Spenden gesucht Mangel in der Kleiderkammer

18.05.2017

Seit 25 Jahren bekommen Obdachlose Unterstützung im Münchner Kloster St. Bonifaz. Auch die Kleiderkammer boomt: Vom Turnschuh bis zur Mütze werden die Obdachlosen mehrmals in der Woche mit neuen Kleidungsstücken versorgt. In manchen Regalen herrscht aber schon nach kurzer Zeit gähnende Leere.

Die Kleiderkammer von St. Bonifaz braucht dringend Spenden.
Die Kleiderkammer von St. Bonifaz braucht dringend Spenden. © fotolia/Africa Studio

München — Mittwochvormittag, kurz nach halb elf: Dicht gedrängt stehen die Männer im Keller der Obdachlosenhilfe „Haneberghaus“. Hier in der Kleiderkammer holen sie sich neue Hosen oder einen Pullover. Doch was vor allem fehlt, sind Unterhosen in kleinen Größen: vornehmlich bei Größe 5 und 6 herrscht an den Abgabetagen schon nach kurzer Zeit absoluter Mangel. Keine Wunder: denn die Spender sind oft erheblich besser genährt als die Menschen auf der Straße. Auch bei T-Shirts und Socken sieht es nicht gerade rosig aus, aber bei der Unterwäsche sind die Kartons schon lange vor dem Schließen der Kleiderkammer leer.

Roman Krivsky, der die Kleiderkammer leitet, schätzt, dass er pro Kalenderjahr jeweils etwa 25.000 Unterhosen, Sockenpaare und T-Hirts bräuchte. Gerade mal zu etwa 70 % kann er den Bedarf aus Spenden decken. Und das auch nur, weil er mit Geldspenden immer wieder mal größere Mengen Kleidung kaufen kann. Dabei ist die Lagerung großer Wäschepakete vor allem wegen des reißenden Absatzes kein Problem.

Hilfe durch Stiftungen

Viele der „Kunden“ sind enttäuscht, wenn wieder mal nichts für sie dabei ist, denn, so sagt der bärtige junge Mann im Parka: „Eine Kleiderkammer ist wertvoll. Wenn es draußen kalt ist und feucht, brauchst Du frische Klamotten, sonst frierst Du.“ Der Leiter des Haneberghauses, Frater Emanuel Rotter, versucht deshalb Hilfe zu bekommen, wo er sie kriegen kann. „Wir erhalten ab und zu Gelder von Stiftungen, auch der Adventskalender der Süddeutschen Zeitung hat uns schon öfter geholfen.“ Die eingekaufte Wäsche ist aber schnell wieder weg.

Außerdem hat Frater Emmanuel beobachtet, dass sich die Spender scheuen, schon getragene Wäsche zu bringen. „Egal, ob das Kleidungsstück ein Löchlein hat oder der Bund ausgeleiert ist, wir nehmen auch diese Sachen.“ Die Unterhosen würden nur einige Male getragen und auf der Straße sowieso viel schneller schmutzig. Einen Wunsch hätte Frater Emanuel noch für seine Kunden: dass sie ihre Wäsche auch im Haneberghaus waschen könnten. Für eine eigene Wäscherei fehlt den Brüdern von St. Bonifaz aber der Platz. Ein Waschsalonbesitzer, der die Benediktinerabtei unterstützen würde, wäre eine Ausweichlösung. (Willi Witte)

Wer St. Bonifaz T-Shirts, Socken oder Unterwäsche spenden möchte, darf auch geflickte oder ältere Sachen bringen. Annahme ist täglich zwischen 8 Uhr und 12 Uhr, und zwischen 14 und 18 Uhr. Sie können die Kleiderkammer auch finanziell unterstützen: Liga-Bank eG München IBAN: DE94 7509 0300 0002 2143 00 BIC: GENODEF1M05 Kennwort OWF (ohne festen Wohnsitz) / Kleiderkammer + Kontoinhaber-/Adressinformationen für Zuwendungsbestätigung:

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