Teilnehmer berichten von Amazonas-Synode "Man hat diesen synodalen Geist gespürt"

29.10.2019

Kardinal Rainhard Marx und Vertreter aus Ecuador diskutieren nach Abschluss der Amazonas-Synode über deren Inhalte und Ergebnisse in der Katholischen Akademie in München.

Kardinal Rainhard Marx und weitere Teilnehmer der Amazonas-Synode diskutieren in der Katholischen Akademie in München.
Kardinal Rainhard Marx und weitere Teilnehmer der Amazonas-Synode diskutieren in der Katholischen Akademie in München. © Kiderle

München - Bischof Rafael Cob García ist geschlaucht, aber glücklich. Drei Wochen lang hat er an der Amazonas-Synode im Vatikan teilgenommen. Sein Bistum liegt in Ecuador, dem Partnerland der Erzdiözese München und Freising. Darum ist er auch nicht gleich nachhause gefahren, sondern hat noch in München Halt gemacht. Dort ist er Teilnehmer an einer Podiumsdiskussion in der Katholischen Akademie. Gegenüber der Münchner Kirchenzeitung und dem Münchner Kirchenradio schwärmt der 68jährige von seinen Synoden-Erfahrungen: „Man hat diesen synodalen Geist gespürt, mit dem sich trotz Meinungsverschiedenheiten ein neuer Weg beschreiten lässt.“

Ohne Laien und Frauen wäre Seelsorge nicht zu leisten

Bischof Cobs García Bistum ist so groß wie halb Bayern. Mit ihm kümmern sich 16 Priester um die Menschen in den oft schwer zugänglichen Gebieten. Teilweise kann dort nur einmal im Jahr Eucharistie gefeiert werden. Ohne Laien und insbesondere Frauen, wäre die Seelsorge dort nicht zu leisten. Der Bischof erzählt mit großer Rührung davon, wie auf der Synode die indigene Bevölkerung und ihre Anliegen gehört worden seien. Und er betont, wie wichtig die Anerkennung der gesellschaftlichen und pastoralen Arbeit der Frauen auf der Kirchenversammlung gewesen sei.

Das sieht auch Ruth Elvira Sánchez so, die ebenfalls bei der Synode dabei war und einen Zwischenstopp in München eingelegt hat. Die Laienmissionarin im Amazonasgebiet von Ecuador beklagt jedoch, dass immer noch „viel Klerikalismus“ in Lateinamerika herrsche, er sei „das größte Problem“ für die Kirche. Die Hierarchie müsse lernen, die kirchlich engagierten Frauen eigenverantwortlich arbeiten zu lassen und das auch zu würdigen. Längst nähmen sie eine Schlüsselrolle gerade in der Verkündigung des Glaubens ein.

So arbeitet Ruth Elvira Sánchez an einem Ausbildungsinstitut für Seelsorge mit. Von den 50 Dozenten sind 47 weiblich. Ebenso ist sie Mitglied der zehnköpfigen Menschrechtskommission in Ecuador, das acht davon sind Frauen. Die Forderungen nach einer gerechten Gesellschaft und die Seelsorge werden zumindest in Ecuador von Frauen vermittelt und getragen. Dabei hält Sánchez Weiheämter für Seelsorgerinnen, Gemeindeverantwortliche oder Katechetinnen nicht für entscheidend: „Ich würde es mir wünschen, aber es ist nicht das Wichtigste.“ Es gehe darum den Seelsorgerinnen Spielraum bei ihrem Engagement zu lassen und ihre Erfahrungen in der Kirche zu berücksichtigen.

