Schwerste Glocke Bayerns Majestätische Klänge

07.08.2017

Wie schwer ist eigentlich die schwerste Glocke Bayerns? Wir in der Redaktion von mk online wollten das wissen und haben recherchiert. Und siehe da: die hängt sogar im Erzbistum München und Freising.

In Kloster Scheyern hängt die schwerste Glocke Bayerns. © Kiderle

Scheyern – „Sag mal, wie schwer ist eigentlich die schwerste Kirchenglocke in Bayern?“ Drei Fernsehredakteure schweigen betreten. Aber wir wollen es in der Redaktion natürlich doch wissen. Also recherchieren wir und haben sie schnell gefunden. Nein, es sind nicht die Glocken des Münchner Liebfrauendomes. Die schwerste Glocke hängt in Kloster Scheyern im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm. Und sie trägt den klangvollen Namen „Christus Salvator“ – Christus Erlöser.

Wir wollen das „Riesentrum“ natürlich auch sehen und vor allem hören und machen uns auf den Weg nach Scheyern. In der Benediktinerabtei leben derzeit zwölf Mönche. Von Abt Markus Eller werden wir im Innenhof des Klosters schon erwartet. Und da hängt auch schon eine Glocke. Allerdings ist es nicht die, die wir suchen, sondern eine alte Gussstahlglocke von 1947. Sie war der Ersatz für die zu Kriegszwecken beschlagnahmten Bronzeglocken des Klosters.

Wir müssen also in den Turm. 110 Stufen geht es mit Abt Eller hinauf in die Glockenräume. Diese sind für die Öffentlichkeit normalerweise nicht zugänglich. Und da hängt sie: „Christus Salvator“. 2,50 Meter Durchmesser, 10,1 Tonnen schwer. Das entspricht dem Gewicht von 130 Menschen oder zehn Mittelklasse-Wagen. Allein der Klöppel wiegt 300 Kilogramm. Fast liebevoll legt Abt Eller seine Hand auf den mächtigen, gewölbten Bronzekörper mit der Aufschrift „Christus Salvator Erbarme dich unser“.

Abt Markus Eller schätzt den Klang der Christus-Salvator-Glocke, die nur zu besonderen Anlässen läutet. © Kiderle

„Die Salvatorglocke läutet nur zu besonderen Anlässen, zum Beispiel zu kirchlichen Hochfesten oder auch, als der neue Papst gewählt wurde“, erzählt er. „Wie Jesus sagt, dass die Schafe die Stimme des Hirten kennen, so kennen wir die Stimme der Glocken, sie haben etwas Vertrautes.“ Und natürlich hört der Abt „Christus Salvator“ aus den insgesamt 14 Glocken von Scheyern heraus: „Wenn sie nicht funktioniert, dann fehlt sie einfach in dem vollen Geläute. Das ist leider auch schon passiert.“

Harmonisches Zusammenspiel

Dafür gibt es dann aber Gott sei Dank den „Vater“ der Glocke, Rudolf Perner. Er hat die „Superglocke“ vor acht Jahren nicht nur gegossen. Er muss auch in regelmäßigen Abständen nach dem Rechten sehen und alle Schrauben sowie das Zugrad prüfen. Heute ist der Glockengießermeister wieder einmal in Scheyern. „Wir haben bei der Glockenanlage, die ja ständig in Betrieb ist, sehr große Gewichte, die zudem schwingen. Da kann es zu Verschleiß und Lockerung kommen“, erläutert er. Mit dem Glockenstuhl aus Holz habe man einen Werkstoff verwendet, der arbeite, „da muss man schon immer wieder nachschauen, ob noch alles in Ordnung ist“, ergänzt Perner.

An den Glockenguss kann er sich noch gut erinnern. Zehn Monate hat es gedauert, bis alles fertig war. „Christus Salvator“ sei die größte Glocke, die er in seiner Laufbahn je gegossen habe, betont Perner. Sein Großvater hat einst für Passau die „Pummerin“ geschaffen. Für den Auftrag aus Scheyern musste die Passauer Werkstatt nun hergerichtet werden. Schließlich brauchte man alles in wesentlich größeren Dimensionen, wie zum Beispiel die Schablone für die Glocke. „Das waren alles Sonderanfertigungen, ebenso wie der Glockenstuhl,“ erklärt Perner.

Der Ton einer Glocke entsteht übrigens durch das Zusammenspiel von Wandstärke, Wölbung und der Zusammensetzung der Bronze. „Das zu berechnen und zu gießen, ist die eigentliche Kunst des Glockengießers. Es wird auch das Glockengießergeheimnis genannt“, verrät uns der Fachmann. Und lächelnd fügt er hinzu: „Terz, Unteroktav und Nachhall, wenn das alles passt und die Glocke zusammen mit den anderen ein harmonisches Geläute ergibt, dann ist man einfach glücklich.“

Am Ende der Dreharbeiten lässt Rudolf Perner noch einmal die Christus-Salvator-Glocke zur Probe läuten. Majestätisch schwingen neben uns 10,1 Tonnen Bronze. Die Schwingungen übertragen sich auf den Glockenturm. Und wir, die wir mit Gehörschutz danebenstehen, spüren jeden Glockenschlag in der Brust. Wir sind sehr glücklich, dass wir sie gefunden haben und erleben durften, die schwerste Glocke Bayerns.

Die Autorin
Andrea Haagn
Fernseh-Redaktion
a.haagn@st-michaelsbund.de


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