Korbiniansfest 2017 Mache Dich auf und werde Licht

25.11.2017

Viele Gläubige aus dem In- und Ausland begleiteten den Schrein des heiligen Korbinian bei dessen Rückführung in den Freisinger Dom. Ein stimmungsvolles Szenario für einen Mann, dessen Wirken ganz Europa beeinflusst hat.

Freising - Aufstellung im Spalier der Größe nach in Zweierreihen, genug Sicherheitsabstand für die Fackeln halten, Kreuze an den Beginn der Prozession platzieren: letzte Absprachen zwischen den unzähligen Ministranten und Ministrantinnen, die aus allen Freisinger Pfarreien zur Heilig-Geist-Kirche kamen. Weihrauchschwenkend warteten sie in der Dunkelheit vor der überfüllten Kirche darauf, den Schrein des heiligen Korbinian gemeinsam mit den vielen Gläubigen wieder in den Freisinger Dom zu bringen. In der Kirche gaben Geistliche und Gläubige unter den Klängen von „Mache Dich auf und werde Licht“ das Kerzenlicht weiter. Währenddessen wurden Kerzen verschenkt, getauscht und weitergegeben, so dass ein riesiges Lichtermeer schließlich den goldenen Schrein des heiligen Korbinian auf dem Weg den Domberg entlang erleuchtete und nach oben geleitete.

Beten und schweigen im Kerzenschein

„Mit dieser Prozession wird die Übertragung der Gebeine des heiligen Korbinian nach Freising nachempfunden, der zunächst auf eigenen Wunsch in Mais in Südtirol begraben wurde“, erklärt Andreas Huber, Organisator des Korbiniansfestes und Hauptabteilungsleiter Protokoll, Gast- und Veranstaltungsmanagement im Erzbischöflichen Ordinariat München. Die Resonanz auf die Lichterprozession und die Vesper sei in diesem Jahr überwältigend. „Die Prozession war sehr bewegend, sie hat einen spirituellen aber auch volksfrömmigen Charakter. Die Masse an Menschen geht mit dem Schrein, mit Fackeln und Kerzenschein hinauf, um gemeinsam zu beten, zu schweigen und zu singen. Es war schön zu spüren, dass man gemeinsam unterwegs ist“, so Flughafenseelsorger Franz Kohlhuber. Außerdem wurden Erinnerungen an den Papstbesuch von Johannes Paul II. wach: Gemeinsam mit anderen Ministranten habe der frühere Domministrant Kohlhuber damals den Schrein nach unten getragen, von wo aus er mit dem Auto nach St. Paul in München gebracht worden sei. Der Freisinger Pastoralreferent Andreas Fußeder betonte, wie sehr die Prozession zu Herzen ginge. Dass der Abend in ökumenischer Tradition stehe, sei seiner Meinung nach sehr positiv.

Gäste aus der Diözese Evry

In der Kirche angekommen ruhte der Schrein des heiligen Korbinian inmitten der Altarstufen und versinnbildlichte damit auch die Verbundenheit durch die ganze Erzdiözese hindurch: So waren auch Gläubige aus München, Landshut und dem Voralpengebiet gekommen, um sich um den Schrein zu versammeln. Aber auch von jenseits der Landesgrenzen hatten sich von überall dort, wo Korbinian gewirkt hatte, Gäste nach Freising aufgemacht: unter anderem Innichner aus Italien, Obervellacher und Waidhofener aus Österreich und Skofja Lokaer aus Slowenien. Eine besonders große Gruppe von Gläubigen kam in diesem Jahr aus der französischen Diözese Evry, die von ihrem Bischof Michel Pansard begleitet wurde. Zur Diözese gehört die Stadt Arpajon, der Geburtsort Korbinians.

So bildete denn auch das Leben des heiligen Korbinian den Mittelpunkt des Gottesdienstes. Zweimal ist Korbinian nach Rom zum Papst gepilgert. Da er auf der Suche nach Stille war, wollte er ein Kloster in der Einsamkeit gründen, um dort zu beten, die Heilige Schrift zu lesen und zu predigen. Der Papst hat der Bitte allerdings nicht entsprochen und Korbinian als Seelsorger zu den Menschen geschickt.

Im Anschluss an die Vesper traf sich ein Teil der Gottesdienstbesucher zum Begegnungs- und Kulturabend im Freisinger Domgymnasium, in dem alle Fahnen der Freisinger Partnerstädte zwischen Friedenstauben aufgehängt waren. „Freising ist ein besonderer Ort, das wird an einem solchen Abend sehr erfahrbar“, begrüßte Kardinal Reinhard Marx alle Gäste. Freising habe eine große Geschichte, aber auch eine herausfordernde Gegenwart, der man sich stellen müsse. „Was der heilige Korbinian damals gemacht hat, war kein Provinzgeschehen, es hat ganz Bayern und Europa beeinflusst“, erläuterte der Kardinal. Daher stehe Freising auch für die große Geschichte Europas. (Alexa Glawogger-Feucht)


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