Neue Studie Lösungen für eine nachhaltigere Gesellschaft

20.04.2018

Wie ist das päpstlichen Schreibens Laudato si` mit den Zielen der heutigen Gesellschaft vereinbar? Wie ist ein Strukturwandel möglich? Damit hat sich eine neue Studie der Deutschen Bischofskonferenz auseinandergesetzt. In München wurde sie nun vorgestellt.

Was kann getan werden, um die Umwelt zu schützen?
Was kann getan werden, um die Umwelt zu schützen? © AdobeStock/denisismagilov

München ? Etwas mehr als 90 Seiten umfasst die Studie „Raus aus der Wachstumsgesellschaft?“ der Sachverständigengruppe „Weltwirtschaft und Sozialethik“. Dabei orientiert sich das Papier an Papst Franziskus‘ Enzyklika Laudato si‘ aus dem Jahr 2015 und überprüft, inwiefern das Schreiben mit den Zielen unserer heutigen Gesellschaft zu vereinbaren ist und wie ein Strukturwandel möglich sein könnte. Die Studie wurde in Auftrag gegeben von der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz. Ihr Vorsitzender, Erzbischof Ludwig Schick, hält die Diskussion für dringend notwendig: „Je länger wir warten, umso schwieriger wird die Bewältigung der Auswirkungen des Klimawandels.“ Er befürchtet, dass sich in einige Regionen, wo es zunehmend heißer und trockener wird, die Lebensbedingungen der Armen verschlechtern werden. In der Folge werde die Ungleichheit der Vermögens- und Chancenverteilung zunehmen. Ein „Weiter so“ wäre fatal, sagt Erzbischof Ludwig Schick bei der Vorstellung der Studie an der Hochschule für Philosophie München.

Bewusstes Wachsen

In der Studie geht es aber nicht nur darum, den Ist-Zustand und mögliche Folgen darzustellen. Das Expertenteam unter Leitung von Johannes Wallacher versucht Lösungen für eine nachhaltigere Gesellschaft zu liefern. Ein Verzicht auf Wachstum sei dafür nicht nötig. Der Präsident der Hochschule für Philosophie München glaubt sogar, dass man den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß besser reduzieren könnte in einer dynamischeren und innovativeren Wirtschaft als in einer schrumpfenden und stagnierenden Wirtschaft. Es müsse aber Ordnungsstrukturen geben, wie schrittweise anzuhebende Energiestandards und die Besteuerung der Emissionen. Große Staaten und auch Zusammenschlüsse wie die Europäische Union müssten sich auf einen CO2-Preis einigen und eine Vorreiter-Rolle einnehmen, dem sich andere Länder anschließen.

Das Denken muss sich ändern

Papst Franziskus hat 2015 davon geschrieben, dass Genügsamkeit, die unbefangen und bewusst gelebt wird, befreiend ist. Die Studie der Sachverständigengruppe um Johannes Wallacher greift auch das auf. Sie fordert einen Kultur-, Bewusstseins- und Wertewandel: Weniger Fleisch essen, nachhaltige und fair gehandelte Produkte kaufen und ressourcenschonend leben. Um die Bürger dafür zu sensibilisieren, solle die Politik Anreize bieten, wie z.B. einen gut ausgebauten Öffentlichen Nahverkehr, eine attraktivere Gestaltung des öffentlichen Raums und strengere Kennzeichnungspflichten bei Lebensmitteln.

Dankbarkeit für das gemeinsame Haus

Die Studie wendet sich im letzten Kapitel an die katholische Kirche. Ihr wird die Verantwortung zuteil, mit gutem Beispiel voranzugehen und sich aktiv am Strukturwandel zu beteiligen: als Arbeitgeber mit fairen Bedingungen und ökologischem Wirtschaften so wie auch als Bildungsinstanz, die Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ein nachhaltiges und bewusstes Wachstum näherbringen soll. Denn wir sollten dankbar sein für das Geschenk unseres Daseins, für das Geschenk der Mitmenschen und für das Geschenk der ganzen Schöpfung, sagt Erzbischof Ludwig Schick.

Ausführlichere Informationen zu der Studie finden Sie auf der offiziellen Seite der Deutschen Bischofskonferenz

Der Autor
Ralph Würschinger
Radio-Redaktion
r.würschinger@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Umweltschutz

Das könnte Sie auch interessieren

Blick auf die Erde
© AdobeStock/Jürgen Fälchle

Umweltschutz Dritter Weltkrieg gegen die Natur

Zunehmende Naturkatastrophen, weniger fruchtbare Böden, weltweiter Wassermangel…sind wir noch zu retten?

14.04.2018

© imago

Schöpfungsverantwortung beim Essen Superfood aus Bayern

Lässt sich der Ernährungstrend zu vitaminreichem Superfood versöhnen mit der umweltschonenden Maxime möglichst aus der Region zu kaufen?

11.04.2018

Papst Franziskus: "Diese Wirtschaft tötet"
© AdobeStock/exopixel

Neue Studie der Deutschen Bischofskonferenz Wirtschaftswachstum – Segen oder Fluch?

Eine Expertenkommission der Deutschen Bischöfe hat die Wirtschaftskritik von Papst Franziskus aufgegriffen und konkrete Reformvorschläge erarbeitet. Die Studie wird in München vorgestellt.

10.04.2018

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren