Kindererziehung Mann in einem „Frauenberuf“

23.03.2018

Der Erzieher Jonas Ziermeier leitet den Kindergarten St. Andreas im Münchner Schlachthofviertel.

Jonas Ziermeier leitet den Kindergarten St. Andreas im Münchner Pfarrverband Isarvorstadt.
Jonas Ziermeier leitet den Kindergarten St. Andreas im Münchner Pfarrverband Isarvorstadt. © Riffert

 

München – Jonas Ziermeier arbeitet in einem Beruf, in dem Männer noch sehr selten sind: Der 29-Jährige ist Erzieher sowie Fachwirt Erziehungswesen und leitet den Kindergarten St. Andreas im Münchner Pfarrverband Isarvorstadt. 90 Mädchen und Buben von drei bis sechs Jahren sind hier in vier Gruppen untergebracht. „Ich bin familiär vorbelastet“, erklärt Jonas Ziermeier schmunzelnd seine Berufswahl: „Meine Mutter ist Erzieherin, meine Schwester ebenfalls, mein Bruder ist Sozialpädagoge. Nur mein Vater fällt als Kriminalbeamter aus der Reihe.“ Der energiegeladene und freundliche Mann mit der angenehmen Tenorstimme hat zunächst die Wirtschaftsschule abgeschlossen. Aber in die Wirtschaft hat es ihn anschließend nicht gezogen. „Mir hätte da das Zwischenmenschliche gefehlt. So habe ich mich an der Fachakademie für Sozialpädagogik beworben“, erinnert er sich.

Werte weitergeben

Sein Anerkennungsjahr hat Jonas Ziermeier in einer Kinderkrippe absolviert. „Danach wusste ich aber, dass mir Krippenkinder doch noch zu klein sind. Ich will mit den Kindern sprechen können, mit denen ich arbeite“, erinnert sich Ziermeier. Schließlich hat er in einem Kindergarten gearbeitet, bevor er sich auf die Leitungsstelle in St. Andreas beworben hat. „Unser Pfarrer Kapuzinerpater Stefan Maria Huppertz hat mir die Chance dazu gegeben, auch wenn ich damals nicht viel Berufserfahrung mitgebracht habe, denn er fand es wichtig, dass Männer im Kindergarten greifbar sind.“ Elf Erzieherinnen und ein Erzieher sind seine Kollegen. Außerdem gibt es noch einen Praktikanten im Anerkennungsjahr. Als Leiter ist Jonas Ziermeier nicht mehr in den Gruppendienst eingebunden. „Aber ich gehe immer wieder zu den Kindern und helfe auch aus, wenn jemand krank ist“, erklärt er. Dass ihm das Spaß macht, sieht man daran, wie er strahlt, wenn die Kinder ihm begeistert entgegenlaufen. „Jonas, spielst du heute noch Fußball mit uns?“, will ein Bub im FC Bayern-T-Shirt wissen.

Interesse an religiösen Fragen

„Was gibt es Schöneres, als wenn die Kinder lachen und sich freuen?“, fragt Ziermeier und liefert gleich die Antwort: „Nichts!“ Er ist selbst verheiratet und Vater eines eineinhalbjährigen Sohns. Im April wird das zweite Kind des Ehepaars Ziermeier geboren. „Ich genieße auch die Zeit mit meiner eigenen Familie. Meine Kinder sollen später sagen können: Ich hatte eine tolle Kindheit.“ Die Werte, die er selbst in seiner katholisch geprägten Familie kennenlernen durfte, will er weitergeben: sowohl an die eigenen Kinder als auch an die im Kindergarten St. Andreas.

„Es gab eine Phase, in der ich als Jugendlicher sehr stark glauben konnte. Dann war ich eine Zeit lang eher der Ansicht, dass alles wissenschaftlich erklärbar sein muss, und war skeptisch, ob es Gott wirklich gibt. Jetzt bin ich schon länger der Meinung, dass man manchmal einfach etwas glauben können muss“, beschreibt er seine religiöse Entwicklung. Der gebürtige Münchner war nie in einer kirchlichen Jugendgruppe aktiv, aber er interessierte sich schon immer stark für religiöse Fragen. Er las Bücher, recherchierte im Internet und wollte die verschiedenen Weltreligionen kennenlernen, etwa den Buddhismus. „Ich wusste immer, da ist noch etwas, was über das rein Spür- und Messbare hinausgeht. Deshalb musste ich mich auch bei anderen Religionen umschauen. Am Schluss bin ich ganz bewusst beim Christentum geblieben. Das Bild des liebenden Gottes, der mir in Jesus entgegenkommt und mich so nimmt, wie ich bin, hat etwas sehr Einladendes“, fasst er seine Erfahrungen zusammen.

Begeistert von Geschichten aus der Bibel

Auch weil Ziermeier selbst religiös ist, gefällt ihm die Arbeit im Kindergarten hier im Münchner Schlachthofviertel. Zwar sind nur etwa 30 Prozent der Mädchen und Buben dort Christen, aber fast alle Kinder lassen sich von Geschichten aus der Bibel oder von Erklärungen zu kirchlichen Hochfesten begeistern. „Kinder wollen alles wissen. Und ich möchte ihnen etwas mitgeben für ihr Wertefundament. Dann können sie später, wenn sie selbst erwachsen sind, darauf aufbauen und entscheiden, ob sie an Gott glauben wollen“, erklärt Jonas Ziermeier seine Motivation. Das ist eine gute Basis für die Zukunft, gerade für Kinder, die nicht das Glück haben, dass ihre eigenen Eltern ihnen etwas vom liebenden Gott erzählen können. (Gabriele Riffert)

 


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