Seenotretter dankt Kardinal Marx Lifeline-Kapitän Reisch: "Am liebsten unter vatikanischer Flagge"

09.12.2018

Kardinal Marx habe mit seiner 50.000 Euro-Spende ein starkes Zeichen gesetzt, dass es mit dem Sterben auf dem Mittelmeer so nicht weitergehen dürfe, betont Kapitän Claus-Peter Reisch im Gespräch mit dem Münchner Kirchenradio.

Lifeline-Kapitän Claus-Peter Reisch
Lifeline-Kapitän Claus-Peter Reisch © SMB

München – Der Kapitän des Seenotrettungsschiffes „Lifeline“, Claus-Peter Reisch, dankt im Münchner Kirchenradio (MKR) Kardinal Reinhard Marx für seine Spende von 50.000 Euro. Nicht nur das Geld helfe weiter, so Reisch. Marx habe damit auch ein unheimlich starkes Zeichen gesetzt, dass es mit dem Sterben auf dem Mittelmeer so nicht weitergehen dürfe. „Dieses Geld kam nicht von irgendjemandem, sondern aus den Reihen der katholischen Kirche und die katholische Kirche ist einfach eine moralische Instanz.“

Auch wenn seine Crew nicht aus den klassischen Kirchgängern bestünde, sei er doch der Meinung, dass die Besatzung christlich handele, wenn sie Menschenleben rettet. Er betont, dass niemand dafür Geld bekomme und alle an Bord ehrenamtlich arbeiteten.

Kosten für Schiffsunterhalt

Zu viel Geld hat die „Mission Lifeline“ dennoch nicht. Auch wenn das Schiff im Hafen liegt, fallen Hafengebühren und Kosten für den Unterhalt des Schiffes an. Um weiter Menschen vor dem Ertrinken retten zu können, hat die NGO jetzt zwei Sportsegelboote gekauft. „180 Rettungswesten, Rettungsinseln, medizinisches Notfallequipment, Versicherungen - das kostet alles Geld“, erklärt der Kapitän.

Auch personelle Unterstützung wird noch gebraucht: Menschen, die einen höherwertigen Sportsegelschein haben (also keine Anfänger), Menschen, die einen Sportküstenschifferschein haben, Krankenschwestern und -pfleger, Ärzte, IT-Techniker, oder Elektriker können der „Mission Lifeline“ helfen.

Unter vatikanischer Flagge?

Und Claus-Peter Reisch hat einen Traum: Da er bezweifelt, dass er jemals wieder unter niederländischer Flagge rausfahren darf, sucht er nun nach einem Staat, unter dessen Flagge er Menschen retten darf. Als er und sein erster Offizier auf Malta festsaßen und überlegt haben, wie es weitergehen könne, sind sie darauf gekommen, dass es ein vatikanisches Schifffahrtsregister gibt. „Das gibt’s seit den 1950er Jahren, aus einer Palästina-Krise raus ist das initiiert worden, man hat dann aber in diesem Schifffahrtsregister kein Schiff registriert, bis heute nicht. Es gibt sogar Durchführungsbestimmungen“, berichtet der Kapitän.

Inzwischen hat er sogar schon beim Nuntius in Rom angefragt, allerdings wurde seine Bitte abgelehnt, „weil das Schiff keine tatsächliche Beziehung zum Vatikanstaat hat und dieser die eigene Zuständigkeit über das Schiff nicht ausüben kann. Der Vatikanstaat kann zudem nicht die Immunität von Besatzung und Passagieren gewährleisten“, heißt es im Antwortschreiben.

"Wir würden alles tun"

Doch der gebürtige Münchner gibt nicht auf. In der Sendung „Hauptsache Mensch“ im Münchner Kirchenradio erklärt er: „Ich denke es wäre ein ganz starkes Zeichen der Kirche, zu zeigen: wir unterstützen diese humanitären Einsätze. Dass Kirche nicht mit einem eigenen Schiff rausfährt, ist ganz klar. Aber wir würden das gerne tun. Wir nehmen auch gerne jemanden aus der Kirche oder aus dem Vatikan mit auf´s Schiff, um zu zeigen, dass wir redlich handeln. Wir würden alles tun, was nötig ist, um diese Flagge führen zu dürfen. Ich komme auch gerne nach Rom, um mit Verantwortlichen zu sprechen.“ Ihm sei klar, dass das ein Politikum sei, angesichts der Tatsache, „dass der Vatikan-Staat nun mal dummerweise in Rom liegt, also in Italien, wo man nicht so auf Seenotrettung steht und die Regierung grad ziemlich rechts angehaucht ist und die Menschen lieber – sagen wir es doch auf gut bayrisch – auf See ersaufen lassen würde.“

Er habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass er doch noch in den Vatikan kommen dürfe, um sein Anliegen zu schildern und nach einer Lösung zu suchen. „Wo ein Wille ist, ist ein Weg,“ stellt er fest und erinnert daran, dass auch Jesus ein Flüchtlingskind gewesen sei. „Wir von der Mission Lifeline und auch die anderen Seenotretter und die Besatzungen der Schiffe würden von Herzen gerne weitermachen und den christlichen Auftrag erfüllen, den Menschen wenigsten das Leben zu bewahren", so Reisch. Was für ein Zeichen würde das setzen, wenn er das unter der Flagge des Vatikans machen könnte.

Spendenkonto von Mission Lifeline

MISSION LIFELINE e.V.
IBAN: DE85 8509 0000 2852 2610 08
BIC: GENODEF1DRS
Volksbank Dresden e.G.

Claus-Peter Reisch war zu Gast in der Sendung "Hauptsache Mensch" des Münchner Kirchenradios. Hier geht es zum Podcast.

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Die Autorin
Brigitte Strauß-Richters
Radio-Redaktion
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