.2017

Die Supermarktkette hat auf Verpackungen von griechischen Produkten die Kreuze orthodoxer Kirchen entfernen lassen. Das wurde stark kritisiert. Auch Pfarrer Stephan Fischbacher aus dem Pfarrverband Waakirchen-Schaftlach hat dazu eine klare Meinung.

Durch das Entfernen der Kreuze von Verpackungen hat Lidl einen Shitstorm auf sich gezogen.
Durch das Entfernen der Kreuze von Verpackungen hat Lidl einen Shitstorm auf sich gezogen. © imago

Bonn – Der deutsche Discounter-Konzern Lidl will schnellstmöglich das Design der Produkte mit wegretuschierten Kreuzen ändern. "Es war nie und wird auch nie unsere Absicht sein, mit unseren Produkten oder der Produktgestaltung weltanschauliche Positionen zu vertreten", erklärte Lidl am Mittwoch auf Anfrage. Ob die Änderung ein ganz neues Design oder eine Überarbeitung des retuschierten Fotos bedeutet, ließ das Unternehmen offen. Das Thema werde "nun mit höchster Priorität" behandelt.

Der Konzern ist wegen einer eigenwilligen Verpackungsgestaltung in mehreren europäischen Ländern in die Kritik geraten. Das Unternehmen hatte auf Fotos für das Design griechischer Produkte die Kreuze orthodoxer Kirchen auf der Insel Santorini wegretuschieren lassen. Darüber zeigte sich auch der Prager Kardinal Dominik Duka empört. In einer Stellungnahme kritisierte der katholische Geistliche den "beispiellosen Akt". Kritik äußerten in den Medien auch die katholischen Kirche und die Behörden von Santorini.

Es ist ein Fehler passiert

Es sei Bestandteil der eigenen Handelspolitik, "die religiöse und politische Neutralität einzuhalten", betonte die internationale Supermarkt-Kette zunächst nach ersten kritischen Reaktionen aus Belgien. Mittlerweile hat sich der Konzern nach zunehmender Kritik in den Sozialen Netzwerken entschuldigt: "Keine Frage, hier ist ein Fehler passiert, das tut uns leid", hieß es etwa in einem Beitrag auf der Facebook-Seite von Lidl Österreich: "Wir entschuldigen uns bei allen, die sich durch die Gestaltung verärgert fühlen." Auf dem deutschen Facebook-Auftritt war keine Stellungnahme zu finden. Auch kritische User-Aussagen blieben unkommentiert.

Der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) teilte das Unternehmen nun mit: "Es tut uns leid, wenn wir mit der Produktgestaltung unserer Eigenmarke 'Eridanous' für Unmut bei unseren Kunden gesorgt haben." Im Zuge der letzten Überarbeitung der Produktverpackung sei ein Fehler gemacht worden.

Für die CSU ist es ein Skandal

Kardinal Duka teilte mit, er werde trotz der Entschuldigung einen "bitteren Beigeschmack nicht los". Er wisse, "dass gerade in Griechenland, wo die absolute Mehrheit der Bevölkerung praktizierende orthodoxe Christen sind, etwas Derartiges eine kulturlose und barbarische Handlung" sei. Es gehe zwar "nur" um die Verfälschung von Fotografien, aber es sei zu befürchten, "dass es demnächst zur Entfernung wirklicher Kreuze auch aus Kirchen kommen könnte".

Auch Pfarrer Stephan Fischbacher aus dem Pfarrverband Waakirchen-Schaftlach hat sich bei facebook in die Diskussion eingemischt. So schrieb er: „Was Lidl macht ist abzulehnen. Ganz klar. Was ist der Hintergrund: offensichtlich möchte es sich der Konzern mit Kundschaft nicht verderben, für die das christliche Kreuz eine Torheit und ein Ärgernis ist, wie es schon der Apostel Paulus formuliert hat. Fehlt es an Toleranz in unsrer Gesellschaft, dass religiöse Symbole versteckt werden müssen?“

Die Münchner evangelische Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler kündigte am Dienstag wegen der wegretuschierten Kreuze an, nicht mehr bei dem Discounter einkaufen zu wollen. Auf Twitter schrieb sie wörtlich: "#Lidl hat auf griechischen Produkten Kreuze wegretouchieren lassen: 'Respekt vor religiöser Vielfalt'. Aus Respekt gehe ich da nicht mehr hin."

Die CSU sprach sogar von Skandal. "Unsere Haltung ist klar: Wir bekennen uns zur christlichen Prägung Europas. Das Wegretuschieren von Kreuzen auf Verpackungen ist ein Skandal", hieß es auf Twitter. (KNA)


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