Papst ernennt 13 neue Kardinäle Männer seiner Wahl

26.10.2020

Das Kardinalskollegium bekommt Zuwachs - neun Papstwähler und vier verdiente Kirchenmänner. Das Gremium, das einmal das nächste Kirchenoberhaupt wählt, trägt immer mehr das Profil von Franziskus.

Kardinäle bei einem Gottesdienst
13 Geistliche erhalten am Vorabend des ersten Advent aus der Hand des Papstes das purpurne Birett. © eom

Vatikanstadt - Papst Franziskus hat die Ernennung neuer Kardinäle angekündigt: 13 Geistliche erhalten am Vorabend des ersten Advent aus seiner Hand das purpurne Birett - das teilte er am Sonntag vom Fenster des Apostolischen Palastes aus zwischen dem Mittagsgebet und dem üblichen Wunsch "Guten Appetit" mit. Die Auswahl zeigt einmal mehr das Profil von Franziskus, der in dem vornehmen Kollegium eher Repräsentanten sozialer und kirchenpolitischer Handlungsfelder denn Inhaber traditionsreicher Bischofssitze vertreten sehen will.

Eine Nominierung war fällig: Der Kreis jener Kardinäle, die jünger als 80 Jahre sind und damit an einer Papstwahl teilnehmen dürfen, ist aktuell auf die Richtzahl von 120 gesunken. Bis März scheiden drei weitere aus, angefangen mit dem emeritierten Washingtoner Erzbischof Donald Wuerl am 12. November.

Posten, die Kardinalstitel nach sich ziehen

Vier der Kandidaten passen in das klassische Schema, nach dem bestimmte Posten den Kardinalstitel nach sich ziehen: Das gilt für den erst Mitte Oktober ernannten Präfekten der Heiligsprechungskongregation, Marcello Semeraro (73), ebenso wie für Mario Grech (63), der Mitte September als Generalsekretär der Bischofssynode antrat und somit für die weltweiten Bischofsversammlungen zu wechselnden Themen verantwortlich ist. Wenig überraschend kommt auch der Kardinalspurpur für die Erzbischöfe von Washington und Santiago de Chile, Wilton Gregory (72) und Celestino Aos Braco (75).

Dessen ungeachtet besitzen sie das besondere Vertrauen des Papstes: Alle vier wurden von Franziskus unter dem Zeichen eines Neuanfangs in ihre Ämter berufen. Der unerwartete Rücktritt von Semeraros Vorgänger Giovanni Angelo Becciu war von Verdächtigungen in Zusammenhang mit einer Finanzaffäre überschattet; im Generalsekretariat der Bischofssynode schien zuletzt der Eifer für eine synodalere Kirchenleitung erlahmt. Das Image der beiden letzten Oberhirten von Washington litt durch den Missbrauchsskandal und moralische Verfehlungen, und auch die Kirche in Santiago hat unter den Vorgängern Glaubwürdigkeit verloren. Gregory und Aos wurden ernannt, um Vertrauen vor Ort wieder aufzubauen. Jetzt will Franziskus ihre Stimme auch in Rom.

Wichtige Wachstumsregion

Vier weitere fallen in die Kategorie derer, die sonst weniger beachtete Regionen und Gruppen der Weltkirche im päpstlichen Senat repräsentieren sollen. Jose Fuerte Advincula (68), Erzbischof von Capiz auf den Philippinen, hat sich den Kampf für Indigenen-Rechte auf die Fahne geschrieben, während Cornelius Sim (69) als erster Bischof von Brunei in einer mehrheitlich muslimischen Gesellschaft tätig ist. Beide stammen aus Asien, einer für die katholischen Kirche wichtigen Wachstumsregion. Mit Antoine Kambanda (61), Erzbischof von Kigali, bekommt Ruanda nach dem Tod von Augustin Misago (1943-2012) wieder einen Kardinal. Augusto Lojudice (56) hingegen, Bischof von Siena und zuvor Weihbischof in Rom, stammt zwar nicht eben aus der weltkirchlichen Peripherie, machte sich aber als Anwalt sozialer Randgruppen einen Namen.

Eine ausgesprochen persönliche Wahl scheint Mauro Gambetti (ab Dienstag 55), Leiter des Sacro Convento in Assisi, des Franziskanerklosters am Grab des heiligen Franziskus. Der amtierende Papst ist mit dieser Stätte seines Namenspatrons eng verbunden. Gambetti steht dem dortigen Minoriten-Konvent seit 2013 vor und ist - abgesehen von einem Ingenieur-Diplom - einfacher Ordenspriester. Für eine Kardinalserhebung sieht das Kirchenrecht als Regel eine Bischofsweihe vor; dann könnte Gambetti aber keine Funktion mehr im Orden ausüben.

Italienische Dominanz

Vier Kandidaten haben das 80. Lebensjahr vollendet und werden verdiensthalber in das Kardinalskollegium berufen: Der mexikanische Bischof Felipe Arizmendi, der sich für Indigene einsetzte, der langjährige Kirchendiplomat und Migrations-Experte Silvano Tomasi, der Kapuziner Raniero Cantalamessa, der seit 40 Jahren als päpstlicher Hausprediger der Kurie ins Gewissen redet, und der langjährige römische Caritas-Direktor Enrico Feroci.

Mit insgesamt sechs Italienern unter den Nominierten bleibt die italienische Dominanz im Kollegium unangefochten. Der einzige weitere Europäer ist der Malteser Grech. Dass dem Papst sachliche und persönliche Aspekte wichtiger sind als nationale Quoten, hat er schon in der Vergangenheit gezeigt. Am 28. November werden 73 der dann 128 konklaveberechtigten Kardinäle von Franziskus ernannt sein. Die Mehrheit der Papstwähler sind Männer seiner Wahl. (Burkhard Jürgens/kna)


Das könnte Sie auch interessieren

Papst FRanziskus
© imago/Pacific Press Agency

Wage zu träumen!

Während des Lockdowns im Frühjahr hat die Welt nicht viel von Papst Franziskus gesehen – aber Franziskus hat sich die Welt ganz genau angesehen. Das Ergebnis ist jetzt als knapp 200-seitiges Buch...

04.12.2020

Tor mit Kette und Schloss versperrt
© Aphotostudio - AdobeStock

Erzbistum: Integrierte Gemeinde hat sich Visitation entzogen

Die 1948 gegründete Katholische Integrierte Gemeinde hat wohl keine Mitglieder mehr. Zuletzt wurden Vorwürfe von geistlichem Missbrauch laut.

27.10.2020

Porträt von Michael Brinkschröder
© privat

"Die Haltung der Kirche bleibt ambivalent"

Der Papst spricht sich aktuell für eingetragene Partnerschaften homosexueller Paare aus. Wie diese Haltung beim Verein "Homosexuelle und Kirche" (HuK) ankommt, lesen Sie hier.

22.10.2020

Papst Franziskus am Ambo
© imago images/Independent Photo Agency Int

Papst befürwortet Partnerschaften für Homosexuelle

Papst Franziskus befürwortet eingetragene Partnerschaften für homosexuelle Paare, aber keine Ehe. Das geht aus einem neuen Dokumentarfilm über Franziskus hervor.

22.10.2020

Italienische Zeitung berichtet über neue Enzyklika
© imago images / Independent Photo Agency Int.

Mehr wie der Heilige Franziskus werden

Der Papst ruft zu einem umfassenden Neuaufbruch in und nach der Corona-Pandemie auf. Was Kapuzinerprovinzial Christophorus Goedereis sonst noch aus der neuen Enzyklika herausliest, erzählt er im...

20.10.2020

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren