Fronleichnam Mahlgemeinschaft steht im Mittelpunkt

15.06.2017

Das Abendmahl ist Streitthema zwischen den beiden großen christlichen Kirchen. So schreibt ein evangelischer Theologe: „Brot bleibt Brot, Wein bleibt Wein“. Pfarrer Josef Mayer sieht dennoch eine Verbindung zum katholischen Fronleichnamsfest.

Für Pfarrer Josef Mayer steht die eucharistische Mahlgemeinschaft an Fronleichnam im Mittelpunkt
Für Pfarrer Josef Mayer steht die eucharistische Mahlgemeinschaft an Fronleichnam im Mittelpunkt © Fotolia

Ich dachte mir, im Jahr des Reformationsgedenkens über Fronleichnam zu schreiben, verlangt einen etwas anderen Hinblick. Deswegen fragte ich meinen Freund Arno B., einen calvinistisch geprägten evangelischen Theologen, ob er mir einige Zeilen zum Fronleichnam zukommen lassen könnte. Er tat es und brachte folgende Gedanken zu Papier:

„Von meiner Tradition her betrachtet, ist das Fronleichnamsfest nicht präsent. Wie du weißt, gibt es im Protestantismus die Tradition des Gedächtnisses des Lebens und des Sterbens Jesu Christi. Mit anderen Worten, wir können nur ein Gedächtnismahl anerkennen beziehungsweise das ‚Letzte Abendmahl des Herrn mit seinen Jüngern‘. Die katholisch begründete ‚Verwandlung‘ in der Eucharistie können wir in der calvinistischen Tradition nicht nachvollziehen: Das Brot und der Wein beim Abendmahl sind symbolisch zu verstehen und erinnern uns an die Heilsgeschichte des ,Letzten Abendmahls Jesu mit seinen Jüngern‘. Brot bleibt Brot, Wein bleibt Wein. Dies bedeutet, dass Fronleichnam – so wie wir ihn verstehen – als Sakramentstag in unserer Tradition keine Gültigkeit hat. Begriffe wie ‚anbeten‘, und ‚verehren‘ im Hinblick auf die Monstranz und in Prozessionen sind für uns sehr schwer nachvollziehbar.

Stattdessen ist in den Niederlanden der ‚Weiße Donnerstag‘ (Gründonnerstag) von Bedeutung. Am ,Weißen Donnerstag‘ feiern wir mit Freude die Fußwaschung und das ‚Letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern‘. Es ist ein vorsichtig fröhlicher Tag, aber auch ein Tag der Stille. Daneben ist es ein Tag der bescheidenen Freude, also ein durchaus positiver Tag. Der ‚Weiße Donnerstag‘ tritt für mich an die Stelle des Fronleichnamsfestes als ein zu heiligender Tag.“

Josef Mayer ist Landvolkpfarrer für Bayern und geistlicher Direktor des Hauses Petersberg. © Archiv

Im ökumenischen Dialog weiterkommen

Ich bin Arno sehr dankbar für seine ehrlichen Zeilen. Denn nur so können wir im ökumenischen Dialog weiterkommen. Zulassen, dass der andere etwas anders sieht und dass er deswegen nicht gleich zu verurteilen ist. Vielmehr sehen, dass es in seinen Gedanken durchaus Verbindungslinien zu Gedanken in unserer katholischen Tradition gibt. Aber auch sehen, dass immer Unterschiede bleiben werden.

Ich möchte aufgrund der Gedanken von Arno die Verbindung zum Gründonnerstag oder – wie er schreibt – zum „Letzten Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern“ besonders herausheben. Denn hier liegt die Verbindungslinie. Dieses Letzte Abendmahl hat im eher calvinistisch geprägten Protestantismus zwei Charaktere: den Charakter der Stille, der bei uns im Blick auf eine, an die „Verwandlung“ glaubende Anbetung gepflegt wird, ebenso wie den Charakter „einer bescheidenen Freude“, die sich durchaus mit dem Gang durch die Straßen und Wege von Dörfern und Städten verbinden lässt.

Was mir aber für einen guten Weg mit dieser Vertiefung des Gründonnerstagsereignisses in der Ökumene wichtig erscheint, ist die Tatsache, dass die eucharistische Mahlgemeinschaft der Festgemeinde am Fronleichnam wieder in die Mitte gerückt wird und nicht vor allem die Verehrung Jesu Christi im Geheimnis des eucharistischen Brotes in der mitgetragenen Monstranz. Das heißt, unser Tradition treu mit dem eucharistischen Brot in der Monstranz durch die Straßen gehen, aber darum wissen, dass andere – nicht nur die Nichtglaubenden – dazu keinen Zugang haben. (Josef Mayer)


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