Vor 70 Jahren in München Maria bekommt Spitzenplatz zurück

17.11.2015

Der 18. November 1945 ist in der bayerischen Hauptstadt ein Großereignis. Die goldene Patrona Bavariae kommt wieder auf die Mariensäule, die Kardinal Faulhaber neu weiht.

Großereignis für München und Bayern: Die Neueinweihung der Mariensäule wenige Monate nach dem Zweiten Weltkrieg (Bild: Archiv des Erzbistums München und Freising)

München – Wer nicht direkt an der Mariensäule einen Platz gefunden hat steht auf einem der riesigen Trümmerhaufen oder beugt sich aus den Fensterhöhlen zerbombter Häuser: 20 000 Menschen sind zur Neueinweihung der Mariensäule auf dem Münchner Marienplatz gekommen. Der greise Kardinal Michael Faulhaber zieht mithilfe eines Seils die Verhüllung von der zurückgekehrten Madonnenfigur und weiht die Säule neu. Seine Ansprache wird mit Lautsprechern in die umliegenden Straßenzüge übertragen, damit ihn auch dort die versammelte Menschenmenge hören kann. Die Mariensäule hatte den Bombenhagel nur mit leichten Beschädigungen überstanden. Allerdings war 1942, nach den ersten Luftangriffen auf München, die bekrönende Marienfigur in Sicherheit gebracht und im Dom eingelagert worden.

Zeichen für einen Neuanfang

Am 18. November 1945 kehrt die Figur wieder auf ihren angestammten Platz zurück. „Es war ein Zeichen des Neuanfangs und Kardinal Faulhaber hat in seiner Predigt gesagt, dass dieser Neubeginn ausdrücklich im Zeichen des christlichen Glaubens erfolgen soll“, erklärt der Historiker Roland Götz vom Archiv des Erzbistums. Die Münchner Kirchenzeitung berichtete unter der Überschrift „Eine neue Regierung“ auf Seite 1 von der Einweihung. Gemeint war, dass die Gottesmutter Maria die gottlose Naziregierung abgelöst hatte. Dabei hatte nicht die Kirche, sondern die Stadt, die Eigentümerin der Mariensäule ist, die große Feier vorbereitet. Schließlich bekam München seinen Mittelpunkt wieder. Allerdings nur bis 1966. Dann musste die Säule für vier Jahre dem U-Bahnbau weichen und wurde aus optischen Gründen ein paar Meter entfernt von ihrem ursprünglichen Platz aufgestellt. Bis heute ist sie ein wichtiger Referenzpunkt für Kilometerangaben oder Vermessungen und für Touristen eines der beliebtesten Münchner Fotomotive. Aber die Mariensäule ist immer auch Ort des Gebets geblieben. Die Gläubigen kommen hier mehrmals im Jahr zum Rosenkranz zusammen. Und zu den ersten Amtshandlungen eines neuen Erzbischofs von München und Freising gehört es, an dieser Säule niederzuknien, die Kardinal Faulhaber vor 70 Jahren neu geweiht hat. (alb)

 

 

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Der Mai und Maria

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren