Lieder im Advent „Macht hoch die Tür“ hat Wiedererkennungswert

13.12.2019

Wenn die Meldodie erklingt, haben die meisten auch gleich den Text dieses Weihnachtsklassikers im Ohr. Entstanden ist das Lied zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges. Im Text ist die Katastrophenzeit deutlich zu spüren.

Darstellung einer Krippe
Darstellung einer Krippe © picture10 - stock.adobe.com

Es ist das wahrscheinlich populärste Adventslied der Deutschen: „Macht hoch die Tür“. Es wird in den meisten evangelischen und katholischen Gottesdiensten am ersten Advent als erstes Lied gesungen und läutet somit die Zeit der Vorbereitung auf Weihnachten ein. In kaum einem anderen Kirchenlied der Vorweihnachtszeit scheint so viel Hoffnung zu stecken wie in „Macht hoch die Tür“. Die Sehnsucht nach Frieden kommt in diesem Adventslied besonders stark zum Ausdruck, denn es stammt aus einer Zeit, in der es für die meisten Menschen keinerlei Sicherheiten gab. Als der evangelische Pfarrer Georg Weißel den Text für „Macht hoch die Tür“ dichtet, beginnt in Europa gerade die Katastrophe des 17. Jahrhunderts: der Dreißigjährige Krieg. Weite Teile der Bevölkerung sterben, und wer überlebt, hat mit Seuchen und Hungersnöten zu kämpfen. Pfarrer Weißel kümmert sich um die Notleidenden. Ihren Hilfeschrei bringt er in der zweiten Strophe im Liedvers „All unsre Not zum End er bringt“ zum Ausdruck.

Ulrich Knörr © ELKB/McKee

Königsberger Dompforte als Inspiration

Seine Entstehung hat das berühmte Adventslied wohl einem Zufall zu verdanken, erklärt Landeskirchenmusikdirektor Ulrich Knörr. Weißel soll in Königsberg von einem Schneesturm überrascht worden sein. Der Mesner des Doms soll ihn schon weitem gesehen haben und hat die Tore der Kirche aufgemacht mit den Worten: „Wenn der Herr seine Tore im Advent öffnet, dann mache ich jetzt meine auch auf. Kommen Sie rein“. Woraufhin Weißel sagte: „Er hat mir eben eine ausgezeichnete Predigt gehalten“. Das Erlebnis sei wie eine Initialzündung gewesen, Weißel sollen dabei sofort die ersten Verse in Anlehnung an Psalm 24 eingefallen sein: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit.“ Den Rest dichtet der Theologe dann zuhause immer mit Blick auf den Psalm, in dem das Kommen des Königs der Herrlichkeit angekündigt wird. Ihm sollen die Gläubigen ihre Herzenstüren im Advent öffnen, wie es in der letzten Strophe heißt.

Unverwechselbare Melodie

Dass heute alle Christen „Macht hoch die Tür“ gerne singen, liege auch daran, dass das Lied musikalisch einen hohen Wiedererkennungswert habe, so Knörr. „In keinem anderen Lied taucht die Melodie wieder auf. Sie hat durch den Sechs-Viertel-Takt etwas sehr Schwingendes. Die Tonart Es-Dur ist sehr feierlich und festlich. Ich glaube, das ist ein großer Wurf, dass Text und Musik so gut zusammenpassen, dass einem kein anderer Text mehr einfällt, wenn man die Melodie hört, dann ist es auch ganz fest damit verbunden“.

Macht hoch die Tür GL 218
Macht hoch die Tür, die Tor macht weit;
Es kommt der Herr der Herrlichkeit,
Ein König aller Königreich,
Ein Heiland aller Welt zugleich,
Der Heil und Leben mit sich bringt;
Derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
Mein Schöpfer reich von Rat.
Er ist gerecht, ein Helfer wert;
Sanftmütigkeit ist sein Gefährt,
Sein Königskron ist Heiligkeit,
Sein Zepter ist Barmherzigkeit;
All unsre Not zum End er bringt,
Derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
Mein Heiland groß von Tat.
O wohl dem Land, o wohl der Stadt,
So diesen König bei sich hat.
Wohl allen Herzen insgemein,
Da dieser König ziehet ein.
Er ist die rechte Freudensonn,
Bringt mit sich lauter Freud und Wonn.
Gelobet sei mein Gott,
Mein Tröster früh und spat.
Macht hoch die Tür, die Tor macht weit,
Eu'r Herz zum Tempel zubereit'.
Die Zweiglein der Gottseligkeit
Steckt auf mit Andacht, Lust und Freud;
So kommt der König auch zu euch,
Ja, Heil und Leben mit zugleich.
Gelobet sei mein Gott,
Voll Rat, voll Tat, voll Gnad.
Komm, o mein Heiland Jesu Christ,
Meins Herzens Tür dir offen ist.
Ach zieh mit deiner Gnade ein;
Dein Freundlichkeit auch uns erschein.
Dein Heilger Geist uns führ und leit
Den Weg zur ewgen Seligkeit.
Dem Namen dein, o Herr,
Sei ewig Preis und Ehr.

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Advent & Weihnachten

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