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Rückblick auf der Amazonas-Synode

Ruth Elvira Sánchez ist Laienmissionarin im Amazonasgebiet von Ecuador.
Ruth Elvira Sánchez ist Laienmissionarin im Amazonasgebiet von Ecuador. © Kiderle

Grüne Lunge der Erde vor Raubbau schützen

Gerade die Seelsorgerinnen wüssten nur zu gut, was die Rechtsbrüche internationaler Konzerne und korrupter Verwaltungen im Amazonasgebiet anrichteten. Sie führen zu Umweltvernichtung, Abwanderung in die Städte, wo die Familienverbände zerbrechen, junge Menschen in Drogenabhängigkeit geraten und oft von ihren Eltern verlassene Kindergruppen gemeinsam um ihr Überleben kämpfen. Die Kirche ist oft die einzige Einrichtung, an die sich Notleidende wenden können und deren Würde achtet. In Bischof Cobs García Diözese Puyo etwa wird die Hälfte des Bistumshaushalts auf die Gesundheitsfürsorge der Ärmsten verwendet.

Wie Papst Franziskus in seiner Enzyklika „Laudato si“ und die Amazonas-Synode deutlich machten, hängen die vielfältigen Probleme zusammen und werden weltweit im Klimawandel sichtbar. Die Not wiederum zwingt viele Menschen Arbeit bei der Abholzung des Regenwaldes zu suchen. Wenn sie gestoppt werden soll, muss die grüne Lunge der Erde vor Raubbau geschützt werden. Dafür ist soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit eine der Grundbedingungen.

Recht der Gläubigen auf Eucharistie

An diesem Punkt wird Kardinal Reinhard Marx, der ebenfalls auf dem Podium sitzt, leidenschaftlich. In den deutschen Medien sei im Zusammenhang mit der Amazonas-Synode fast nur von der möglichen Weihe verheirateter Männer die Rede gewesen. „Da geht es endlich einmal um das Überleben der Welt, und in unseren Zeitungen steht nur: ,Wann wird endlich der Zölibat abgeschafft?‘ Da bin ich nicht dabei.“ Hier würde ein einzelnes Thema für eigene Interessen innerhalb der deutschen Kirche instrumentalisiert. „Kein Applaus?“, fragt der Kardinal als er den rund 400 Zuhörern der Podiumsdiskussion diesen Gedanken nahelegt.

Den bekommt er, als er von dem Recht der Gläubigen auf die Eucharistie spricht und es einen „Skandal“ nennt, wenn sie in 70 Prozent der Gemeinden im Amazonasgebiet nur einmal im Jahr gefeiert werden kann. Da könne es durchaus sein, „dass es notwendig ist, bewährte verheiratete Männer zur Feier der Eucharistie zuzulassen“. Um diesem Vorschlag der Synode zu folgen, müsse jedoch „nicht ein einziger Punkt im Kirchenrecht geändert werden“. Schon gar nicht würde es eine Abschaffung des Zölibats bedeuten. Ebenso stelle sich die Frage nach der Zulassung verheirateter Männer zum Priesteramt in Europa aufgrund der unterschiedlichen Bedingungen anders als in Lateinamerika.

Wichtiges Signal für den Synodalen Weg

Trotzdem geht für den Kardinal von der Amazonas-Synode, die er selbst begleitete, ein wichtiges Signal für den sogenannten Synodalen Weg aus, der innerhalb der deutschen Kirche Reformen anstoßen soll. „Die Amazonas-Synode hat uns gezeigt, wir müssen hinhören auf das was die Menschen brauchen“, erklärte er gegenüber der Münchner Kirchenzeitung und dem Münchner Kirchenradio. Evangelisierung bedeute, „von dem auszugehen was an Sorgen und Wunden da ist“. Da sei die jüngste Kirchenversammlung im Vatikan „stilbildend“ auch für Deutschland.

Und für die Erzdiözese sei die Amazonas-Synode ein Anstoß ihren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Zum einen, dass beispielsweise Wiederaufforstungen im Partnerland Ecuador unterstützt würden, „aber auch, dass wir überlegen, hier auf unseren kirchlichen Flächen aufzuforsten.“ Schließlich sei die Bewahrung nicht nur Aufgabe der Menschen im Amazonasgebiet: „Das eine Haus der Erde ist uns allen anvertraut und die Kirche steht an der Seite aller, die sich dafür engagieren.“

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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