Lieder zwischen Himmel und Erde Liebessehnsucht, Passion und Peanuts

05.04.2020

Volksmusikerin Monika Drasch hat eine musikalische Verbindung zwischen der Leidensgeschichte Jesu Christi, Ludwig van Beethoven und der Zeichentrickserie "Peanuts" gefunden.

Monika Drasch
In Monika Draschs Podcast Lieder zwischen Himmel und Erde geht es um Kirchenlieder im kirchlichen Jahreskreis. © MKR

Ein bisschen Passion, ein bisschen Leiden ist es jedes mal, wenn Lucy dem armen Charlie Brown wieder den Football unter den Füßen wegzieht. Die Szene steht stellvertretend dafür, wie das Unvermeidliche trotzdem oft mit der Hoffnung, das Unheil zu verhindern, verbunden ist. Ähnlich ist es auch im Lied "In der ganzen Stadt da brennet kein Licht". Es wird eine Stadt besungen, in der es zwar dunkel ist, aber beim Zimmermann, Schmied und Blumenbinder noch Licht brennt. Hier werden das Kreuz, die Nägel und die Dornenkrone für Jesus angefertigt. Himmlische Stimmen versuchen noch die Handwerker von ihrer Arbeit abzubringen - die Passion Christi scheint noch vermeidbar - doch verhindern lässt sich das Unheil letztlich doch nicht mehr.

Einen Zusammenhang zwischen den Peanuts und der Passion herzustellen, scheint weit hergeholt, aber Monika Drasch zeigt in der neuen Folge ihres Podcasts "Lieder zwischen Himmel und Erde", dass sich zumindest musikalisch eine Brücke schlagen lässt: Die Titelmusik der Peanuts klingt verdächtig nach der Melodie des alten Volkslieds "In der ganzen Stadt da brennet kein Licht". Dass sich die Peanuts von diesem Lied inspirieren ließen, ist aber eher unwahrscheinlich. Es stammt von der bayerischen Sprachinsel Gottschee im heutigen Slowenien, wo es bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts deutschsprachige Gemeinden gab. Die hatten sich dort bereits im 14. Jahrhundert angesiedelt und pflegten ihre frühbayerischen Dialekte. Zwar siedelten nach dem Zweiten Weltkrieg Teile der Bevölkerung Gottschees in die USA über, ob darin aber auch die Ursprünge der Peanuts-Melodie liegen, ist zweifelhaft.

Drasch begegnete der Melodie aber auch noch an anderer Stelle: Im 1816 erschienenen Liederzyklus "An die ferne Geliebte" von Ludwig van Beethoven. Hier beginnt das zweite Lied des Zyklus ebenfalls mit dieser Melodie. Drasch hält es auch tatsächlich für möglich, dass Beethoven das Passionslied aus Gotschee kannte. Besonders faszienierend ist für sie die Gegenüberstellung von Liebessehnsucht und Passion, die sich daraus ergibt. Auch hier lässt sich außerdem noch einmal ein Zusammenhang zu den Peanuts herstellen. Denn immerhin ist Schroeder, Charlie Browns klavierspielender Baseballkumpan, ein leidenschaftlicher Beethovenverehrer.

Die neueste Folge von Monika Draschs Podcast "Lieder zwischen Himmel und Erde" gibt es ab dem 5. April in der MKR-Mediathek und überall, wo es Podcasts gibt.

Podcast-Tipp

Monika Drasch - Lieder zwischen Himmel und Erde Alpenrock-Fans kennen sie als die Frau mit der Grünen Geige. Aber Monika Drasch kann auch anders: Jeden Monat stellt sie ein Lied vor, das sich um das Kirchenjahr dreht - mal augenzwinkernd, mal frech aber immer zum Seufzen schön. > zur Sendung

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