Von den Einheimischen gerettet Maria hoch überm Chiemgau

25.09.2013

Wer heute den Wallfahrtsort Maria Eck besucht, kann sich kaum vorstellen, dass Anfang des 19. Jahrhunderts nicht viel gefehlt hätte, und die Wallfahrtskirche wäre in der Säkularisation abgerissen worden. Nur der opferbereite Einsatz der Chiemgauer rettete die Wallfahrt vor ihrem Untergang und sorgte für ihre Wiederherstellung vor genau 200 Jahren.

 

Der prächtige Hochaltar in der Wallfahrtskirche von Maria Eck (Bild: Bier)

Maria Eck - Durch den Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 wurden alle Bistümer, Klöster und Stifte säkularisiert und aufgehoben. Dieses Schicksal traf am 11. März 1803 auch das Kloster Seeon und mit ihm das dazugehörige Maria Eck. Zunächst wurden die Güter mit ihren Gebäulichkeiten veräußert. Dann ging es um die Wallfahrtskirche. Pater Franz Maria Endres, Guardian von Maria Eck, erzählt in der Münchner Kirchenzeitung die Geschichte der Wiederbelebung seiner Wallfahrtskirche:

Für Maria Eck war der Pfarrvikar von Siegsdorf, Josef Lechner, zuständig. Dieser konnte mit dem Wallfahrtswesen nichts anfangen und so war er ein großer Befürworter eines Abrisses. Er reduzierte die Gottesdienste und sorgte dafür, dass die Votivgaben aus Wachs versteigert wurden. Die Landesregierung sprach am 30. Juli 1804 die Entbehrlichkeit der Wallfahrtskirche Maria Eck aus und befahl die Schließung und Ausräumung der Kirche. Kelche, Kirchengeräte und Paramente kamen nach München, einiges nach Siegsdorf. Die beiden Geistlichen verließen Maria Eck. Die Kirche wurde entweiht und es gab einen Gerichtsbeschluss, dass am 13. September 1806 das Gewölbe eingeschlagen werden sollte.

Das Vorhaben wurde in Windeseile unter der Bevölkerung bekannt. Die einheimi­schen Bauern und Holzknechte scharten sich auf die Nachricht hin um die Wallfahrtskirche und verhinderten den Abbruch der Gewölbe und sonstige Beschädigungen der Kirche.

Die Gemeinden um den Wallfahrtsort – Vachendorf, Bergen, Siegsdorf, Ruhpolding und Inzell – taten sich nun zusammen. Im März 1810 richteten sie an den König von Bayern ein Gesuch, worin sie um die Wiedereröffnung der schon sechs Jahre geschlossenen Wallfahrtskirche baten und sich verpflichteten, für die Instandsetzung, Einrichtung  und Erhaltung der Kirche aufzukommen. Seitdem nennt man diese Gemeinden auch „die Garantiegemeinden von Maria Eck“, weil sie bereit waren, für den Unterhalt der Kirche aufzukommen. Zunächst hatten diese Eingaben aber keinen Erfolg. Am 24. Juni 1811 wurde das Gnadenbild nach Siegsdorf in die Pfarrkirche transferiert, am 25. Mai 1812 die Kirche vom Rentamt Traunstein versteigert. Inzwischen hatte der Widerstand Oberwasser gewonnen, es gab bei Behörden und Regierungsstellen Fürsprecher, unter ihnen Kronprinz Ludwig von Bayern.

So musste schon wenige Tage nach der Versteigerung der Kirche diese Versteigerung auf Anweisung der Regierung widerrufen werden und am 9. Oktober 1812 erfolgte der Beschluss der Spezial-Klosterkommission in München, dass die Kirche erhalten werden solle. Damit war die Wallfahrtskirche endgültig gerettet.Am 30. Juni 1813 wurde die Kirche neu geweiht. Durch eine Bittschrift an den Kronprinzen anlässlich eines Besuches im Chiemgau im Oktober 1813 erreichten die Garantiegemeinden auch die Rückführung des Wallfahrtbildes im Dezember des gleichen Jahres.

Die Voraussetzung für den Einzug der Franziskaner- Minoriten schuf schließlich der ehemalige Minorit Totnan Seehuber: Er kaufte das Gut in Maria Eck für 85.000 Mark. Nach einigen Verhandlungen konnten am 13. August 1891 die ersten Brüder einziehen. Am Himmelfahrtstag wurden sie feierlich in ihre Aufgaben als Wallfahrtsseelsorger eingeführt.

Heute gehören zum Konvent Maria Eck acht Brüder. Hinzu kommen die Postulanten und Novizen, die ihre ersten Schritte im Ordens-leben im Chiemgau machen dürfen. Die Wallfahrt ist nach wie vor das Haupt-betätigungsfeld der Brüder. Zahlreiche Wallfahrten und Führungen stehen jedes Jahr auf dem Programm. Einer der Höhepunkte dabei ist sicher die jährliche Trachtenwallfahrt, die seit 1951 besteht: Dann machen sich etwa 2.500 Trachtler aus dem ganzen Chiemgau von Siegsdorf zu Fuß auf nach Maria Eck. Am Freialtar – das Wallfahrtskirchlein wäre viel zu klein – wird eine Messe gefeiert und anschließend im Klostergasthof noch eingekehrt.  (Pater Franz Maria Endres, Guardian von Maria Eck)

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