Initiative für Kirchenstreik Machtstrukturen neu denken und ordnen

13.05.2019

Die Initiative "Maria 2.0" fordert Frauen auf für Gleichberechtigung zu streiken. Das sollte niemand als billigen Protest abtun.

Kein Kirchensteik, aber Protest auch in München: Demonstration für das Diakonat der Frau, beim bundesweiten Diakonentreffen in Schloss Fürstenried.
Kein Kirchensteik, aber Protest auch in München: Demonstration für das Diakonat der Frau, beim bundesweiten Diakonentreffen in Schloss Fürstenried. © Kiderle

Als ich am Sonntagmorgen in München die Messe besucht habe, war alles wie immer. Wir waren keine sehr große Gemeinde und über die Hälfte bestand aus Frauen. Vom Kirchenstreik war nichts zu spüren, zu dem die Gruppe "Maria 2.0" aufgerufen hat. Alle kirchlich engagierten Frauen sollen sich in dieser Woche während der Gottesdienste demonstrativ vor der Kirche versammeln und außerdem ihre Ehrenämter ruhen lassen. Um zu zeigen was fehlt, wenn die Frauen nicht mehr mitmachen.

Die Initiative geht von einer Gruppe in Münster aus, die gleiche Rechte für Männer und Frauen in der Kirche fordert. Man kann das jetzt leicht als hysterischen Protest abtun, der immer noch nicht kapiert hat, dass in der katholischen Kirche Frauen keine Priester werden können. Wer so reagiert, gibt gleich zwei extremen und festgefahrenen Lagern Recht: Den einen, die sagen: die Kirche ist veraltet und erstarrt, das wird so bleiben und die Institution allmählich verdämmern. Und den anderen, die meinen: Die Kirche, so wie sie sich in den vergangenen Jahrhunderten entwickelt hat, ist ein perfekter Endzustand. An ihm darf sich nichts ändern, wenn die Katholiken nicht dem Zeitgeist hinterherrennen, bedeutungslos und beliebig werden wollen.

"Maria 2.0" verdient aber eine gediegenere Auseinandersetzung: Wer keine Frauen am Altar sehen will, die über Brot und Wein die Einsetzungsworte sprechen, muss das Priesteramt klarer von der Macht trennen.

Frauen verlangen Entscheidungsgewalt

Denn das ist der Kern des Protestes: Frauen in der Kirche fordern Anteil an der Entscheidungsgewalt. Und die liegt nun einmal nahezu ausschließlich in den Händen geweihter Männer. Das ließe sich ändern: Die Kardinalswürde zum Beispiel ist nicht zwangsläufig mit der Priesterweihe verknüpft. Und wiederholt haben Theologen vorgeschlagen, sie auch an Frauen zu vergeben, so wie sie einst nicht geweihten Männer verliehen wurde. Damit stünden Frauen neue und hohe Leitungsämter offen. Der nun vorgeschlagene „Synodale Weg“ für Reformen innerhalb der katholischen Kirche Deutschlands könnte Frauen ebenfalls gleichberechtigte Verantwortung übertragen. Etwa mit einer Quote: Es spricht nichts dagegen, die Entscheidungsgremien zur Hälfte mit Frauen zu besetzen.

Priesteramt ist kein Chefposten

Mit solchen Zugeständnissen ließe sich dann auch das Traditionsargument neu diskutieren, dass Jesus nur Männer zu Aposteln erwählt und damit die Priesterweihe nur Männern vorbehalten hat. Dieses Argument hätte dann nicht mehr das Gschmackerl, dass es nur deswegen immer wiederholt wird, um Machtstrukturen zu zementieren. Das Priesteramt könnte wieder als Dienstamt und nicht als Chefposten begriffen werden und die oft erbitterte ideologische Frontstellung aufbrechen.

"Maria 2.0" fordert heraus, kirchliche Machtfragen neu zu denken und neu zu ordnen. Dass die Initiative im Erzbistum München und Freising bisher nur geringen Widerhall gefunden hat, könnte damit zusammenhängen, dass hier schon seit längerem erste Veränderungen im Gang sind. Die Hälfte der Ordinatsräte sind hier bereits Ordinariatsrätinnen. Und es soll weitergehen: Die Kompetenzen des Generalvikars werden in Zukunft aufgeteilt. Ein nicht geweihter Amtschef oder eine Amtschefin übernehmen Teile seiner Entscheidungsgewalt. Das mag manchem nicht genügen, es zeigt aber: Veränderungen und mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche sind möglich. Wer kann es der Hälfte der Gläubigen und der Initiative "Maria 2.0" übelnehmen, dass sie die verlangen.

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Zum Nachhören

Kommentar zum Frauenkirchenstreik im Münchner Kirchenradio

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Frauen und Kirche

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