Freiwilligendienste Liebe ohne Grenzen

21.11.2019

Lilli Meyer-Berg war als Volunteer Don Boscos in Indien. Was sie dort mit den Straßenkindern erlebte, hat sie nachhaltig geprägt.

Lilli Meyer-Berg im traditionellen Sari und Henna-Bemalung auf den Händen. © privat

München - „Noch einmal ein Abenteuer erleben, bevor der Ernst des Lebens losgeht“. So denken viele Abiturienten, die nicht sofort ins Studium oder in eine Ausbildung starten möchten. Möglichkeiten, so ein Abenteuer auch sinnvoll zu gestalten, gibt es viele. Lilli Meyer-Berg hatte sich nach erfolgreich bestandenem G8-Abitur im Herbst 2018 entschieden, für ein Jahr als Don Bosco Volunteer nach Indien zu gehen. Die Einsatzregion der Münchnerin war der Bundesstaat Kerala im Südwesten des Landes. Hier kümmerte sie sich in Einrichtungen der Salesianer Don Boscos um minderjährige Buben, die ihre Eltern verloren hatten oder nicht bei ihrer Familie leben konnten. Ihre Aufgabe war es, die „große Schwester“ zu sein. Das bedeutete vor allem: die Kinder zur Schule bringen, Hausaufgaben machen, über den Tag reden und natürlich „ganz viel spielen“.

Schwieriger Umgang mit Lebensgeschichten der Buben

Alles kein Problem – wenn da nicht die Sprache gewesen wäre. Die meisten Jungs sprechen dort nur gebrochen Englisch, und in die südindische Sprache Telugu musste sich die 18-Jährige erst hineinfinden. Aber auch das war irgendwann geschafft. Der Kontakt zu ihren Schützlingen wurde enger und sie erfuhr, was die Kleinen schon alles durchgemacht hatten. Da war zum Beispiel jener Bub, der im Alter von fünf Jahren seine Eltern verloren hatte. Niemand kümmerte sich um ihn, er musste auf der Straße leben und sich von Tag zu Tag durchschlagen, erzählt Lilli. Drei Jahre habe er so gelebt, bis ihn das Kinderheim der Salesianer Don Boscos von der Straße weggeholt hätte.

Lilli gibt und bekommt auch viel zurück

Auch Monate nach ihrer Rückkehr merkt man Lilli noch an, dass solche Geschichten sie für einen kurzen Moment aus der Bahn werfen. Dann aber besinnt sie sich und berichtet, wie die Buben sich verändert hätten, wenn man sich um sie kümmerte. Kinder, die sich zurückgezogen hatten, umarmten plötzlich die anderen, lachten und hatten wieder Interesse am Unterricht. „Das ist einfach eine schöne Sache, wenn man ein bisschen Liebe in die Welt hinausschmeißt und merkt, dass dadurch so viel blühen, wachsen und gedeihen kann“. Aber nicht nur emotional hat Lilli viel von den Kindern zurückbekommen. Dass sie sich nach wenigen Wochen auf Telugu verständigen konnte, hat sie allein den Kindern zu verdanken. Wenn ein Ausländer erst einmal jedes Wort falsch ausspreche, merkten die Kinder: „Ich kann dem etwas bieten, indem ich ihm meine Sprache beibringe“.

Die positiven Erfahrungen mit den Kindern haben Lilli den Abschied schwergemacht. Sie plant schon ihre Rückkehr. Denn als Studentin hat sie nun lange Semesterferien und kann als ehemalige Freiwillige für drei Monate wieder bei ihren indischen Buben sein, die ihr ans Herz gewachsen sind.

Audio

Lilli spricht über ihre Zeit in Indien

Münchner Kirchenradio

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de


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