Augsburger Friedensgespräche "Manchmal muss man sagen: Stoppt die Religion!"

09.01.2020

Kardinal Reinhard Marx findet im Friedensbüro der Stadt Augsburg klare Worte. Mit dem evangelischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm spricht er über Religion und Frieden.

Heinrich Bedford-Strohm und Kardinal Reinhard Marx bei den Augsburger Friedensgesprächen.
Heinrich Bedford-Strohm (l.) und Kardinal Reinhard Marx (r.) bei den Augsburger Friedensgesprächen. © Christopher Beschnitt/KNA

Augsburg – Religion ist laut dem Münchner Kardinal Reinhard Marx nicht immer hilfreich für den Frieden. "Manchmal muss man sagen: Stoppt die Religion!", sagte Marx am Mittwochabend bei den vom Friedensbüro der Stadt Augsburg verantworteten "Augsburger Friedensgesprächen".

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Erzbischof von München und Freising ergänzte, er glaube, alle Religionen dienten im Kern dem Frieden. "Aber manchmal ist dieser Kern sehr verschüttet." Religion dürfe nicht gegen Menschen oder zum Machterhalt missbraucht werden.

Frieden braucht alle Menschen

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland und bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm erklärte, der Frieden brauche die Kirche, weil er alle Menschen brauche. Die Kirche insofern besonders, als es zu deren DNA gehöre, Versöhnung zu stiften. "Früher wurde die Kirche für ihre Waffensegnung kritisiert", sagte Bedford-Strohm, heute unter anderem für ihr Eintreten für den Umweltschutz. "Da ist mir Letzteres lieber."

Zur Rolle der Kirchen in der Gesellschaft meinte der Landesbischof: "Die Ausstrahlungskraft von Kirche hängt nicht an der Mitgliederzahl." Es gehe darum, mit Begeisterung für das Evangelium einzutreten und zu zeigen, dass man als Christ aus dieser Kraft heraus lebe. Es sei derweil natürlich, dass heute weniger Menschen "aus Freiheit" Kirchenmitglieder seien als früher, da viele es "aus Konvention" gewesen seien.

Wo Angst verbreitet wird, kann das Evangelium nicht wirken

Marx ergänzte: "Die Gesellschaft der Freiheit wollen wir nicht verändern." Man solle niemanden ausschließen, nur weil er nicht jeden Sonntag in die Kirche komme. "Wo Angst verbreitet wird - vor der Hölle oder was auch immer -, da kann das Evangelium nicht wirken."

Die "Augsburger Friedensgespräche" fanden unter dem Titel "Braucht der Frieden die Kirchen?" erstmals statt. Künftig sollen dabei laut Organisatoren zweimal jährlich Vertreter von Wissenschaft, Politik, Kultur, Religion und Sport über Interkulturalität, Migration, Integration, Diversität und multireligiösen Dialog reden. Die Gespräche nehmen Bezug auf den Augsburger Religionsfrieden von 1555. Sie sollen das Verständnis für aktuelle Entwicklungen in heterogenen Gesellschaften fördern, neue Perspektiven und konkrete Handlungsoptionen vorstellen sowie zu einer aktiven Beteiligung und Gestaltung gesellschaftlicher Prozesse anregen. (kna)


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